Premiere war 2023 in Balingen: So plant die HBL die Einführung des Videobeweises in Liga zwei

International und in der Bundesliga gibt es den Videobeweis bereits. In der 2. HBL kommt er frühestens 2027.
Jan Woitas/dpaEs war nur eine Rote Karte von vielen in der Handball-Bundesliga (HBL) 2023/24 – und doch eine besondere. Denn als der Kieler Magnus Landin Jacobsen am 27. August in Balingen vom Schiedsrichtergespann vorzeitig zum Duschen geschickt wurde, wurde ligaweit zum allerersten Mal der Videobeweis im Handball angewendet.
In der zweiten Liga, in der die „Gallier“ seit dem Abstieg im Jahr 2024 spielen, wird der Videobeweis dagegen nicht eingesetzt. Noch nicht. Denn nachdem in der Vorsaison gleich mehrfach extrem knappe Spiele in den Schlagzeilen waren, bei denen in entscheidenden Situationen mehr Spieler als erlaubt auf dem Feld standen, wurden in der Szene die Rufe nach einer schnellen Videobeweis-Einführung in der 2. HBL laut. All das gipfelte gar in einem Wiederholungsspiel – nach dem letzten Spieltag – zwischen dem Dessau-Roßlauer HV und Essen, das nachträglich Einfluss auf die Abstiegsränge hätten haben können.
Dieses Worst-Case-Szenario blieb den Verantwortlichen zwar erspart, dennoch warf die Situation insgesamt kein wirklich gutes Licht auf die Liga.
Liga hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt
Dort beschäftige man sich intensiv mit der Thematik rund um den Videobeweis. „Wir haben uns in mehreren Sitzungen in unterschiedlichen Gremien und über einen längeren Zeitraum über die Einführung des Videobeweis in der 2. HBL informiert und darüber diskutiert“, heißt es wenige Tage vor dem Saisonstart von Oliver Lücke, Kommunikationschef bei der HBL, auf Nachfrage unserer Redaktion. In diesen Sitzungen sei man zu folgendem Schluss gekommen: „Der Videobeweis macht für die 2. HBL Sinn“, so Lücke weiter.
Allerdings: In den kommenden zwei Saisons sind die Schiedsrichter in der zweiten Liga weiterhin auf sich gestellt. „Frühstens zur Saison 2027/28“ werde der Videobeweis eingeführt, kündigt Lücke nun an. Die „Implementierung der Technik“ sei „komplex, kosten- und zeitintensiv“, außerdem erfordere sie zusätzliches Personal, erklärt der HBL-Kommunikationschef.
Die Gründe für die mindestens zwei Jahre Vorlauf dürften dabei auch der heterogenen Zusammensetzung der zweiten Bundesliga geschuldet sein. Einige Vereine, wie etwa der HBW Balingen-Weilstetten, sind in Umfeld und Infrastruktur wie ein Erstligist aufgestellt, andere Teams dagegen absolvieren ihre Spiele in Schulsporthallen. Allein die Anbringung der Technik für den Videobeweis dürfte hier für Herausforderungen sorgen, während die Voraussetzungen beim HBW durch die Erstliga-Zugehörigkeit während der Einführung der neuen Technologie bereits vorhanden sind.
Liga hat sich weiterentwickelt
Und dennoch: Für die 2. HBL ist die Einführung des Videobeweises der nächste Schritt. Bereits in der Vergangenheit habe sich das Unterhaus „in den Bereichen Infrastruktur, Medialität, Digitalität, Social Media und TV-Produkt enorm weiterentwickelt“, sagt HBL-Kommunikationschef Lücke.
HBW startet mit Härtetest in die Saison
Und: „Auch technisch hat sich beispielsweise bei der TV-Produktion und der Streamingqualität viel verbessert. Diese Entwicklung spiegelt sich beim Ticketing sowie beim TV-Bild und den Reichweiten auf Dyn sowie auf den eigenen digitalen Kanälen sehr positiv wider“, sagt Lücke über die zweite Bundesliga, die für den HBW Balingen-Weilstetten am 29. August beim Erstliga-Absteiger VfL Potsdam mit einem echten Härtetest beginnt.
