Vetterleswirtschaft?: Haiterbacher Schiedsrichter zieht gegen den WFV vor Gericht

Vincent Schöller war zuletzt auch als Linienrichter in der 3. Liga aktiv – so wie hier bei Arminia Bielefeld.
GeideckAmtsgericht Stuttgart, Hauffstraße 5., Raum 307 – hier geht am 20. März ab 9 Uhr der württembergische Schiedsrichter-Zoff in die nächste Runde. Denn Referee Vincent Schöller vom TSV Haiterbach verklagt den WFV und will eine einstweilige Verfügung erwirken. Und es könnte voll werden im Gericht. „Ich weiß, dass viele Schiedsrichter kommen, um Vincent zu unterstützen“, sagt Benjamin Haug, Obmann der Schiedsrichtergruppe Calw, die sich voll hinter ihr momentan erfolgreichstes Mitglied stellt.
Und darum geht es: Schöller war bis zur Vorsaison Regionalliga-Schiedsrichter sowie Assistent in der 3. Liga, stieg dann aber in die Oberliga ab. Nun peilt er die Rückkehr in die vierthöchste Spielklasse an. Zwei Aufstiegsplätze für Schiedsrichter stehen der Oberliga Baden-Württemberg zur Verfügung. Für diese darf der WFV aufgrund seiner Größe zwei Referees nominieren, die Verbände aus Nord- und Südbaden jeweils nur einen. Mit 242,2 Punkten ist Schöller derzeit der notenbeste Schiedsrichter in Württemberg. Dahinter folgt Timon Ulrich (242,0) aus Heilbronn. Beide berücksichtigt der WFV allerdings in der Rückrundenqualifikation für den Aufstieg in die Regionalliga aber nicht. Stattdessen soll der Drittplatzierte zum Zug kommen: Jonathan Woldai (241,6). Ihn und den auf Platz vier folgenden John Bender (241,4) wollen der WFV in die Regionalliga aufsteigen lassen.
Vier Jahre älter
Zwar sei es laut Obmann Haug schon vorgekommen, dass man einen schlechter benoteten Schiedsrichter vorzieht, weil dieser jünger ist und eine größere Perspektive mitbringt. Allerdings: Schöller ist 29 Jahre alt – und Woldai vier Jahre älter. Er gehört jedoch der einflussreichen Schiedsrichtergruppe Stuttgart an. Und vor allem: Er ist Mitglied des WFV-Schiedsrichterausschusses. Also ein Teil des Establishments? „Genau so ist es“, sagt Haug.
Der Calwer Obmann hatte bereits mehrfach den nicht unumstrittenen WFV-Obmann Volker Stellmach zu einer Stellungnahme aufgefordert. „Ich bekomme trotz mehrmaligen Nachfragen keine nachvollziehbare Bergründung“, ärgert sich Haug. Das Oberliga-Sportgericht, als auch die WFV-Sportgerichte hatten einen Einspruch abgelehnt, da sie sich nicht zuständig fühlten. Stattdessen liegt der Fall Schöller nun bei der DFB-Ethikkommission. Und beim Amtsgericht Stuttgart.
Immerhin: Die Obleute der baden-württembergischen Verbände haben inzwischen eine Meditationsvereinbarung getroffen, die auch von Stellmach unterschrieben wurde. Darin heißt es, dass die bisherige Vorgehensweise gekippt wird und nicht mehr nur Woldai und Bender für die Regionalliga beobachtet werden. Unter anderem liegt dieses Papier dem Amtsgericht Stuttgart vor. Der WFV hat die Vereinbarung allerdings bereits am vergangenen Wochenende gebrochen – denn er ließ weiterhin nur Woldai und Bender beobachten.
Völlig falsches Signal
„Im Sinne des Leistungsprinzip ist es völlig unverständlich, was hier passiert. Der WFV zieht sein Ding einfach weiter durch“, ist Haug wütend. Aus seiner Sicht sendet der Verband das völlig falsche Signal, auch gerade an die Nachwuchsschiedsrichter: „Wie soll ich einen jungen Schiedsrichter motivieren, wenn hier so ein Ungerechtigkeit vorliegt?“ Besonders leid tut es Haug aber für Schöller: „Der Vincent lebt einfach dafür.“
Sollte Schöller am 20. März die einstweilige Verfügung erwirken können, ist der WFV gerichtlich gezwungen, die Modalitäten für einen möglichen Aufstieg in die Regionalliga neu zu definieren. Haug: „Wir sind optimistisch und können im Sinne des Fußballs und des Schiedsrichterwesens nur an das Fairplay appellieren.“