Volleyball
: Kopp steigt beim TV Rottenburg aus

Volleyball: Verein verliert umstrittenen Hauptsponsor. Sorgen um Bundesliga-Zukunft.
Von
Florian Ganswind
Oberndorf
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In dieser Saison ist der Kopp-Verlag noch auf den Trikots zu sehen. Nun muss der TV Rottenburg schnell einen neuen Hauptsponsor finden, denn Kopp steigt zum Ende der Saison aus.

Eibner

Müssen die Volleyballer des TV Rottenburg um ihren Bundesliga-Verbleib zittern? Der umstrittene Kopp-Verlag zieht sich als Hauptsponsor zurück – und damit bricht die wichtigste Finanzquelle weg.

Zehn Jahre – mit einer Unterbrechung – unterstützt der Kopp-Verlag die Volleyballer in der Stadt. Und seit Jahren muss sich der TV Rottenburg deshalb immer wieder auch Anfeindungen stellen. Denn der Kopp-Verlag erregt deutschlandweit kritische Aufmerksamkeit. In seinem Angebot hat er auch rechtspopulistische, esoterische und verschwörungstheoretische Werke. Immer wieder verteidigte die Vereinsspitze die Zusammenarbeit, auch auf der eigenen Homepage stand dazu ein Statement.

Doch nun macht der Kopp-Verlag selbst Schluss. "Schon im Dezember hat mich Verleger Jochen Kopp kontaktiert, und mir gesagt, dass er über diesen Schritt nachdenkt", erzählt Philipp Vollmer, Geschäftsführer der TVR Volleyball GmbH, im Gespräch mit unserer Zeitung. Kopp hat nun seine Ankündigung wahr gemacht.

Der Verein sei schon im Januar von Kopp informiert worden. In der nächsten Saison steht er nicht mehr zur Verfügung. Ausschlaggebend seien die öffentlichen Angriffe auf den Rottenburger Verlag, die sich zuletzt auch in einer Adventskalender-Aktion des Lions-Club äußerten, teilt der Verein mit. Der Kopp-Verlag war bei dieser Aktion der größte Spender, in den meisten der 24 Adventskalender war ein Büchergutschein dabei. Es hagelte Kritik.

"Am Ende entsteht dort ein Schaden, wo wir die gute Sache unterstützen und fördern wollten", sagt der Verleger Jochen Kopp laut der offiziellen Pressemitteilung des Vereins. Nach den jüngsten Veröffentlichungen sei ein Punkt erreicht, an dem die Förderung von Vereinen und Projekten in Rottenburg nicht mehr verantwortbar sei. Der TVR verliere damit einen wichtigen Partner aus seiner zehnjährigen Erstliga-Zugehörigkeit, heißt es von Seiten des Vereins. "Wir verlieren einen verlässlichen und großzügigen Partner, respektieren aber die Entscheidung", sagte Norbert Vollmer, Geschäftsführer des TV Rottenburg. "Am Ende wollte uns Herr Kopp eigentlich schützen, nicht Angriffsfläche zu sein", fügt Philipp Vollmer hinzu. Insgesamt gehe es um eine sechsstellige Summe, die dem Verein nun wegbricht.

Und das eigentlich zu einem Zeitpunkt, wo der Etat für die nächste Saison so gut wie stehen müsste. "Am 1. April ist Stichtag für den Linzenzantrag", sagt der Volleyball-Geschäftsführer. Entwarnung kann er aktuell nicht geben: "Unser Bundesliga-Verbleib ist gefährdet." Die laufende Saison sei nicht in Gefahr.

In den kommenden Wochen muss Philipp Vollmer einen oder mehrere Sponsoren finden, die die große Lücke schließen. "Ich hoffe, dass es in der Region Interessenten gibt. Eigentlich kann man im Volleyball schon mit relativ wenig Geld viel machen." Der Verein sei zwar schuldenfrei, aber der Etat sei sowieso schon Jahr für Jahr eng. Volleyball ist nun mal nicht eine gigantische Geldmaschine, wie es vielleicht Fußball ist. Dabei gehören die Rottenburger in Sachen Zuschauerzahlen zu den Aushängeschildern der Liga: "Wir haben den zweitbesten Zuschauerschnitt von allen."

Auch die Kaderplanung ist von den aktuellen finanziellen Turbulenzen betroffen. Bei den aktuellen Spielern macht sich Vollmer keine Sorgen, dass sie den TVR fluchtartig verlassen wollen. "Wir haben mit allen frühzeitig gesprochen und sie mit ins Boot genommen." Der Verein punktet vor allem deshalb, weil er einen dualen Weg für die Spieler bietet. Viele nutzen die Möglichkeit, auch vor Ort oder im benachbarten Tübingen – dort wo auch die Heimspiele stattfinden – zu studieren. Was Neuverpflichtungen angeht, sei es allerdings schon schwieriger: "Das, was bei uns gerade geschieht, macht natürlich die Runde."

Die Hoffnungen liegen auch auf der Stadt, für die die Bundesligamannschaft ein Aushängeschild ist. Oberbürgermeister Stephan Neher verspricht, sich für den Verein reinzuhängen. "Wir werden versuchen, Türöffner zu sein bei der Sponsorensuche." Auch wolle man überlegen, ob man das Engagement der Stadtwerke Rottenburg ausweiten könne. "Aber da sind natürlich die Mittel begrenzt."

Dem Unternehmer Kopp macht Neher keinen Vorwurf: "Es ist sein gutes Recht, sein Engagement zu beenden." Vor kurzem hat der Rottenburger OB Angela Merkel für ihre Flüchtlingspolitik mit dem Eugen-Bolz-Preis in Stuttgart ausgezeichnet. Daheim muss der CDU-Mann, der die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin stets verteidigte, sich immer wieder auch der Debatte um den Kopp-Verlag stellen. Es bestehe Meinungsfreiheit und da müsse die Demokratie auch so etwas aushalten, sagt Neher. Doch an die Adresse des Verlags sagt er deutlich: "Wer extreme Haltungen vertritt, muss auch extreme Reaktionen aushalten."

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