Jugendfußball: Ziel in Südbaden: Gemeinsam die Zukunft gestalten

Kicken nach Lust und Laune.
Michael HundtAus dem gesamten SBFV-Gebiet kamen daher beim erstmalig ausgetragenen SBFV-Jugendfußballkongress zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus den Vereinen und dem Verband zusammen, um sich über den Jugendfußball in all seinen Facetten auszutauschen.
Mehr als ein Dutzend Workshops, ein tief gehendes Expertengespräch und die Vorstellung der aktuellen DFB-Jugendstudie machten deutlich: Es kann nur jugendgerecht und praxisnah in die Zukunft geblickt werden.
Im Europa-Park Stadion, wo sonst Profis des SC Freiburg um Punkte kämpfen, standen ausnahmsweise Südbadens Nachwuchskicker im Mittelpunkt. Über 100 engagierte Vereinsverantwortliche (Trainer, Jugendleiter, Spieler sowie Vertreter seitens des Verbandes) hatten sich für den ersten SBFV-Jugendfußballkongress zusammengefunden.
Die begrüßenden und einleitenden Worte übernahmen Verbandspräsident Reinhold Brandt, Verbandsjugendwart Armin Bader und Tobias Barth (Leiter Kinder- und Jugendfußball), die die Anwesenden auf die kommenden Stunden einstimmten.
Lasst sie doch einfach kicken
Spannende Einblicke gab dabei die ehemalige Nationalspielerin Lena Lotzen (Team „Trainingsphilosophie Deutschland/Schulfußball“ und Assistenztrainerin U17 Juniorinnen-Nationalmannschaft), die von ihren Anfängen berichtete, als ganz junges Mädchen in einer Jungsmannschaft. Ein Schritt, der sich auszahlte – gleichzeitig sprach sie sich dafür aus, den Mädchen einen geschützten Raum zur fußballerischen Entfaltung zu geben, ohne Jungs.
Zur Gewinnung von Trainingspersonal hatte Christine Dorer (Vorstand Badische Sportjugend) einen praxisnahen Tipp parat: Ehrenamtliche könnten zeitweise „Jobsharing“ betreiben, indem sie die Trainingstage und das Wochenende unter sich aufteilen. Das käme bei den Kindern und Eltern sehr gut an und erleichtere das Finden von Trainern, da man nicht gleich mehrere Tage die Woche am Spielfeldrand sein müsse. Dorer hob in dem Atemzug auch die Bedeutung von Vorbildern in den Vereinen hervor: Es gelte nicht nur das Feuer in den Kindern zu entfachen, sondern bei den Jugendlichen auch am Lodern zu halten.
Ein glühendes Beispiel hierfür: Daniel Schwaab (SC Freiburg, JFV Eintracht Elztal), der nicht nur hauptamtlich das Amt des Verbindungstrainers beim SC Freiburg bekleidet, sondern auch als Sportvorstand den Jugendfußballverein Eintracht Elztal leitet. Schwaab weiß, wovon er spricht, beherbergt der JFV doch rund 400 Kinder und Jugendliche, denen dank eines neuen Bolzplatzes seit diesem Sommer ein zusätzliches Platzangebot zur Verfügung steht. Schwaab blickte im Gespräch auf seine eigene Fußballzeit im Kindheitsalter zurück und wie sehr er es gehasst habe, wenn der Trainer jede Situation gecoacht hat und dauernd „reingebrüllt“ wurde. Sein Appell daher: „Lasst die Kids doch einfach kicken - und coacht als Trainer oder Trainerin nicht jede Aktion im Training oder Spiel.“
Untermauert wurden die verschiedenen Erfahrungen und Praxisperspektiven, die im Anliegen jedoch geeint waren, auch in wissenschaftlicher Hinsicht von Markus Dorrmann. Der Referent Jugendfußball beim Deutschen Fußball-Bund stellte die Ergebnisse der aktuellen DFB-Jugendstudie vor und ging dabei auf Entwicklungen in Motivation, Belastung und Vereinsbindung ein. Eine zentrale Aussage: Am Ende muss es, auch im Wandel der Zeit, um die Zielgruppe Jugendliche und deren Bedürfnisse gehen – und nicht um die Erwartungen der Erwachsenen. Vieles läuft schon gut, daher geht es nicht darum, den bestehenden Jugendfußball auf den Kopf zu stellen, sondern durch kleine Anpassungen, Veränderungen und Erweiterungen noch mehr Mädchen und Jungs auch im Jugendalter – und darüber hinaus – im Fußball zu halten.
Herausforderungen, aberauch viele Lösungen
Im Anschluss folgte das eigentliche Herzstück des Jugendfußballkongresses: Der umfassende Austausch der Vereinsverantwortlichen mit den Verbandsvertretern – und auch hier waren die Experten aus dem Podiumsgespräch in den Gruppen aktiv. Gemündet ist das Ganze in über ein Dutzend Workshops, verteilt auf Vor- und Nachmittag, die zentrale Fragen und Zukunftsthemen rund um den Jugendfußball abdeckten.
Viele Diskussionen drehten sich um den Wandel im Lebensumfeld von Kindern und Jugendlichen, den wachsenden Zeitdruck in Familien, aber auch um Chancen durch neue Angebotsformen, Kooperationen oder ein moderneres Verständnis von Vereinsentwicklung. Für den Verband geht es im nächsten Schritt jetzt darum, die Impulse aus den Workshops in Arbeitsgruppen aufzuarbeiten, bevor sie in Handlungsempfehlungen und Angeboten für die Vereine münden. Die entsprechenden Inhalte und Schlüsse werden zuvor besprochen und abschließend kommuniziert.
Vom Austausch zur gemeinsamen Umsetzung
Der SBFV sieht die Rückmeldungen und Gespräche beim Kongress als Triebfeder, die Verbands- und Vereinsarbeit ausgerichtet an den Bedürfnissen der Jugendlichen noch enger zu verknüpfen und die Vereinsvertreter in den Entscheidungsprozessen dabei auf Augenhöhe mitzunehmen. Wie zentral dieser verbindende Charakter ist, unterstreicht auch SBFV-Präsident Brandt: „Der Jugendfußball ist ein Entwicklungsraum und zugleich ein Versprechen an die nächste Generation. Entscheidend ist, dass Vereine, Schulen und Verbände partnerschaftlich zusammenwirken. So entsteht ein Umfeld, das jungen Menschen Orientierung, Freude und Chancen bietet – und unserem großartigen Sport sowie dem Vereinswesen langfristig Stabilität verleiht. “