Mountainbike-Sport
: In die Pedale bei Kaiserwetter

Rosa van Doorn und Andreas Seewald gewinnen die Weltcuprennen beim ULTRA Bike Marathon in Kirchzarten. 2660 Starter werden auf den vier Mountainbike-Marathonstrecken gezählt.
Von
pd
Oberndorf
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Andreas Seewald fährt als Sieger durchs Ziel.

zVg/Ultra Bike

Während Wout Alleman aus Belgien nach seinem Zielsprint mit dem Italiener Gioele De Cosmo tief über seinem Lenker hängend nach Luft schnappte, schritt Sieger Seewald ohne erkennbare Malaisen Richtung Interviewzone. Die 118 Kilometer lange Mountainbike-Weltcuptortur über 3550 Höhenmeter im Hochschwarzwald hatte keine tiefen körperlichen Spuren beim 33-jährigen Deutschen hinterlassen. „Es war ein ziemlich taktisches Rennen, alle haben sich angeschaut“, sagt Seewald, „ich habe dann das Tempo verschärft, damit die Führungsgruppe kleiner wird“. Hinter dem Favoriten ging eine Lücke auf, keiner wollte und konnte ihm folgen.

Seewald baut im Weltcup seine Führung aus

Was als „taktischer Nadelstich“ geplant war, entpuppte sich als siegbringendes Manöver. 2015 und 2016 war Andreas Seewald beim ULTRA Bike in Kirchzarten bereits erfolgreich gewesen, der heutige Weltcupsieg an gleicher Stätte in 4:21:50,5 Stunden gegen stärkste internationale Konkurrenz ist allerdings sportlich sehr viel bedeutsamer.

Durch den zweiten Sieg im vierten Rennen der fünfteiligen Marathon-Weltcupserie konnte der Oberbayer seine Gesamtführung ausbauen. „Es war ein Supertag, ich bin in einer Superform und alles läuft nach Plan für die WM“, sagt Seewald, der 2021 schon einmal Weltmeister und ein Jahr später Vizeweltmeister war.

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Schwarzwälder Bote

Gioele De Cosmo aus Turin konnte beim Weltcuprennen in Kirchzarten zwar im zähen Ringen um Rang zwei Wout Alleman mit einer Zehntelsekunde hinter sich lassen (4:24:11,5 zu 4:24:11,6 Std), große Freude wollte beim kleinen, drahtigen Italiener dennoch nicht aufkommen: „Der Zweite ist immer auch der erste Verlierer.“

Eng zu ging es auch bei der Weltcup-Entscheidung der Frauen über die gleiche Distanz. Rosa van Doorn und die Italienerin Mara Fumagalli erreichten als Führungsduo gemeinsam das Sportstadion in Kirchzarten, der Sprint musste entscheiden. Hier machten drei Zehntelsekunden den Unterschied, die die Marathon-Weltcupführende aus den Niederlanden nach 118 Kilometern schneller war (5:17:36,9 zu 5:17:37,2 Stunden). „Ich bin überglücklich über meinen dritten Weltcupsieg in dieser Saison, der Kurs war super hart“, sagte van Doorn. „Sehr zufrieden“ war Adelheid Morath mit ihrem dritten Platz in 5:19:40,8 Stunden.

Eine Amateurin stiehlt allen die Schau

Und jetzt wird’s kurios: Denn schnellste Frau auf der ULTRA-Bike-Langstrecke war nicht eine der Elitestarterinnen, sondern die Amateurin Anna Weinbeer aus Basel in 5:06:32,5 Stunden. Kann das sein? Es gab verschiedene Erklärungsversuche dazu. „Wenn sie hinten startet, kann sie sich an Männergruppen dranhängen“, sagte Adelheid Morath, „wir vorne bei der Elite dürfen das nicht“. Möglicherweise könne auch das taktische Verhalten der Elitefrauen so eine Entwicklung begünstigt haben, meinten andere. Wie dem auch sei, die Schweizerin Anna Weinbeer wird in der Gesamtrangliste der Frauen, aber nicht in der Weltcupwertung, auf Position eins geführt.

Rivalen können auch gute Freunde sein. Bis zum letzten Meter der 75 Kilometer langen Marathondistanz (2170 Höhenmeter) bekämpften sich der Breitnauer Matthias Bettinger und Nick Winkler (Freiburg) vehement, anschließend sagte der 41-jährige Schwarzwälder: „Wir kennen uns gut, wir kommen miteinander klar, auch wenn man sich zuvor auf der Strecke gegenseitig wehtut.“ Deshalb schmerze ihn der zweite Platz auch nicht so sehr wie derselbe Rang im vergangenen Jahr, als der Sieger ein anderer war.

Speed Track-Sieg an Marie Rieder

Die schnellste Frau auf der 75 Kilometer langen Marathonstrecke kommt vom Gravel. „Ich dachte, ich guck‘ mir das jetzt einfach mal an, da in Kirchzarten“, erzählt Jade Treffeisen, die nach 3:19:31,3 Stunden im Ziel war. „Ich wollte das Rennen hart machen, aber hintenraus nicht sterben“, erzählt sie mit einem Lächeln nach dem ersten Mountainbike-Rennen, das gleich mit einem Sieg endete.

Im Speed Track über 54 Kilometer (1230 Höhenmeter) siegte bei den Frauen Marie Noa Rieder in 2:16:18,2 Stunden vor Alisa Stephan und Tanja Schmid. Bei den Männern war Tobias Kirchberger in 1:51:26,8 Stunden erfolgreich vor Gabriel Baydur und Andre Moser.

Den Short Track (40 km/840 Hhm) gewann bei den Frauen Rebecca Schechinger in 1:32:31,8 Stunden vor Clara Hirsch und Charlotte Engel. Felix Kurz sicherte sich bei den Männern Rang eins in 1:16:59,4 Stunden vor Louis Schladebach und Luca Pechacek.                      pd

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