Festival 2025 in Neuhausen
: Die 1-Million-Dosen-Party auf dem Southside

Massenhaft Getränke schleppen die Fans zum Festival. Aber wie viele Büchsen sind das wohl? Wir haben mal vorsichtig nachgerechnet.
Von
Jörg Braun
Oberndorf
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Bergeweise Dosen bringen die Fans zum Southside mit. Viele Büchsen landen in den Sammelstellen und werden zur Pfandspende, so wie hier 2024.

Jörg Braun

Spätestens am Donnerstag dieser Woche setzt sich die Karawane feierwütiger Musik- und Festivalfreunde wieder in Bewegung, Richtung Neuhausen ob Eck im Kreis Tuttlingen, zum Southside-Festival. Kamele und Lastesel wurden dort zwar noch nie gesichtet, aber die Karawane ist Jahr für Jahr bestens mit Proviant versorgt.

Die Musikfans haben vor allem: Durst

Drei, vier Tage lang haben die Festivalgäste ja vor allem eines: Durst. Wir schauen mal genauer hin, was da so an Durststillendem zusammenkommt und verraten vorab: es geht hier um Millionen Dosen und Flaschen und damit um Getränkepfand, mit dem man sich eine schicke Wohnung kaufen könnte. Theoretisch.

Kommen wieder 65 000 Besucher?

Taschenrechner geschnappt und los geht die Rechnung. Ist das Festival wie vorigen Sommer ausverkauft, tummeln sich wieder 65 000 Musikfans auf dem früheren Flugplatzgelände. Die meisten bleiben die vollen drei Tage, von Freitag bis Sonntag. Nicht wenige reisen aber auch schon an Fronleichnam an, dem Feiertag vor der Megaparty. Der Taschenrechner spuckt aus: das sind bei grob 3,5 Tagen Festivalbesuch rund 227 500 Besuchertage. Aber stapeln wir mal tief und nehmen 200 000 Besuchertage. Denn es deutet sich an, dass dieses Jahr der Andrang nicht ganz so riesig sein dürfte wie in Vorjahren.

An den Eingängen wird Pfand gesammelt. Das geht dann an soziale Einrichtungen.

Foto: Jörg Braun

Dann: Was trinken die Gäste an mitgebrachten Getränken? Auch das lässt sich noch leicht ermitteln, man braucht nur über die Campingbereiche spazieren: Überall türmen sich palettenweise Bierdosen in und vor den Zelten. Natürlich auch Mineralwasserflaschen, aber vor allem Bier, Bier und noch mehr Bier. Denn Dosen sind leicht und bei der Anreise am bequemsten mit dem Bollerwagen vom Auto zum Zeltplatz zu karren.

5 bis 6 Dosen pro Tag? Oder gleich 10?

Nun wird’s schwieriger: Wie viele Dosen pro Kopf und Tag soll man ansetzen? Allgemeine Ratgeber für Festivals, die man im Netz findet, raten bei „moderatem Konsum zu drei bis vier Getränken pro Person und Tag“. Feierfreudige sollten „realistisch fünf bis sechs Getränke“ einpacken, liest man. Doch man muss gar nicht aufwendig recherchieren, um an andere Zahlen zu gelangen. „Zehn Dosen Bier gehen da schon locker pro Tag weg“, lachte ein Campinggast vorigen Sommer auf die entsprechende Frage – und köpfte die nächste Büchse.

Überall liegen Dosen herum.

Foto: Jörg Braun

Tatsächlich reichen vor allem den jungen Festivalbesuchern eine Hand voll Dosen pro Party-Tag nirgends hin, sieht man am an jedem Southside-Finale. Überall stehen gelbe Säcke prall gefüllt mit Pfanddosen vor den Zelten und noch mehr leere Behälter liegen überall auf dem Camping-Gelände verteilt.

6600 Euro Spende für Soziales

Einen großen Berg an leeren Büchsen findet man an mehreren Sammelstellen, die der Veranstalter Scorpio einrichtet. Dort können Besucher, die ihre Dosen nicht heimtragen wollen, in riesige Tonnen und Gatter werfen. Das Leergut wird dann abgegeben und soziale Einrichtungen im Kreis Tuttlingen bekommen das Pfandgeld. Voriges Jahr kamen so 6.642 Euro zusammen, berichtet Jonas Rohde von Scorpio.

Büchsen-Sammeln ist verboten

Wer nichts spenden möchte, darf seine eigenen Dosen und Flaschen natürlich mit nach Hause nehmen. Nicht aber anderes Leergut sammeln, das herumliegt. Das ist verboten, warnen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Festivals. Wer Dosenpfand von anderen sammelt und Kasse machen will, fliegt im schlimmsten Fall vom Gelände – ohne Dosen. „Es gibt immer wieder Verstöße diesbezüglich“, schildert Rohde. Kein Wunder, da liegt ja buchstäblich Geld auf dem Boden.

Eine Million Dosen pro Festival

Aber wie viele Dosen karrt die Karawane denn nun grob geschätzt jedes Jahr bei ausverkauftem Festival nach Neuhausen? Wir tippen die 200 000 Besuchertage in den Taschenrechner, gehen von durchschnittlichen fünf Getränken pro Gast aus und kommen auf eine Million Behälter. Es könnten aber auch einige Hunderttausend mehr sein. Selbst wenn man bedenkt, dass die Gäste ja auch noch im Bühnenbereich kräftig an den Getränkeständen konsumieren. Das Meiste getrunken wird eben doch vor dem eigenen Zelt.

Pfandwert: Eine 100-Quadratmeter-Wohnung

Eine Million Getränkebehälter: Bei 25 Cent Pfand pro Büchse und Flasche addiert sich der theoretische Pfandwert auf stolze 250 000 Euro. Würde ein einzelner Flaschensammler alles kassieren, er könnte sich davon in Tuttlingen eine gebrauchte 100-Quadratmeter-Wohnung kaufen.

Dieses Jahr gibt’s reichlich Durst

Der Veranstalter kontrolliert die Menge an mitgebrachten Dosen natürlich nicht und hat deshalb auch keine eigenen, validen Büchsenzahlen. „Eine genaue Zahl kennen wir nicht“, sagt Jonas Rohde. Die hochgerechnete Million – oder mehr - hält er jedoch für zu hoch gegriffen. Und so wird die exakte Büchsenzahl auch diesen Sommer ein Geheimnis bleiben. Alle hoffen aber, dass der Karawanen-Vorrat auch an diesem Festival reicht. Denn das Wetter ist heiß und trocken angesagt. Durstwetter...

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