Großeinsatz in Rottweil
: Pikrinsäure in Klinikapotheke – wie groß war die Gefahr?

Nach dem Großeinsatz wegen eines Gefahrstoffs an der Helios-Klinik in Rottweil steht fest: Es handelte sich um Pikrinsäure. Eine Mitarbeiterin der Klinikapotheke hatte den Stoff zufällig in einem Fläschchen entdeckt – und richtig gehandelt.
Von
Corinne Otto
Rottweil
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Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen an einer Klinik in Rottweil. Wegen eines möglicherweise explosiven Gefahrstoffs in einer Klinikapotheke in Rottweil sind Kampfmittelexperten im Einsatz.

Silas Stein/dpa
  • In Rottweil fand eine Klinikmitarbeiterin zufällig ein Fläschchen Pikrinsäure.
  • Feuerwehr und Kampfmittelspezialisten rückten an – die Klinikapotheke und der Garten wurden geräumt.
  • Laut Klinik war es nur eine kleine Menge, die Gefahr galt als gering.
  • Eingetrocknete Pikrinsäure kann explodieren, in Wasser gelagert ist sie nicht explosionsgefährlich.
  • Funde sorgen immer wieder für Einsätze, zuletzt in Apotheken und bei einer Sprengung in Freiburg.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine Sprecherin von Helios bestätigt unserer Redaktion auf Nachfrage, dass es sich bei dem Stoff, der den Großeinsatz von Feuerwehr und LKA-Spezialisten an der Klinik ausgelöst hatte, um Pikrinsäure handelte.

Die Feuerwehr Rottweil war am Donnerstag stundenlang an der Klinik im Einsatz, bis hinzugezogenen Kampfmittelexperten des Landeskriminalamts den Stoff schließlich unschädlich machten. Laut der Helios-Sprecherin handelte es sich um eine kleine Menge, sodass keine große Gefahr bestanden habe.

Dementsprechend war die Helios-Klinik auch nicht evakuiert worden – lediglich der Bereich um die Apotheke und der angrenzende Garten wurde abgesperrt.

Apotheke beliefert zwölf Kliniken

Die Klinikapotheke im rechten Teil des Gebäudekomplexes ist keine Apotheke mit normalem Kundenbetrieb, sondern beliefert laut eigenen Angaben zwölf Kliniken in der Region mit insgesamt rund 2300 Betten und ist außerdem Weiterbildungsstätte für das Fachgebiet Klinische Pharmazie. Zu den Kunden gehören sowohl Akutkrankenhäuser als auch mehrere Reha-Kliniken und der Rottweiler Rettungsdienst.

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Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen an einer Klinik in Rottweil. Wegen eines möglicherweise explosiven Gefahrstoffs in einer Klinikapotheke in Rottweil sind Kampfmittelexperten im Einsatz.

Silas Stein/dpa

Mitarbeiterin handelt umsichtig

Klar ist inzwischen, dass es sich bei dem gefundenen Gefahrstoff um einen Altbestand in der Apotheke gehandelt hatte. Eine Mitarbeiterin habe den Behälter eher zufällig entdeckt und Alarm geschlagen. Sie habe umsichtig gehandelt, bestätigt die Sprecherin.

Pikrinsäure ist nämlich eigentlich aufgrund der Gefährlichkeit längst nicht mehr in Gebrauch. Sie sei früher ein gängiges Prüfmittel gewesen, um die Echtheit von Wirkstoffen nachzuweisen. Das Fläschchen mit der Säure überdauerte wohl unbemerkt die Zeit in der Klinik-Apotheke. Sie unterliege nicht der Inventur, betont die Sprecherin. Es müsse also nicht nachgeschaut werden, ob Pikrinsäure vorhanden ist.

Große Explosionsgefahr

Bestätigt wird unserer Redaktion gegenüber auch, dass das Fläschchen ausgetrocknet war, was die Lage nicht etwa ungefährlicher, sondern sogar noch gefährlicher machte. Denn bei ausgetrockneter Pikrinsäure ist besondere Vorsicht geboten: Die Substanz sei dann als Sprengstoff zu klassifizieren und reagiere sehr empfindlich auf Reibung, Erwärmung und Schlag, heißt es in einem Hinweisblatt der Landesfeuerwehrschule.

„Aus Sicherheitsgründen sollten Behälter mit eingetrockneter Pikrinsäure nicht geöffnet werden, da die Gefahr besteht, dass beim Öffnen des Gefäßes Reibung entsteht, welche die Substanz explodieren lassen kann.“ Aus Sicherheitsgründen werde der Stoff üblicherweise mit Wasser aufbewahrt. Dann sei er nicht explosionsgefährlich, aber leichtentzündlich und giftig.

„Pikrinsäure ist giftig beim Einatmen, Verschlucken und Berühren mit der Haut“, hieß es dazu. Beim Umgang mit Kleinstmengen seien Maßnahmen wie eine Schutzbrille und Schutzhandschuhe erforderlich.

Auch im Chemieunterricht wurde Pikrinsäure lange genutzt, bis Experten 2008 forderten, den Stoff aufgrund der großen Gefahr zu verbannen. Die Schulen wurden aufgefordert, Restbestände aus den Chemikalienlagern zu entfernen. In der Folgezeit war der Kampfmittelräumdienst extrem gefordert.

Immer wieder führen Funde von Pikrinsäure zu größeren Einsätzen der Feuerwehr, vor wenigen Tagen in einer Apotheke in Rödersheim-Gronau in Rheinland-Pfalz. Ende Juli wurden die Einsatzkräfte zu einer Apotheke in Paderborn in Nordrhein-Westfalen gerufen, im Juni zu einer im brandenburgischen Briesen.

Kontrollierte Sprengung in Freiburg

In Freiburg wurde im April im Keller eines Wohnhauses eine Substanz gefunden, bei der es sich laut Polizei möglicherweise um getrocknete Pikrinsäure gehandelt haben könnte. Spezialkräfte sprengten sie kontrolliert.

In Rottweil endete der Einsatz am Abend glücklicherweise unspektakulärer. Die Spezialkräfte des LKA machten die Säure unschädlich. Der Klinikbetrieb war zu keiner Zeit beeinträchtigt.