Fußball Regionalliga
: TSG Balingen ergaunert sich einen Punkt – dank Louis Potye

Lange führt die TSG Balingen bei Hessen Kassel, ehe der späte Ausgleich fällt. Überragender Mann ist TSG-Torhüter Louis Potye.
Von
Marcel Schlegel
Oberndorf
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Voller Einsatz: TSG-Keeper Louis Potye (im grünen Trikot) und seine Balinger Abwehr stemmen sich als Bollwerk gegen Hessen Kassel und sichern mit großem Engagement ein 2:2-Unentschieden.

Eibner-Pressefoto/Roland Sippel

Fast 440 Kilometer und über vier Stunden Autofahrt sind es von Balingen nach Kassel – die weiteste Anreise, die die Fußballer der TSG Balingen in dieser Saison zu absolvieren hatten. Und diese, in der Regionalliga höchst ungewöhnlich, nahm das Amateurteam von Trainer Murat Isik am Samstag ressourcensparend mit der Bahn in Angriff.

Doch die vermeintlich entspanntere und vor allem kostengünstigere Variante wurde am Ende zur unverhofften Strapaze. Die Schwaben, um 7.30 Uhr am Stuttgarter Hauptbahnhof auf die Schiene gegangen, strandeten zunächst in Frankfurt, weil die Bahn einen technischen Defekt hatte. Also schnell raus und umsteigen.

Statt wie geplant um 11.00 Uhr kamen sie schließlich gegen 12.00 Uhr im Aue-Stadion der Profifußballer des KSV Hessen Kassel an – mit der Stadtbahn und begleitet von einigen „Löwen“-Fans. Das obligatorische gemeinsame Mittagessen fiel aus, stattdessen gab Schiedsrichter Marvin Hoffmann die Partie des 31. Spieltags doch noch pünktlich um 14.00 Uhr zur Abfertigung frei.

Überraschender Punkt trotz Unterlegenheit

Knapp zwei Stunden und eine erneut wilde Fahrt vor knapp 2000 Zuschauern später hatte sich die Isik-Elf, die faktisch schon abgestiegen ist, ein 2:2 erkämpft, war zweimal in Führung gegangen, kassierte den finalen Ausgleich zudem in der Nachspielzeit. Und hatte sich den Zähler am Ende dennoch ein Stück weit ergaunert.

Den nämlich hatten die Gäste, weiter 16. der Südweststaffel, vor allem einem Teamkameraden zu verdanken – ja, einem Balinger hatte die lange Anreise offenbar wenig angehabt: Louis Potye. Am 23-jährigen Keeper der TSG bissen sich die gastgebenden „Löwen“, die vom Anfang bis zum Ende überlegen waren, immer wieder die sprichwörtlichen Zähne aus. Gleich mehrere „Hundertprozentige“ vereitelte der gebürtige Aalener und sicherte den Württembergern, die sich gleichwohl nach Kräften gegen den heranrollenden KSV-Zug wehrten, am Ende den 22. Saisonpunkt.

Fünferkette und Konter als Schlüssel

Nicht nur die Zugfahrt war ungewöhnlich gewesen am Samstag. Auch stellte Isik seine Jungs diesmal taktisch auf etwas andere Gleise. Statt auf den gewohnten angriffsorientierten setzten die Balinger auf Konterfußball und eine Fünferkette als Abwehrbollwerk, in die der zuvor lange verletzte Kapitän Matthias Schmitz für den Gelb-gesperrten Tim Hannak gekommen war. Der blitzschnelle Simun Birkic rückte deshalb in die Spitze, und Amnay Moutassime kam über den Flügel.

Effiziente Chancenverwertung: Balingen trifft eiskalt

Am Ende zahlten sich Isiks Umstellungen aus; zwei glänzend zu Ende gespielte Konter reichten den Balingern, um jeweils in Führung zu gehen. Beim 1:0 in der 30. Minute hatte Ivo Colic einen Kasseler Angriff unterbunden, sah Ole Deininger auf dem rechten Flügel, der spielte im Strafraum Marko Pilic an. Und der schob ebenso trocken wie platziert ins linke Eck ein.

Kassel drückt, Potye überragt: Chancen im Minutentakt

Zuvor und danach hatte der KSV beste Möglichkeiten liegen gelassen – eine Auswahl: Beim Abschluss von Adrian Sanchez aus dem Rücken der Abwehr brachte Potye gerade noch die Arme hoch (17.). Dann klärten die Gäste am kurzen Pfosten mit vereinten Kräften gegen Sercan Sararer (22.).

Gegen Jan Dahlke blockte erst Potye und dann Jonas Fritschi (33.) und verhinderten so den Ausgleich. Ja, es hatte etwas von Handball, so belagerten die Kasseler den Balinger Strafraum in der ersten Hälfte. Bei Phineas Boniangas Schuss aus dem Strafraum zeigte Potye einen formidablen Reflex (35.) und gegen Yannick Stark aus totem Winkel einen erstklassige Flugeinlage (36.). Auch beim Abschluss von Dahlke nach einer Ecke fehlten nur Zentimeter zum 1:1-Ausgleich.

Eigentor und Chancenwucher: Kassel belohnt sich lange nicht

Der fiel dann nach der Pause und erwischte den ansonsten ordentlich verteidigende Fritschi auf dem falschen Fuß: Der Balinger stach in eine scharfe Dahlke-Hereingabe – Eigentor in der 57. Minute. Kassel blieb überlegen, Bonianga brachte am langen Pfosten aber nicht genug Druck hinter den Ball (58.). Dann legte der Dauerläufer des KSV auf Sanchez ab, der das Leder aus wenigen Metern über das TSG-Tor zimmerte (62.). Und schließlich legte Dahlke im Sechzehner auf Lukas Rupp ab (65.), der ebenso vergab wie Sararer, gegen den erneut Potye eine Glanztat auspackte. Auch diese Top-Chance(n) vorbei. Und auch die hätte eigentlich im Balinger Kasten zappeln müssen.

Konter zum 2:1: Balingen schockt die „Löwen“ erneut

Stattdessen spielte sich die TSG in der 72. Minute auf der rechten Seite frei. Moutassime umkurvte KSV-Torwart Jonas-Janko Weyand und chippte den Ball zur Mitte, wo Kike nur noch den Kopf hinhalten musste – zum glücklichen 2:1 für die schwäbischen Gäste.

Später Ausgleich: Girth rettet Kassel einen Punkt

Hessen Kassel drückte weiter: Potye parierte nach einer Ecke abermals glänzend (76.). Dann rettete Marvin Jäger bei einem indirekten Freistoß im Fünf-Meter-Raum – aus der Mauer und auf der Linie (85.). So spät wie die Anreise ereilte die TSG schließlich doch noch der Ausgleich: Benjamin Girth köpfte in der 91. Minute zum 2:2 ein, das angesichts des Zeitpunkts glücklich, aber ob des Spielverlaufs für die „Löwen“ irgendwie auch ärgerlich war. Die Balinger indes, sie traten die lange Rückfahrt zufrieden an. Erneut mit dem Zug, versteht sich.

KSV Hessen Kassel – TSG Balingen 2:2 (0:1)

TSG Balingen: Potye – Deininger, Schmitz, Jäger, Fritschi (62. Inan), Kike, Colic, Pilic, Moutassime (75. Maier), Eroglu (87. Brändle), Birkic (75. Girmann).

Tore: 0:1 Pilic (30.), 1:1 Fritschi (57., Eigentor), 1:2 Kike (72.), 2:2 Girth (90.+1).

Schiedsrichter: Marvin Hoffmann (Mannheim).

Zuschauer: 1990.

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