50 Jahre Freizeitpark
: Wie der Europa-Park einst nach Rust kam

Wer sich das Luftbild von Rust 1968 ansieht, stellt fest, dass dort noch das fehlt, was den kleinen Ort im Ortenaukreis später so bekannt machte: der Europa-Park. Denn die Idee zu diesem kamen Franz Mack und seinem Sohn Roland erst 1972.
Von
Julia Göpfert
Oberndorf
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  • Kaum wiederzuerkennen: der Ein- und Ausgang des Europa-Park im Jahr 1975

    Europa-Park
  • Rust vor dem Bau des Europa-Parks im Jahr 1968.

    Landesarchiv/StAL/EL68IX-16571
  • Rust im Jahr 2022: Der Europa-Park links im Bild ist deutlich zu erkennen.

    Landesarchiv/StAL/EL68IX-16571
  • Die Park-Bahn im Jahr 1975.

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  • Ebenfalls ein Motiv aus dem Jahr 1975.

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  • Schon 1977 posierte die Euromaus mit Kindern für Fotos.

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  • Ein Foto aus dem Jahr 1984.

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  • Der Europa-Park, wie man ihn heute kennt.

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  • Rulantica galt zuvor als größte private Baustelle in Baden-Württemberg.

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  • Das Gelände der 2019 eröffneten Wasserwelt Rulantica ist 35 Hektar groß.

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  • Der Europa-Brunnen in "jungen Jahren".

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  • Die Monza-Piste in den 80er-Jahren.

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Rust ohne den Europa-Park, das scheint im Jahr 2025 unvorstellbar. Mehr als sechs Millionen Besucher strömen inzwischen pro Jahr in Deutschlands größten Freizeitpark. Dabei war Rust gar nicht von Anfang an als Standort für den Europa-Park im Gespräch.

Zunächst war eigentlich Breisach der Favorit, das Projekt dort scheitert letztlich jedoch an einem Einspruch des Wasser- und Schifffahrtsamtes, das eigene Pläne mit dem Gelände hatte. Das Fischerdorf Rust mit seinem damaligen, inzwischen verstorbenen Bürgermeister Erich Spoth unterstützte jedoch das Projekt. So konnte der Europa-Park nach drei Jahren Planung 1975 erstmals seine Tore öffnen.

Rust besteht zu zehn Prozent aus dem Europa-Park

250.000 Gäste kamen im Eröffnungssommer, bereits 1978 wurde die Millionen-Besucher-Grenze geknackt. Die Fläche des Europa-Parks hat sich inzwischen von 16 auf 95 Hektar erweitert. Das Gelände der 2019 eröffneten Wasserwelt Rulantica ist einschließlich der Versickerungsmulden 35 Hektar groß. Die Gemarkung der Gemeinde Rust umfasst insgesamt 1327 Hektar – oder anders ausgedrückt knapp zehn Prozent Rusts sind inzwischen Europa-Park.

"Wir haben immer an den Erfolg geglaubt, aber diese Entwicklung war überhaupt nicht abzusehen. Wir haben die Chance ergriffen, die letztlich unsere Besucher uns gegeben haben", erklärte Europa-Park-Inhaber Roland Mack bereits vor einigen Jahren im Gespräch mit unserer Redaktion. Ob ihn die Entwicklung des Parks stolz macht? "Mit dem Begriff stolz bin ich vorsichtig. Aber es ist in der Tat eine enorme Entwicklung vom kleinen Freizeitpark zur eigenständigen Reisedestination. Der Europa-Park strahlt inzwischen als herausragendes touristisches Ziel auf ganz Baden-Württemberg aus", erklärt er.

Die Wirtschaftskraft, die aus dem Europa-Park in die Region fließt, sei enorm. Rund 5250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Europa-Park beschäftigt, dazu kommen rund 8000 indirekte Arbeitsplätze. Durch den Europa-Park und seine Besucher fließen jährlich mehr als 250 Millionen Euro in die Region Offenburg/Emmendingen mit der Gemeinde Rust und ihrer Nachbargemeinde Ringsheim.

Zusammenarbeit wurde durch Corona enger

"Eine einmalige Erfolgsgeschichte im Tourismus, hinter der unzählige Lebensleistungen stehen", nennt Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare die Zusammenarbeit zwischen Park und Gemeinde, die auch das Wachstum im Ort "fulminant" beflügelt hat: von rund 2500 Einwohnern 1968 hat sich der Ort auf rund 4700 Einwohner entwickelt. "Aus dem ehemaligen Fischerdorf ist eine sehr starke, selbstbewusste Gemeinde hier am Oberrhein geworden. Rust wird von vielen anderen Kommunen beneidet. Viele unserer Mitarbeiter leben hier, enorm viele Haushalte vermieten Zimmer an Europa-Park Gäste", konstatiert Roland Mack.

Durch die Millionen Besucher jedes Jahr braucht Rust eine Infrastruktur, die für einen Ort dieser Größe einmalig ist und für die es in der Vergangenheit oft mit den übergeordneten Behörden kämpfen musste, wie Altbürgermeister Günter Gorecky im Jahr 2022 berichtete. Zu dieser Infrastruktur zählt etwa eine eigene Autobahn-Ausfahrt, deren Umbau 2020 abgeschlossen wurde, ein größerer Lebensmittelmarkt als für Orte dieser Größe normalerweise zulässig und auch eine bestens ausgestattete Gemeindeverwaltung.

Nicht verschwiegen werden darf, dass nicht alle Ruster Europa-Park-Fans sind und manche im Hinblick auf Natur- oder Lärmschutz kritisch auf den Park blicken. Jedoch bemühen sich Park und Gemeinde immer wieder einen Interessensausgleich zu finden, erklären sowohl Roland Mack als auch Klare. So fand etwa die Entwicklung des neuen Themenbereichs Kroatien mit der Achterbahn Voltron Nevera im Innenbereich des Parks statt, um vorhandene Biotope zu schützen.

"Die Gemeinde Rust weiß, was sie am Europa-Park hat und umgekehrt", betont Roland Mack.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 9. Mai 2022 und wurde aufgrund der aktuellen Relevanz aktualisiert.

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