Neues Buch: Fußballbezirk Böblingen/Calw lebt noch einmal auf

Jürgen Renner und sein Buch „Fußball im Bezirk Böblingen/Calw 1965 bis 2024“
RennerNachdem der 1965 gegründete Bezirk Fußballbezirk Böblingen/Calw inzwischen Geschichte ist, hat der in Herrenberg aufgewachsene Fußballstatistiker Jürgen Renner aus München über die 60 Spielzeiten nun ein eigenes Buch herausgebracht.
Alle Ergebnisse gesammelt
Für das über 200 Seiten starke Werk hat er von der A-Klasse (bis 1978) und der späteren Bezirksliga alle Ergebnisse gesammelt und von den restlichen Ligen sämtliche Tabellen, die der Württembergische Fußballverband (WFV) auf seine Homepage gestellt hat, kontrolliert und mit Tabellen aus Tageszeitungen abgeglichen. Von den vergangenen 30 Jahren sind auch die Ergebnisse der Kreisliga A in diesem Buch enthalten. Zudem sind alle Auf- und Absteiger sowie Staffelwechsler und die Vorjahresplatzierung aufgeführt. Sämtliche Relegations- und Entscheidungsspiele sind ebenfalls Bestandteils dieser Fußball-Chronik. Bis 1970 wurden Entscheidungsspiele bei Punktgleichheit ausgetragen. Endeten diese unentschieden, gab es ein Wiederholungsspiel.
Im Buch werden in der A-Klasse beziehungsweise Bezirksliga auch alle Spielabbrüche mit Begründung aufgeführt. „Ein Spieler, der später Bezirksfunktionär war, riss dem Schiedsrichter die Gelbe Karte aus der Hand und klaute ihm auch seine Rote, weshalb das Spiel abgebrochen wurde“, nennt Renner ein Beispiel.
Für die A- und B-Klasse (später Bezirksliga und Kreisliga A) sind im Buch zudem ewige Tabellen abgebildet. Abgerundet wird das Fußball-Buch durch die Bezirkspokalendspiele inklusive Datum, Spielort und Torschützen sowie pro Saison ein paar Besonderheiten wie zum Beispiel eine Siegesserie der A-Klasse/Bezirksliga.
Viel im Zug erledigt
Die Idee zum Buch kam Renner in nasser Umgebung.„Ehrlich gesagt passierte das unter der Dusche, als ich zuvor einen Artikel über eine Meisterelf der 80er-Jahre gelesen hatte. Die Auflösung des Bezirks ist doch eine tolle Gelegenheit, das Geschehen der vergangenen 60 Jahre abzubilden“, meint Renner. Unzählige Stunden verbrachte der 46-jährige Münchner dafür in Stadtarchiven. „Zusammengerechnet komme ich bestimmt auf zwei Wochen Archiv mit täglich acht Stunden“, betont Renner und zeigt auf: „Bei Nachholspielen unter der Woche konnte ich auch einige Ergebnisse errechnen. Manchmal waren die Tabellen aber falsch, weswegen ich zur Sicherheit das Ergebnis gesucht habe, indem ich zuvor den Zeitraum eingrenzt habe.“ Hinzu kamen viele Stunden zur Auswertung des Archivmaterials und das Abtippen der Tabellen: „Ich war im vergangenen Jahr aufgrund der Einführung des Deutschland-Tickets oft mit der Bahn unterwegs und habe während den Fahrten viel erledigt.“
Dabei stieß er auf so manche Kuriosität. Etwa bei einer WFV-Tabelle fehlte eine Mannschaft komplett, bei einem Pokal-Halbfinale zwischen dem VfL Nagold und SV Nufringen, das nicht Einzug ins Buch fand, vergaß der Schiedsrichter nach der Verlängerung das Elfmeterschießen auszutragen. Mit welchen Folgen? „Beide Teams trafen sich ein paar Tage später nochmals nur zum Elfmeterschießen“, muss Renner bei dieser Anekdote schmunzeln.
24 statt 74 Tore
Die Mär von „früher war alles besser“ kann er dabei widerlegen: „Einmal wurde ein Spiel vom zweiten Spieltag erst kurz vor Saisonende wiederholt. Das Sportgericht war jedenfalls nicht im Eilzugtempo unterwegs“, schüttelt Renner den Kopf. Gleiches gilt auch bei den zahlreichen falschen Tabellen. „Taschenrechner gibt es seit 1967. Manche Staffelleiter haben wohl nie einen verwendet“, habe der Zahlenmensch trotz Ehrenamt wenig Verständnis für Differenzen von 30 bis 40 Toren. So manche falsche Tabelle sorgte bei Renner für Kopfzerbrechen: „In ein paar Fällen war das Ergebnis falsch, aber richtig in die Tabelle eingerechnet oder andersrum. Einmal hat der SV Oberkollbach laut WFV-Tabelle 24 Tore geschossen, es waren aber 74. Eine Zeitungstabelle war unvollständig, bei der anderen stimmte das Punkteverhältnis nicht.“ Die Lösung? „Da eine Mannschaft außer Konkurrenz mitspielte, habe ich die beiden Ergebnisse gesucht und dann die Tore auf Basis der unvollständigen Tabelle herausgerechnet“, erklärt der Münchener.
Datenbank ist eine Hilfe
Renner ist seit über 26 Jahren Mitglied und seit mehreren Jahren Regionalleiter Süd beim Deutschen Sportclub für Fußballstatistiken (DSFS) und hatte dadurch Zugriff auf Buchvorlagen. „Wenn ich auch noch das komplette Layout hätte entwerfen müssen, wäre das Ganze nicht bewerkstelligen gewesen“, erklärt Renner. Die Datenbank des DSFS war zudem eine Hilfe, weil dadurch die Heim-/Auswärtsbilanz und Vorjahresplatzierung automatisch einfügt wurde sowie die ewigen Tabellen mit einem Knopfdruck berechnet wurden. Die Tabellen ab 1995/96 waren durch den DSFS schon erfasst und in Büchern veröffentlicht. Hier musste Renner die Tabellen und Ergebnisse nur kopieren.
Und welche Verkaufszahl schwebt dem Zahlenmensch Renner vor? „Natürlich musste diese Frage kommen. Ich stecke mir bewusst kein Ziel, um nachher enttäuscht zu sein. Es freut mich, wenn sich frühere Spieler dieses Buch kaufen, darin blättern, viele Erinnerungen hochkommen und sie mit früheren Mitspielern fachsimpeln“, zähle für Renner nicht der monetäre Aspekt. Er unterstreicht: „Letztlich ist das Buch reiner Idealismus, weshalb ich mich über jedes Lob freue. Die Verkaufserlöse decken ausschließlich die Druckkosten.“ Renner selbst bekomme keinen Cent vom Verkauf. „Wir sind schließlich ein gemeinnütziger Verein und wollen uns daran nicht bereichern. Mir war wichtig, dass der Preis erschwinglich bleibt“, meint Renner.
Den Gedanken, auch noch die Landes- bis Oberliga ins Buch zu packen, habe er dagegen schnell verworfen: „Dann wären es mit allen Abschlusstabellen schnell 400 Seiten. Es soll ja ausschließlich der Fußball im Bezirk und nicht auf Verbandsebene beleuchtet werden.“