Fehlgeburten wären vermeidbar: Wenn ein totes Kalb mit einem Hundehaufen beginnt

Wenn die Wiese zum Hundklo wird und Hinterlassenschaften nicht weggeräumt werden, kann es zu bitteren Folgen für die Landwirte und ihre trächtigen Milchkühe kommen. (Symbolfoto)
www.imago-images.de- Hundekot auf Futter- und Weideflächen überträgt Erreger – Gefahr vor allem für Kühe.
- Neospora caninum infiziert über Hundekot trächtige Kühe, oft folgt ein Abort im 5.–6. Monat.
- Symptome bei Hunden fehlen meist, der Halter bemerkt die Infektion nicht.
- Aborte verursachen hohe Verluste: Ersatzkälber, weniger Milch, teils vorzeitige Schlachtung.
- Appell der Tierärzte: Kot konsequent aufsammeln und im Hausmüll entsorgen, kein rohes Fleisch füttern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Spaziergang mit dem Hund in der kühlen Abenddämmerung ist für viele der perfekte Ausklang eines langen Arbeitstages. Während der Vierbeiner neugierig über die Wiese streift, schweifen auch die Gedanken seines Halters häufig ab. So bleibt bisweilen unbemerkt, wo der Hund sein großes Geschäft verrichtet. Den Hundekot dann auf der Wiese zurückzulassen, mag zwar wie eine Kleinigkeit erscheinen – für Landwirte in der Region und ihre Kühe kann diese Nachlässigkeit jedoch schwerwiegende Folgen haben.
„Mittels Ausscheidungen können grundsätzlich zahlreiche virale, bakterielle oder parasitäre Krankheiten übertragen werden“, berichtet Lena Heppler, Tierärztin im Bad Dürrheimer Ortsteil Oberbaldingen im Schwarzwald-Baar-Kreis. Als Beispiel nennt sie Salmonelleninfektionen und den Fuchsbandwurm. Diese könnten auch auf andere Hunde und den Menschen übertragen werden.
Schafe, Ziegen und auch heimische Wildtiere wie Rehe und Hirsche könnten sich zudem mit dem einzelligen Parasiten Giardia Duodenalis anstecken, der schwere Durchfälle verursache, ergänzt Florian Fischer, Veterinär für Rinder in Freudenstadt und Umgebung. Aber: „Am gefährlichsten ist Hundekot aber immer noch für Kühe und die ungeborenen Kälber“, hebt er hervor.
Hundehalter bekommen von dem Parasiten nichts mit
Über die Grünflächen der Landwirte, die der Futtergewinnung dienen, oder über die Weideflächen können die Krankheitserreger über den Hundekot in den Verdauungstrakt der Kühe gelangen und dort ihren Schaden anrichten. Dabei sticht ein Parasit besonders hervor: Neospora Caninum.

