Irre Schlussphase: TSG Balingen verliert wildes Kellerduell und rutscht tiefer unten rein

Nach der bitteren Niederlage versammelten sich die Balinger im Kreis zur Besprechung.
Felix PaschkeVorletzter gegen Viertletzter, Südbaden gegen Schwaben oder einfach: Bahlingen gegen Balingen. Das Duell der Namensvetter in der Regionalliga Südwest versprach vor allem aufgrund der tabellarischen Bedeutung Spannung pur im Abstiegskampf.
Wer jedoch zu Beginn mit einem Abtasten im Mittelfeld gerechnet hatte, der wurde am Allerheiligen-Feiertag bei angenehmen Temperaturen am Kaiserstuhl schnell eines Besseren belehrt. Das lag vor allem an den Gästen aus Balingen, die sofort den Weg nach vorne suchten.
In der 4. Minute wurde Komlan Manasse Fionouke nach einer Hereingabe noch geblockt und auch der abgefälschte Nachschuss verfehlte das Ziel. Wenig später jedoch durfte die TSG jedoch zum ersten Mal jubeln. BSC-Keeper Luca Petzold war bei einem hohen Ball in seinen Strafraum arg ungestüm zu Werke gegangen und hatte Fionouke gefoult. Denis Latifovic blieb vom Punkt cool und traf zum 1:0 (8.). Es war bereits der zwölfte Elfmeter gegen den Bahlinger SC – im 15. Spiel der Regionalliga Südwest.
Zwei Elfmeter in der Anfangsphase
Es dauerte jedoch nicht lange, ehe auch auf der Gegenseite der Ball auf dem Elfmeterpunkt lag. Ivo Colic blockte einen Schuss mit dem Arm, der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter. Sehr zum Missfallen von Daniel Güney. Der Co-Trainer, der den Gelb-Gesperrten Chefcoach Murat Isik an der Seitenlinie vertrat, monierte zwar, dass Colic nicht im Sechszehner stand – allerdings vergeblich. Und so stellte Hasan Pepic nach 16 Minuten auf 1:1.
Colic vergibt die beste Chance zur erneuten TSG-Führung
In der Folge entwickelte sich ein wildes Spiel mit vielen Zweikämpfen, aber auch Torraumszenen. Die beste davon hatte Colic, als er nach einem gut ausgespieltem Konter plötzlich frei vor Petzold stand. Der BSC-Torwart blieb jedoch lange stehen und parierte mit dem Fuß (22. Minute).
TSG Balingen hat es mehr vom Spiel, kann das allerdings nicht nutzen
Anschließend verflachte die Partie etwas. Balingen spielte zwar gefällig und hatte etwas mehr von der Partie – oft waren die Bälle jedoch zu schnell wieder weg, als das aus diesen Situation hätte etwas entstehen können. Auch die Gastgeber taten sich schwer und erzeugten hauptsächlich durch Fernschüsse für etwas Gefahr. Die ganz großen Chancen waren jedoch in der zweiten Hälfe des ersten Durchgangs Mangelware, der 1:1-Pausenstand folgerichtig.
TSV Balingen wechselt zur Pause – und gerät in Rückstand
Nach dem Seitenwechsel wechselte die TSG. Halim Eroglu kam für Marko Pilic, der erstmals seit dem achten Spieltag wieder in der Startelf gestanden hatte. Die Grundordnung der Gäste wurde dadurch etwas offensiver, zunächst jedoch hatte der BSC eine Großchance.
Marco Rienhardts Kopfball (52.) war jedoch weder allzu platziert noch extrem stramm, so dass Louis Potye wenig Mühe hatte. Nur eine Minute später meldeten sich auch die Balinger offensiv an: Fionoukes Kopfball mit dem Rücken zum Tor verfehlte jedoch das BSC-Gehäuse am Ende deutlich.
Simon Klostermann trifft per Kopf zum 2:2.
