Nicht nur Koehler und Herrenknecht: Das sind die „heimlichen Weltmarktführer“ aus der Ortenau

Gilt laut „Wirtschaftswoche“ als einer von fünf „heimlichen Weltmarktführer“ in der Ortenau: Tunnelbohrer-Hersteller Herrenknecht in Schwanau erreicht mit seinen Vortriebsmaschinen einen Umsatz von zuletzt 1,28 Milliarden Euro im Jahr.
Martin BildsteinSie müssen mindestens 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr machen und auf wenigstens drei Kontinenten vertreten sein. Gehören sie in ihrem Marktsegment dann noch zu den zwei umsatzstärksten der Welt, finden deutsche Unternehmen Eingang in das im November veröffentlichte Ranking der „Wirtschaftswoche“, in der 500 „heimliche Weltmarktführer“ mit Umsätzen gelistet sind.
Unsere Redaktion hat sich die Liste angeschaut und festgestellt: Auch fünf Unternehmen aus dem Kreis haben es in das Ranking geschafft.
Dabei kann bei mindestens zwei der Unternehmen nicht von „heimlichen“ Weltmarktführern die Rede sein. Martin Herrenknecht und Kai Furler (Koehler-Gruppe) machen mit ihren Konzernen jährlich jeweils mehr als eine Milliarde Euro Umsatz.
Herrenknecht bohrt sich zu 1,28 Milliarden Umsatz im Jahr: Der in Schwanau ansässige Hersteller für Tunnelvortriebsmaschinen ist der wohl bekannteste Weltmarktführer aus der Ortenau. Herrenknecht-Maschinen kamen nicht nur beim Gotthard-Tunnel, dem aktuell längsten Eisenbahntunnel der Welt, zum Einsatz.
Auch beim gerade im Bau befindlichen Brenner-Tunnel zwischen Österreich und Italien, dem mit 83,4 Kilometer zukünftig längsten Tunnel, wird mit Maschinen des Ortenauer Unternehmens gebohrt. Der Konzern mit mehr als 5000 Mitarbeitern konnte seinen Umsatz im Vergleich zu 2023 noch mal um mehr als 70 Millionen Euro steigern.
Koehler-Gruppe setzt 1,14 Milliarden Euro um: Sie ist damit einer von gleich drei "heimlichen Weltmarktführern" aus Oberkirch. Mehr als 500.000 Tonnen Spezialpapier und Pappe stellen 2500 Mitarbeiter jährlich her. Dafür unterhält Koehler auch weitere Werke in Kehl, Greiz und Weisenach. Trotz eines generellen Rückgangs beim Absatzmarkt in der Papierindustrie hat sich der Umsatz der Koehler-Gruppe laut eigener Angaben auf hohem Niveau gehalten.
Autozulieferer PWO erreicht Umsatz von 555 Millionen Euro: Ob sich der Hersteller von Metallkomponenten und Subsystemen aus Oberkirch allerdings auch in Zukunft auf diesem Niveau halten kann, scheint durchaus fraglich. Nach einem Aufschwung in den Jahren 2022 und 2023, stagnierte die Entwicklung beim Progresswerk 2024 erstmals wieder.
Für 2025 werden vom Unternehmen unter Leitung von Carlo Lazzarini gar Umsatzeinbußen im Wert von rund 50 Millionen Euro erwartet. PWO beschäftigt weltweit mehr als 3000 Mitarbeiter.
Linck macht 145 Millionen Euro Umsatz mit Sägewerken: Damit zeigt der ebenfalls in Oberkirch ansässige Betrieb, dass man es auch in der Holzverarbeitung an die Weltspitze schaffen kann. Der Konzern stellt jährlich vier bis fünf Sägewerksanlagen her. Mit denen wurden nach eigenen Angaben schon 16 der 20 Top-Produzenten Europas versorgt.
Über die Umsätze in den Vorjahren findet sich öffentlich zugänglich nicht. Die Geschäftsführer Julian Fabarius und Sven Schempp beschäftigen im Renchtal rund 350 Mitarbeiter.
Junker lässt mit 122 Millionen Euro aufhorchen: Die Junker-Group hat ihren Hauptsitz in Nordrach. Firmen-Gründer Erwin Junker ist im vergangenen Jahr gestorben. Auch das Unternehmen für die Produktion von Schleifmaschinen und Filteranlagen ist mit diesen Zahlen heimlicher Weltmarktführer aus der Ortenau.
Junker operiert mit 1.200 Mitarbeitern an elf Standorten auf dem Globus. 80 Patente in der Schleiftechnologie seien Ausdruck einer nahezu konkurrenzlosen Innovationskraft, so das Unternehmen. Über die Umsätze in den Vorjahren ist nichts bekannt.
Die reichsten Ortenauer
Die Unternehmen Herrenknecht und die Koehler-Gruppe sind derweil nicht nur Weltmarktführer, sondern werden auch von zwei der reichsten Ortenauer geführt. Kai Furlers Vermögen wird vom „Manager-Magazin“ auf 500 Millionen Euro geschätzt, das von Martin Herrenknecht auf 800 Millionen. Überflügelt wird der nur noch von den beiden Kehler Stahlwerk-Eignern Horst Weitzmann und Hans Seizinger (1,2 Milliarden) sowie der Verleger-Familie von Hubert Burda. Der gilt mit einem geschätzten Vermögen von 3,8 Milliarden Euro als der reichste Ortenauer.