Melanie Behringer im Gespräch
: „Frauenfußball ist langsamer, aber nicht weniger attraktiv“

Beim Talk des SC- Fanprojekts schildert Melanie Behringer ihren Werdegang als Profifußballerin.
Von
Christoph Schennen
Oberndorf
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Patrick Röttele (rechts) unterhielt sich am Dienstag mit Melanie Behringer.

Christoph Schennen

Aktuell trainiert die gebürtige Lörracherin die U19-Nationalmannschaft.

Melanie Behringer ist eine der erfolgreichsten Sportlerinnen des Landkreises Lörrach. Sie ist neben Jogi Löw der Sportstar des Oberen Wiesentals. Behringer hat im Fußball fast alles erreicht, was möglich ist: sie ist Weltmeisterin (2007), zweifache Europameisterin (2009 und 2013), Olympiasiegerin (2016), zweifache Deutsche Meisterin (2015 und 2016 mit Bayern München) und zweifache DFB-Pokalsiegerin (2011 und 2014 mit FFC Frankfurt). In der Reihe „11 Fragen an“ des Fanprojekts des SC Freiburg hat sie mit Moderator Patrick Röttele über die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland gesprochen.

Auf einem Flipchart sind elf Karten mit Namen von bekannten Fußballerinnen gepappt, hinter denen sich Fragen an Behringer befinden. Behringer hat ihre Karriere bei der Spielvereinigung Utzenfeld begonnen, wo sie bei den Jungen mitkickte und in einer Saison 66 Tore schoss. Dort ist ein kleiner Bolzplatz nach ihr benannt. Als sie mal nach einer Europameisterschaft bei einem Grümpelturnier zu Gast war, kam der Bürgermeister mit einem Leinentuch an, auf der ihr Name stand, erzählt sie am Dienstagabend.

"Ich stehe nicht unfassbar gerne im Mittelpunkt."

Das Stadion, das in 100 Meter Entfernung zu ihrem Elternhaus steht, hieß fortan nach ihr. Behringer freut sich über diese Ehre, aber sie sagt auch: „Ich stehe nicht unfassbar gerne im Mittelpunkt.“

Eine Frau meldet sich zu Wort, sie als Abwehrspielerin habe mit der Mittelfeldspielerin des FC Hausen, Melanie Behringer, schwer zu kämpfen gehabt. Bei einem Hallenturnier wurde Behringers Talent entdeckt und sie wechselte dann vom FC Hausen zum SC Freiburg, für den sie 97 Spiele in der Bundesliga absolvierte. Weitere Stationen waren Bayern München und der FFC Frankfurt.

Nach ihrem Karriereende als Spielerin begann die Trainerlaufbahn. Derzeit trainiert sie die U19-Nationalmannschaft. „Ich sichte Spiele, telefoniere mit Trainern und Spielerinnen und bin bei Trainertagungen oder in Online-Meetings“, sagt die 39-Jährige. Das Wichtigste für die Fußballerinnen sei, dass sie ihre Leidenschaft hauptberuflich ausüben könnten. Behringer spielte in einer Zeit, als der Frauenfußball noch nicht die mediale Aufmerksamkeit bekam wie heute, und entschied sich daher aus Sicherheit, eine Lehre als Bürokauffrau zu absolvieren.

Finanzielle Ungleichheit der Frauenmannschaften sei bedauerlich

Für junge Spielerinnen sei der SC Freiburg ein gutes Pflaster, „weil sie hier nicht so viel Druck haben wie bei den Bayern“, sagt Behringer. „Freiburg ist total schön und Bayern auch, Wolfsburg eher nicht so.“ Beim FCB sei die Atmosphäre sehr familiär gewesen.

Gefragt wurde sie auch nach der Attraktivität des Frauenfußballs. Behringer sagt: „Frauenfußball ist langsamer, aber nicht weniger attraktiv.“ Sie hält nichts davon, die Tore bei Frauenspielen zu verkleinern. Bei kleineren Toren „wäre ein Teil meiner Distanzschüsse nicht reingegangen.“

Die finanzielle Ungleichheit der Frauenmannschaften sei bedauerlich; dem Team SC Sand riet sie, sich mit dem KSC zusammenzutun. Die SGS Essen sei hingegen „nicht ganz so arm“. Zahlreiche Fußballfans stellten Fragen an die erfolgreiche Sportlerin. die noch in Freiburg wohnt und großer Fan des Spielstils von Xabi Alonso ist. Auch sie lasse gerne einen „offensiven Fußball mit schnellem Gegenpressen“ spielen.

Behringer fühlt sich aufgehoben beim DFB

Der Unterschied zwischen Jungen- und Mädchenteams sei, dass „Jungs“ Trainingsübungen absolvieren, weil sie es machen müssten, „Mädels“ wollen wissen, warum sie diese Übungen machen sollen. Sie trainiere „tolle Mädels“, die hochmotiviert an den Lehrgängen teilnähmen. Mit ihrem aktuellen Arbeitsplatz ist sie sehr zufrieden. „Ich bin gut aufgehoben beim DFB.“

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