Doch insgesamt gehörte die Anfangsviertelstunde nach der Pause den Hausherren, die nach 57 Minuten in Führung gingen. Rico Wehrles Schuss von der Strafraumkante wurde noch abgefälscht und schlug unhaltbar im langen Eck ein. Wenig später hat Wehrle gar die Chance zum 3:1. Seine Mischung aus Hereingabe und Abschluss wurde jedoch von Fionouke kurz vor der Linie geklärt.
Gegentor mit der Hacke
Stattdessen waren wieder die Gäste am Zug, die mit etwas Verzögerung im zweiten Durchgang ankamen: Nach einem Eckball stand Angreifer Simon Klostermann ziemlich frei und traf per Kopf zum 2:2 (62.). Und es blieb weiter wild – dieses Mal wieder im Strafraum der TSG: Eine Ecke auf Hüfthöhe verlängerte Holger Bux kunstvoll mit der Hacke, danach zappelte der Ball im Tor (73.).
Fünf Minuten später hätte nicht viel gefehlt und die Balinger wären – passend zur Dramaturgie dieses Kellerduells – erneut direkt zurückgekommen. Doch Petzold im BSC-Kasten parierte den platzierten Fernschuss des eingewechselten Zeki Koca zur Ecke.
Die Gäste aus Balingen versuchten auch danach alles und wurden stetig offensiver. Und tatsächlich: In der 92. Minute war der eingewechselte Jonas Brändle auf der linken Seite frei durch und traf aus spitzem Winkel zum 3:3.
Der Schlusspunkt in einem wilden Spiel? Denkste! Denn beide Teams warfen weiter alles nach vorne und in der 95. Minute war es tatsächlich der Bahlinger SC, dem der Lucky Punch gelang. Marco Bauer war es, der die Heimfans im Kaiserstuhlstadion erlöste und die TSG Balingen ins Tal der Tränen stürzte.
Denn durch die Niederlage verpassten die Balinger es, den Namensvetter im Abstiegskampf zu distanzieren. Stattdessen beträgt der Abstand zwischen den beiden Teams nur noch zwei Punkte.
Die Stimmen der Balinger Trainer
Co-Trainer Daniel Güney sagte nach dem Spiel: „Für uns ist es natürlich ein bitteres Spiel. Wir wussten, dass es viel auf die Basics ankommen wird. Wir wussten, dass der Gegner viel Mann gegen Mann spielt und wenn man Mann-Mann spielt, bedeutet das auch, dass viele Duelle passieren. Diese müssen geführt – und um das Spiel zu gewinnen – und auch gewonnen werden“, sagte er auf der Pressekonferenz.
Auch Cheftrainer Murat Isik, der das Spiel auf der Tribüne verfolgen musste, nannte fehlende Basics als Grund für die Niederlage: „Da waren wir heute nicht gut“, sagte er. „Bezeichnend dafür ist, dass wir im Endeffekt vier Standardgegentore bekommen haben“, sagte er. Die Gegentore zwei und drei fielen rund um einen Eckball, der BSC-Siegtreffer nach einem Einwurf. „Insgesamt gesehen war es nicht das Spiel, das wir heute gebraucht haben von uns“, bilanzierte Isik. Und abschließend: „Jetzt sind wir kurz enttäuscht, aber ab nächster Woche geht’s weiter.“
Aufstellung und Torschützen
TSG Balingen: Potye – Hannak (69. Koca), Fionouke, Jäger, Eisele, Katsianas-Sanchez (82. Brändle), Latifovic (88. Battista), Colic, Pilic (45. Eroglu), Klostermann, Moutassime (69. Almeida Morais).
Tore: 0:1 Latifovic (8./FE), 1:1 Pepic (16./HE), 2:1 Wehrle (57.), 2:2 Klostermann (62.), 3:2 Bux (73.), 3:3 Brändle (92.), 4:3 Bauer (95.).
