Blitz, Donner, Halbwissen
: Die größten Gewitter-Mythen im Faktencheck

Nicht alles, was man über Blitz und Donner hört, entspricht auch der Realität. Meteorologe Dominik Jung räumt mit den gängigsten Gewitter-Mythen auf.
Von
Celina Drews
Oberndorf
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Duschen bei Gewitter ist gefährlich? Buchen sind weniger gefährlich als Eichen? Es kursieren einige Gewittermythen, die sich hartnäckig halten. (Symbolfoto)

Alexander Wolf/onw-images/dpa

Sommerzeit ist Gewitterzeit – und mit jedem Donnerschlag kursieren aufs Neue allerlei Mythen darüber, wie man sich bei Blitz und Donner verhalten sollte. Doch was stimmt wirklich?

Wetterexperte und Diplom-Meteorologe Dominik Jung ordnet die bekanntesten Gewitterweisheiten ein – und erklärt, welche Tipps man getrost vergessen kann und welche im Ernstfall Leben retten könnten.

„Die Sekundenzahl zwischen Blitz und Donner verrät, wie weit das Gewitter entfernt ist.“

Diese Faustregel ist laut Jung durchaus brauchbar: „Die Schallgeschwindigkeit beträgt etwa 343 m/s (ca. 1 km in 3 Sekunden). Zählt man also die Sekunden zwischen Blitz und Donner und teilt sie durch 3, erhält man ungefähr die Entfernung des Gewitters in Kilometern.“

Doch der Experte warnt vor falscher Sicherheit: „Diese Methode ist relativ zuverlässig – allerdings nur für den letzten sichtbaren Blitz. Für eine genaue Einschätzung der Gefahr reicht das nicht immer aus.“

„Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen.“

Ein alter Spruch – aber völlig irreführend. Jung erklärt: „Dieses Sprichwort stammt aus der Zeit, als man dachte, dass bestimmte Baumarten häufiger vom Blitz getroffen werden.“ Tatsächlich spielt die Höhe und der Standort des Baumes die entscheidende Rolle, nicht die Art. „Jeder einzelne Baum ist potenziell gefährlich – auch eine Buche“, so der Experte.

„Bei Gewitter sollte man alle Elektrogeräte ausstecken.“

„Richtig – vor allem bei direkter Blitzeinschlagsgefahr“, bestätigt der Meteorologe. „Ein Blitz kann durch Stromleitungen in Häuser eindringen und elektronische Geräte beschädigen.“

Zwar verfügen viele Haushalte über moderne Sicherungen, doch das sei kein Garant für vollständigen Schutz: „Wer ganz sicher gehen will, sollte empfindliche Geräte vom Netz trennen – insbesondere bei nahen Gewittern.“

„Duschen bei Gewitter ist gefährlich.“

Auch dieser Mythos enthält einen wahren Kern – zumindest in bestimmten Fällen. „In alten Gebäuden mit metallischen Rohrsystemen und ohne Potentialausgleich kann ein Blitz indirekt über Wasserleitungen ins Haus gelangen“, sagt Jung.

In modernen Gebäuden sei das Risiko zwar deutlich geringer, dennoch empfiehlt der Experte: „Bei Gewitter auf Duschen oder Baden zu verzichten – insbesondere in älteren Häusern oder ländlichen Gegenden ohne umfassenden Blitzschutz.“

„Man sollte sich hüpfend vom Einschlagsort entfernen.“

Klingt kurios, ist aber tatsächlich sinnvoll: „Wenn man sich im sogenannten Schrittspannungsbereich eines Blitzeinschlags befindet, können Spannungsunterschiede zwischen den Füßen gefährlich sein“, erklärt Jung. Wer hüpft oder kleine, geschlossene Schritte macht, minimiert das Risiko.

„Bei einem Gewitter ist das Auto der sicherste Ort.“

Stimmt – zumindest wenn es sich um ein Fahrzeug mit geschlossener Metallkarosserie handelt. „Ein Auto mit geschlossener Metallkarosserie wirkt wie ein Faradayscher Käfig“, so Jung. „Der Strom fließt außen an der Karosserie entlang und gelangt nicht ins Innere.“

Wichtig sei jedoch, die Fenster geschlossen zu halten und keine Metallteile zu berühren. Cabrios oder Fahrzeuge mit Glas- oder Kunststoffdach bieten diesen Schutz nicht.

„Im Wald ist man sicherer als auf dem Feld.“

Auch das ist ein Irrglaube. „Auf offenen Flächen ist man als höchste Erhebung besonders gefährdet. Im dichten Wald ist das Risiko zwar verteilt, aber einzelne hohe Bäume können Blitze anziehen“, warnt Jung.

Wer sich im Freien befindet, sollte sich möglichst in eine Mulde am Waldrand begeben oder sich fern von Bäumen auf den Boden hocken. „Nicht hinlegen!“ Der sicherste Ort bleibt ein Gebäude mit Blitzschutz.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 1. August 2025 und wurde aufgrund der aktuellen Relevanz aktualisiert.

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