Auswirkungen auf das Ökosystem: Ist es verboten, in Badeseen zu pinkeln?

Menschlicher Urin kann das Ökosystem von Badeseen verändern – insbesondere, wenn es kleine Gewässer sind.
Philipp von Ditfurth/dpaAn warmen Sommertagen zieht es täglich tausende Besucher an die Badeseen in der Region. Doch was tun, wenn man im Wasser mal muss? Es gibt längst nicht an allen Badestellen öffentliche Toiletten – und werden diese auch immer genutzt, wenn sie zur Verfügung stehen?
Wenn im See die Blase drückt, entleeren sich manche Besucher wohl auch direkt im Wasser – statt den Weg ans Ufer auf sich zu nehmen. Wie viele der Badegäste im Sommer ins Wasser pinkeln, lässt sich kaum feststellen. Laut einer US-Studie aus dem Jahr 2009 pinkelt jeder fünfte Schwimmer ins Schwimmbecken – die Zahl der Badesee-Pinkler dürfte wohl noch höher liegen.
Ist es schädlich, in Badeseen zu pinkeln?
Wie sich der Urin auf das Ökosystem in Badeseen auswirkt, darüber gibt Theresa Osterholzer Auskunft. Sie ist Sprecherin des Landesministeriums für Gesundheit. Menschlicher Urin besteht zu rund 95 Prozent aus Wasser. Die übrigen fünf Prozent enthalten unterschiedliche Abbauprodukte des menschlichen Stoffwechsels – insbesondere Stickstoffverbindungen und Phosphorverbindungen wie beispielsweise Harnstoff oder Harnsäure. In der Theorie tragen diese Stoffe aus menschlichem Urin laut Osterholzer zum Nährstoffkreislauf der Badeseen bei.
„Ob das Urinieren in den See Auswirkungen auf die Wasserqualität haben kann, hängt vor allem vom Wasservolumen des Sees ab“, sagt Osterholzer. Wenn täglich mehrere Liter Urin beispielsweise im Bodensee landen, hat das geringere Auswirkungen auf das Ökosystem, als wenn dieselbe Menge Urin in einem kleinen Baggersee landet. „Je kleiner der Badesee, desto größer können also die möglichen Auswirkungen sein.“
Durch erhöhte Mengen menschlichen Urins wird das Wachstum von Biomasse angeregt. Die Stickstoff- oder Phosphorverbindungen dienen als Nahrung für beispielsweise Plankton und Blaualgen. „Sind diese Nährstoffe im Überfluss vorhanden, kann es im Zusammenhang mit hoher Lichteinstrahlung und hohen Temperaturen in kurzer Zeit zu einem starken Anstieg an Biomasse kommen.“
So kann es laut Osterholzer sogar zum Zusammenbruch des Nahrungskreislaufes im See führen: Die entstandene Biomasse aus Pflanzen, Algen und Plankton führe zu einer geringeren Lichteinstrahlung im See und sinkt in tiefere Schichten ab. Der übermäßige Sauerstoffverbrauch könne dann zu einem Sterben von größeren Organismen, wie etwa Fischen, führen.
Darf ins Wasser uriniert werden?
Das Pinkeln in den Badesee ist wohl kaum nachweisbar. Doch gibt es ein offizielles Verbot? Laut Patrick Zoller, Sprecher des Konstanzer Polizeipräsidiums, existiert kein generelles gesetzliches Verbot, in Badeseen zu urinieren. Eine Orientierung bietet das Delikt „Wildpinkeln“ – dieser beziehe sich aber eher auf das Urinieren im öffentlichen Raum „sofern dadurch andere belästigt werden oder etwas verunreinigt wird.“ Wildpinkeln ist eine Ordnungswidrigkeit, das Bußgeld hierfür liegt zwischen 35 und 5000 Euro.
Das Urinieren in einen Badesee falle laut Zoller in der Regel nicht darunter, da hierbei üblicherweise keine unmittelbare Belästigung oder „Verunreinigung“ feststellbar sein dürfte. Das bloße Urinieren ins Wasser stehe daher meist nicht unter Strafe. Ein derartiger Sachverhalt sei dem Polizeipräsidium auch bislang nicht bekannt geworden.
So sauber sind die Badeseen in der Region
Deutsche Badeseen werden im Laufe der Badesaison regelmäßig kontrolliert. Die Badegewässer haben in der Regel eine sehr gute Wasserqualität und erfüllen zu 98 Prozent die Mindestanforderungen der EU-Badegewässerrichtlinie.
Die Badegewässerkarte des Landes Baden-Württemberg zeigt, wo Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg natürliche Gewässer finden können, die während der Badesaison regelmäßig auf ihre hygienische Wasserqualität kontrolliert werden. Die Badegewässerkarte gibt außerdem die Qualität des Badegewässers wieder. Die große Mehrheit der Badeseen in Baden-Württemberg verfügt über ausgezeichnete Qualität für Badegewässer.