Besonders gefährlich ist Hundekot für Kühe und ihre ungeborenen Kälber. (Symbolbild)
dpaHunde und Katzen könnten sich durch den Verzehr von rohem Fleisch oder durch das Fressen von Nagern infizieren, berichtet Heppler. Sie fungierten dabei als Endwirte. Das bedeutet, dass der Lebenszyklus des Parasiten sich hier schließt und Nachkommen produziert werden, die wiederum infektiös sind und ausgeschieden werden.
Die Infektion der Haustiere verlaufe daher oft ohne klinische Erscheinungen, sagt Heppler. „Der Halter bekommt also nicht einmal mit, dass sein Hund den Erreger in sich trägt.“
Infektion und Absterben des Fötus
Wiederkäuer hingegen nähmen die infektiösen Parasiten mit der Nahrung auf und stellten Zwischenwirte in der Infektionskette dar, so die Tierärztin. „Bei einer vorhandenen Trächtigkeit kann es zu einer Infektion des Fötus und zum Absterben kommen.“
Nicht alle Fehlgeburten sind auf diesen Parasiten zurückzuführen. Der Abortzeitpunkt – der fünfte bis sechste Trächtigkeitsmonat – gebe einen Hinweis, berichtet Fischer. „Häufig werden Fehlgeburten erst bei routinemäßigen Gesundheitschecks oder durch die Software der Aktivitätstracker, die heute von beinahe jeder Kuh getragen werden, bemerkt.“ Blutuntersuchungen der Kuh erhärten den Verdacht.
Der Tierarzt erklärt, dass sich bei etwa elf Prozent der Rinder auf Betrieben im Norden Baden-Württembergs, auf denen vermehrt Aborte auftreten, eine Infektion mit dem Parasiten Neospora caninum nachweisen lasse. „Die Dunkelziffer ist allerdings sehr hoch, da lange nicht alle Aborte auf deren Ursache untersucht werden“, sagt Heppler.
Der Verlust durch den Parasiten ist desaströs
Die finanziellen Schäden, die den Landwirten durch einen Abort entstehen, sind gravierend: Ein Kalb zu ersetzen, koste bis zu 800 Euro, meint Fischer. Da die Milchkuh als Folge ihrer Fehlgeburt nun auch nicht mit der Milchproduktion starten könne, gebe es hier ebenfalls Einbußen.
Nach einem Abort sei es zudem fraglich, ob eine erneute Trächtigkeit überhaupt erst zustande komme, fügt die Veterinärin hinzu. „Kühe, die nicht mehr aufnehmen, verlassen die Betriebe in der Regel vorzeitig, was für den Landwirt, der das Tier für eine spätere Nutzung gefüttert und aufgezogen hat, desaströs ist.“ Es kämen schnell mehrere Tausend Euro Verlust zusammen, resümiert Fischer.
Auch ein emotionaler Verlust
Doch nicht nur der finanzielle Verlust für die Landwirte wiegt schwer: Auch emotional hingen die Bauern nach Angaben des Tierarztes für Rinder sehr an ihren Tieren. Sie wüssten oft, ob es ihnen schlecht gehe, schon bevor die Vierbeiner Symptome zeigten, berichtet er.
Wenn Fischer einen Hof besuche, ließen ihn die Landwirte häufig auch kleinere Eingriffe vornehmen, die er als „kosmetische Operationen“ bezeichnet – etwa die Behandlung kleiner Nabelbrüche bei Kälbern. Zudem werde großen Wert auf die Gesundheitsvorsorge der Kühe gelegt. Und müsse doch einmal eine Kuh eingeschläfert werden, sei die Trauer groß – nicht selten flössen Tränen.

Ein Kalb zu ersetzen zu müssen, ist für den Landwirt nicht nur ein finanzieller Verlust. (Symbolbild)
Robert Michael/dpaEine durch den Parasiten aus Hundekot ausgelöste Fehlgeburt bedeutet somit für die Landwirte nicht nur einen wirtschaftlichen Rückschlag, sondern auch einen emotionalen.
Hundekot muss eingesammelt und entsorgt werden
Um zu vermeiden, dass es so weit kommt, muss direkt auf den Wiesen, Weiden und Feldrändern angefangen werden: „Hundehalter sollten sich dessen bewusst sein, dass auf fast allen landwirtschaftlich genutzten Flächen Futter gewonnen wird“, stellt Heppler klar.
Neben den ästhetischen Einschränkungen, die mit liegengelassenem Hundekot einhergingen, gebe es tatsächlich handfeste, gesundheitliche Probleme für Mensch und Tier, die sich durch gegenseitige Rücksichtnahme leicht vermeiden ließen, führt der Tierarzt für Rinder weiter aus. Wichtig sei auch zu bedenken, dass das Verfüttern von rohem Fleisch an Hunde einen Risikofaktor darstelle.
Überdies fällt der Appell der beiden Tierärzte sehr deutlich aus: „Hundekot muss unbedingt eingesammelt und im Hausmüll entsorgt werden.“ Fischer fügt hinzu: „Auch am Wegesrand liegende Tüten helfen nicht weiter.“
Weitere Gefahren, die vermeidbar wären
Auch weggeworfene Getränkedosen und Plastikflaschen seien „Kuhkiller“, sagt Fischer. Bei der Heuernte wird der Müll zerkleinert, scharfkantige Teile gelangen dabei trotz aufwendiger Sortierung und Magneten mitunter ins Futter. Da Aluminium und Kunststoff nicht magnetisch sind, können auch Käfigmagnete im Pansen – dem ersten Vormagen der Wiederkäuer – die Fremdkörper nicht immer zurückhalten. Gelangen diese über den Verdauungstrakt bis zum Herzen, endet dies für die Tiere häufig tödlich.


