Darf man zu zweit fahren?: Diese Verkehrsregeln gelten für E-Scooter

Die Fahrt zu zweit auf einem E-Scooter ist verboten, da das zusätzliche Gewicht die Bremsfähigkeit und die Motorleistung beeinflussen könnte. (Symbolfoto)
www.imago-images.deE-Scooter sind inzwischen auf den Straßen nicht mehr wegzudenken. Doch nicht nur die Beliebtheit von E-Scootern, sondern auch die damit verbundenen Unfälle nehmen immer mehr zu. Sei es, weil man zu zweit fährt, unter Alkoholeinfluss steht oder keine Versicherung hat.
„Mit Zunahme der Verfügbarkeit nehmen natürlich auch die Unfallzahlen zu“, erklärt Katrin Rosenthal, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Konstanz, auf Anfrage unserer Redaktion. Vor allem die fehlende Versicherung, die Benutzung von Gehwegen, zu zweit auf einem E-Scooter unterwegs zu sein oder auch betrunken zu fahren, sind laut Rosenthal die Verkehrsregeln, die am häufigsten von E-Scooter-Fahrern missachtet werden.
Laut der zentralen Verkehrssicherheitsaktion des Landes Baden-Württemberg „Gib Acht im Verkehr“ ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit E-Scootern im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent auf 1976 Fälle gestiegen.
Außerdem geht aus der Statistik hervor, dass im Jahr 2025 zehn Menschen, die mit dem E-Scooter unterwegs waren, ihr Leben verloren haben. Neun von ihnen trugen keinen Helm. „Zum eigenen Schutz wäre ein Helm empfehlenswert“, rät die Pressesprecherin dazu. Denn auch wenn es keine gesetzliche Helmpflicht gibt, kann „ein Helm bei einem Sturz die Aufprallenergie erheblich reduzieren und somit das Risiko schwerer Kopfverletzungen vermindern und bei einem Unfall lebensrettend sein“, wie es auf der Webseite noch zu lesen ist. Zudem rät Rosenthal aus Sicht der Polizei allgemein zu „gegenseitiger Rücksicht und Umsicht im Straßenverkehr, die Geschwindigkeit anzupassen und sich an die allgemeinen Vorschriften zu halten“, um die Sicherheit im Umgang mit den E-Scootern zu verbessern.
Ab welchem Alter darf man E-Scooter fahren?
Private E-Scooter dürfen ab 14 Jahren gefahren werden. Wer sich allerdings einen bei Anbietern wie Tier oder Lime ausleihen möchte, muss ein Mindestalter von 18 Jahren nachweisen, da für jede Fahrt eine Art gültiger „Mietvertrag“ in der App abgeschlossen wird. Um einen E-Scooter zu fahren, benötigt man zudem keinen Führerschein, da die zugelassenen Fahrzeuge auf 20 km/h begrenzt sind.
Wo dürfen E-Scooter fahren?
E-Scooter sind verpflichtet, auf Radwegen oder Fahrradstraßen zu fahren. Sollte das nicht möglich sein, dürfen E-Scooter-Fahrer ausnahmsweise auf der Straße fahren. Auf dem Gehweg oder auch in Fußgängerzonen ist das Fahren verboten.
Ausnahme bilden die gemeinsamen Geh- und Radwege. Hier muss allerdings beachtet werden, dass Fußgänger Vorrang haben. „Mit dem E-Scooter darf man sie weder behindern noch gefährden. Die Geschwindigkeit muss dementsprechend angepasst werden“, heißt es auf der Seite der Verkehrssicherheitsaktion weiter. Ab 1. März 2027 gelten dann neue Vorschriften für E-Scooter-Fahrer.
Darf man zu zweit fahren?
Tandemfahrten sind auch keine Seltenheit, wenn es um E-Scooter geht. Allerdings ist die Fahrt zu zweit oder mit mehr Personen untersagt und es droht dabei laut Bußgeldkatalog eine Strafe von zehn Euro. Denn „das zusätzliche Gewicht die Bremsfähigkeit und die Motorleistung beeinflussen kann“. Zudem wirken sich Bewegungen und Verhalten der zweiten Person negativ auf das Gleichgewicht und die Fahrstabilität des E-Scooters aus, wird auf der Seite der Verkehrssicherheitsaktion erklärt. Was ebenfalls untersagt ist, ist, nebeneinander zu fahren. Daher müssen mehrere Personen mit entsprechend mehreren E-Scootern hintereinander fahren. Wer sich an diese Regel nicht hält, dem droht eine Strafe von 15 bis 30 Euro, je nachdem, ob andere Verkehrsteilnehmer dabei gefährdet oder behindert werden.
Darf man betrunken E-Scooter fahren?
Für die E‑Scooter benötigt man zwar keinen Führerschein wie bei einem Auto, jedoch bestehen hier dieselben Grenzwerte wie beim Autofahren. Ab einem Promillewert von 0,5 muss die Fahrt beendet und auf andere Verkehrsmittel ausgewichen werden, wie Taxis oder Busse. Sollte man sich für eine Weiterfahrt entscheiden, drohen 500 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. Unter 21-Jährige oder wer sich noch in der Probezeit befindet, muss einen Promillewert von 0,0 nachweisen. Bei Verstößen drohen hier ein Bußgeld von 250 Euro und ein Punkt.

Für E-Scooter gelten die gleichen Grenzwerte für Alkohol und Drogen wie für Autofahrer. (Symbolfoto)
Foto: dpa-tmnAuch die Ablenkung durch Handys oder andere elektronische Geräte ist beim E‑Scooter-Fahren verboten. Es droht dabei ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro und ein Punkt.
Benötige ich eine Versicherung dafür?
Da E-Scooter am öffentlichen Verkehr teilnehmen, benötigen sie eine Kfz‑Haftpflichtversicherung. Nachdem man eine Versicherung abgeschlossen hat, bekommt man eine Versicherungsplakette, die am E-Scooter angebracht werden muss und als Nachweis über den Versicherungsschutz gilt. Das Versicherungsjahr beginnt für Elektrokleinstfahrzeuge am 1. März und gilt immer nur für ein Jahr. Ohne gültige Versicherung droht eine Strafe in Höhe von 40 Euro.
„Gib Acht im Verkehr“
Die Erhöhung der Verkehrssicherheit in Baden-Württemberg ist seit 1992 das Ziel der Aktion „GIB ACHT IM VERKEHR“. Durch Aufklärung auf der Webseite über Unfallgefahren sollen die Zahl der Unfälle gesenkt und partnerschaftliches Verhalten im Straßenverkehr gefördert werden. Unterstützt wird die Initiative von zahlreichen Verbänden und Institutionen. Die Koordinierungs- und Entwicklungsstelle Verkehrsunfallprävention (KEV) dient als zentrale Anlaufstelle, die Netzwerkpartner, Polizeidienststellen und Bürger bei der Planung und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen unterstützt.
Anm. d. Redaktion: In der ersten Version des Artikels war die Rede davon, dass das Zusatzzeichen „Fahrrad frei“ ab 1. März 2027 auch für E-Scooter gelten soll. Dies ist nicht richtig. Das Zusatzzeichen gilt bereits jetzt auch für E-Scooter. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.