Blautopf: Direktzugang in die Unterwelten

Klicken Sie sich durch das Höhlensystem.
Grafik: LangeBlaubeuren - Blautopf, Stairway to heaven, Wolkenschloss und Mörikedom gehören zu einem der faszinierendsten Unterwelten-Systeme Europas: das Höhlenlabyrinth bei Blaubeuren. Jetzt haben Forscher einen direkten Zugang in die Tiefe gelegt.
Andreas Kücha bemühte immer wieder dasselbe Wort: "Fantastisch." Auch am Tag danach mochte er immer noch nicht so recht glauben, was ihm und seinem Forscherteam von der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Blautopf da gelungen war: Ein direkter Durchbruch in den Stairway to heaven. Diese "Treppe in den Himmel" bezeichnet die obere Etage des Höhlensystems, einen mehrere Hundert Meter langen Gang, der direkt unter die Decke des 30 mal 30 Meter großen Mörikedoms führt.
Bisher war der nach dem schwäbischen Dichter benannte und von dem U-Boot-Taucher Jochen Hasenmayer 1985 entdeckte, lufterfüllte Dom nur über den Wasserweg zu erreichen. Das ist aber nur einer Handvoll Tauchern der Arge Blautopf vorbehalten, die über die nötige Erfahrung und Ausrüstung verfügen. Ihr Zugang erstreckte sich bisher recht mühsam über eine 1400 Meter lange Tauchstrecke vom Blautopf aus. Erst danach konnte zu Fuß die weitere Erkundung der kilometerweit verzweigten Unterwelten erfolgen.
Andreas Kücha von der Arge Blautopf sprach am Dienstag von einem "historischen Moment der deutschen Höhlenforschung". Die weitere Erkundung könne nun wesentlich einfacher und schneller vorangetrieben werden. Der Stairway to heaven lässt sich direkt und vergleichsweise bequem mittels eines 17 Meter langen Stollens zu Fuß erreichen. Die Wissenschaftler erhoffen sich in dem bislang auf 6,5 Kilometer Länge erforschten Höhlenschlauch noch zahlreiche weitere Entdeckungen und exaktere Vermessungen.
Auch aus touristischer Sicht könne die neue Direktverbindung noch wertvoll werden, meint Kücha. Die Stadt Blaubeuren prüft derzeit, ob und wie sie den Stairway to heaven öffentlich zugänglich und den Mörikedom zur Schauhöhle ausbauen kann. Eine Machbarkeitsstudie ist bereits in Auftrag. Bürgermeister Jörg Seibold hat jedoch anklingen lassen, dass aus den Blautopfhöhlen kein Rummelplatz werden soll: "Über den Schlüssel wache ich."Die Karstforscher stehen einer touristischen Erschließung nicht ablehnend gegenüber. Da die Entscheidung allein bei der Stadt liege, "müssen wir es eh nehmen, wie es kommt", sagt Andreas Kücha. Der Heidenheimer ist aber guter Dinge, den richtigen Mittelweg zu finden.
Die Stadt war es auch, die den Durchbruch erst möglich gemacht hat. 70.000 Euro ließ sich Blaubeurens Bürgermeister die Bohrung kosten. Drei Stunden lang fräste sich ein 100-Tonnen-Bohrer von der Bundesstraße 28 in den felsigen Untergrund. Als die Verbindung hergestellt war, brach großer Jubel aus. Als Nächstes wird nun per Kran ein Stahlrohr mit einem Meter Durchmesser in den Schacht eingelassen und mit Beton fixiert. Über eine Leiter können die Forscher dann die dunklen Höhlen erreichen. Da der Schacht direkt an der B 28 liegt, kommt er als möglicher Besucherstollen aber nicht infrage. Der Zugang müsste erst um einige Meter verlegt werden.
Nur durch Zufall ist Kücha vor zwei Jahren überhaupt auf den Landweg gestoßen. Bei einem Routine-Tauchgang entdeckte er an der Decke des Mörikedoms eine Öffnung. Als er mit zwei weiteren Mitgliedern der Arge nach oben stieg, stießen sie auf einen Tunnel. An dessen Ende wurde die Stille der Unterwelt plötzlich von ständig wiederkehrenden Geräuschen gestört. Die drei kombinierten schnell: Das können nur die Lkw der nahen Bundesstraße sein. "Damit war klar, dass wir uns nicht weit entfernt von der Oberfläche befinden können", erzählt Kücha. Den von innen angebrachten Peilsender dann von außen zu lokalisieren war letztlich ein Kinderspiel.
Ganz anders die jahrelang erfolgten Tauchmanöver: Der Blautopf ist bei Tauchern berüchtigt, da sich sein Wasser aus drei Himmelsrichtungen speist und somit starke Strömungen verursacht. Seine blau schimmernde glatte Oberfläche ist trügerisch. Doch das mit dem Tauchen hat sich ja nun wohl bald erledigt.