SC Freiburg trifft auf Mainz 05: Das Spitzenspiel, mit dem keiner gerechnet hat

Die Defensive des SC Freiburg um Keeper Noah Atubolu (rechts, hier zusammen mit Kiliann Sildillia) ist derzeit in bestechender Form.
dpa/Philipp von DitfurthMainz 05 gegen den SC Freiburg: Was vor einigen Jahren noch ein Duell zweier Teams aus der unteren Tabellenhälfte war, ist am 26. Spieltag der Bundesliga tabellarisch gesehen das Topspiel (Anpfiff: Samstag, 15.30 Uhr). Die Mainzer, das Team der Stunde, sind derzeit der erste Verfolger des Spitzenduos aus München und Leverkusen und stehen damit völlig überraschend auf einem Champions-League-Platz. Nur zwei Plätze und drei Punkte – und damit einen Auswärtssieg – dahinter, lauert der Sport-Club aus Freiburg.
Die Tabelle will Schuster nicht überbewerten
Kommen gesehen haben das wohl die allerwenigsten in Fußball-Deutschland, auch nicht SC-Trainer Julian Schuster. Und überbewerten wollte er diese „zum jetzigen Zeitpunkt erfreuliche“, aber eben auch sehr fragile Momentaufnahme in der Bundesliga-Tabelle schon gleich gar nicht.
Der Kampf um die Europa-Qualifikation
„Unglaublich eng“ gehe es im Klassement zu, mahnte Schuster am Donnerstag. Dass in den Köpfen seiner Spieler neun Spieltage vor Schluss die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb natürlich eine Rolle spielt, bestätigte er zumindest indirekt. „Die Jungs sind unglaublich ehrgeizig“, sagte der Coach. Für ihn selbst sei die klare Formulierung des Ziels Europa „nicht entscheidend“. Schuster kümmert sich lieber um die tägliche Arbeit auf dem Platz.
Viele Gemeinsamkeiten zwischen den Gegner
Dort dürfte nach mittlerweile sechs Zu-Null-Spielen – auf vier Siege folgten zuletzt zwei torlose Remis – in Serie auch in dieser Woche die Defensive eine große Rolle gespielt haben. Schuster sprach daher von Intensität und körperlicher Härte, die es brauche, um in Mainz zu bestehen. Beim Gegner hat er Ähnliches ausgemacht: „Sie investieren viel, jeder ist für den anderen da und sie sind sehr aktiv, was zweite Bälle angeht.“ Also all das, was auch die Freiburger seit Wochen stark macht.
In dieser Kategorie steht der SC Freiburg vor Mainz
Weitere Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Kontrahenten sind nicht schwer zu finden. Beide gehören in der Liga zu den Minderheiten der eingetragenen Vereine und setzen voll auf die eigene Jugend. In keinem Team in der Bundesliga haben Spieler aus der eigenen Jugend mehr Minuten auf dem Feld gestanden als beim SC Freiburg (8411 Minuten), die Rheinland-Pfälzer folgen auf Rang zwei (7545).
Golz ist nicht überrascht von Atubolus Rekord
Eines dieser Eigengewächse ist Keeper Noah Atubolu, der im vergangenen Heimspiel gegen Leipzig den Freiburger Zu-Null-Rekord von Vereinslegende Richard Golz wegschnappte. Seit mittlerweile 576 Minuten ist Atubolu nicht mehr bezwungen worden. Für Golz keine Überraschung. „Noah spielt mit dem SC ziemlich oft zu null, der Rekord war nur eine Frage der Zeit. Ich hätte mich nur geärgert, wenn der SC das Spiel verloren hätte, nachdem meine Bestmarke ausradiert wurde“, sagte der ehemalige SC-Torwart im Interview mit dem SWR.
Wie viele Minuten am Samstag auf diese Zahl addierte werden können, hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie die Gäste „den Kampf annehmen“. Schuster rechnet mit einem von Intensität geprägten Spiel, in dem die Freiburger einen weiteren Schritt in Richtung Europa-Qualifikation machen können.
Erinnerungen an die Saison 2012/13 sind beim Coach präsent
Helfen soll dabei auch eine Erinnerung des Trainers. Im DFB-Pokal-Viertelfinale der der Saison 2012/13 spielten die Freiburger – damals mit Christian Streich an der Seitenlinie und Schuster im Mittelfeld – in Mainz und lagen nach vier Minuten schon mit 2:0 in Rückstand. Erst in der Schlussphase trafen die Freiburger zweimal und retteten sich in die Verlängerung, wo sie am Ende dann noch gewannen. „Das 3:2 in Mainz ist eines meiner persönlichen Highlights“, sagte Schuster am Donnerstag.
Ob angesichts der Stabilität der beiden Teams in der jüngeren Vergangenheit am Samstag ein ähnliches Spektakel zu erwarten ist, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall aber freut sich Schuster auf eine „tolle Herausforderung“ im unverhofften Spitzenspiel.