Reiten
: "King Sam" hat keine Lust auf Ruhestand

Vielseitigkeit: Vor zehn Jahren beginnt Erfolgsgeschichte von Michael Jung und seinem Wallach.
Von
Claas Hennig
Oberndorf
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Noch heute steht Sam in der Gunst von Michael Jung ganz oben: "Das war schon etwas Einzigartiges."

Gentsch

Der König genießt seinen Ruhestand lieber allein auf der Koppel. Doch wenn Sam wieder arbeiten müsste, wäre er trotz seiner 20 Jahre jederzeit bereit. Das hat Reiter Michael Jung beim erfolgreichsten Vielseitigkeitspferd der Welt ganz deutlich gespürt. Nur mal so reiten, das ist nichts für den Wallach. "Er ist frisch und munter. Eigentlich wollte ich nicht mit ihm so viel arbeiten, sondern ihn nur ein bisschen bewegen", sagte Jung. "Das war nicht ganz so einfach, weil er so viel Power hat und wieder arbeiten wollte." Sam freue sich jedes Mal: "Dann ist er etwas übereifrig."

Sam steht in Jungs Reitanlage in Horb am Neckar (Kreis Freudenstadt). Das Schild mit der Aufschrift "King Sam" an seiner Box zeigt seine Ausnahmestellung in dem Stall. Im November 2018 wurde er offiziell verabschiedet – nach einer grandiosen Karriere, die am 3. Oktober 2010 bei der WM in Lexington in Kentucky richtig begann: Als erster Deutscher holte Jung auf Sam Einzel-Gold bei einer WM. "Gleich bei der ersten WM mit Gold nach Hause zu kommen, war etwas Fantastisches", sagt der 38-Jährige.

WM-Titel als Startschuss für Erfolgswelle

Auch zuvor hatten deutsche Vielseitigkeitsreiter bei Olympischen Spielen, WM und EM Medaillen gewonnen. So waren Jung und Sam schon im Jahr vor der WM EM-Dritte geworden. Doch was für ein Ausnahme-Duo sie bildeten, zeigte sich spätestens mit dem WM-Titel. "Ein Jahrhundertpaar", schwärmt Bundestrainer Hans Melzer noch heute. Der WM-Titel sei für die deutschen Vielseitigkeitsreiter "der Startschuss gewesen für die folgende Erfolgswelle".

Auf dieser Welle schwammen Jung und Sam vorneweg. Ein Jahr nach dem Triumph holten sie bei der EM in Luhmühlen den Einzel- und den Mannschafts-Titel. 2012 in London dann Gold im Einzel und im Team. Als erster Reiter überhaupt hatte Jung damit alle drei großen Einzel-Titel gleichzeitig inne. Sam trug mit Siegen bei den Klassikern in Burghley 2015 und Badminton 2016 dazu bei, dass Jung als zweiter Reiter überhaupt den Grand Slam der Vielseitigkeitsreiter holte. Den dritten notwendigen Erfolg erritt er in Lexington auf Rocana. 2016 in Rio krönten Sam und Jung ihre Karriere mit dem erneuten Olympia-Gold.

"Mutig" und "clever"

Fünfjährig war das Pferd zu Jung gekommen. "Mutig" und "clever" beschreibt Jung seinen Partner, "mit einem großen Herz und einer sehr guten Einstellung". Sams Talent war aber erst später erkennbar. "Eigentlich erst, als er sieben oder acht Jahre war", erzählt Jung. Das Dressur-Niveau mussten sich Sam und Jung hart erarbeiten, auch das Sprungvermögen des Wallachs war nicht das größte. Doch im Gelände war er nicht aufzuhalten. "Egal wie bergig oder wie nass das Gelände war, das hat ihm nie etwas ausgemacht", sagt Jung. Er habe eine unglaubliche Ausdauer und Kraft im Gelände. "Das ist schon etwas Einzigartiges."

Auch wenn der dreimalige Olympiasieger mit vielen anderen Pferden Erfolge und Titel feierte, bleibt Sam in seiner Gunst ganz oben. "Ich glaube, dadurch, dass man gemeinsam so viel durchlebt hat, Höhen und Tiefen, über die Jahre bei vielen Championaten dabei war, den Grand Slam gewonnen hat – das wird man nicht wieder so schnell erleben", sagt Jung.

Wenn am Samstag das zehnjährige Jubiläum seines WM-Siegs ansteht, ist er bei den deutschen Meisterschaften in Luhmühlen. Jung startet mit Fischer Chipmunk, Sam bleibt zu Hause. Wenn er aber dürfte, würde er noch einmal zeigen, was er kann.

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