Fußball in Weil am Rhein: Ridje Sprich schließt Rückkehr nicht aus

Ridje Sprich beendete im Sommer 2023 seine aktive Karriere beim SV Weil. Er verabschiedete sich mit 32 Toren aus 30 Partien sowie der Torjägerkanone.
Grant Hubbs (Archiv)Ridje Sprich gehörte jahrelang zu den prägenden Gesichtern des SV Weil. Im Sommer 2023 beendete der ehemalige Top-Stürmer im Alter von 30 Jahren seine aktive Karriere und schlug bewusst einen neuen Weg ein. Im Interview spricht Sprich über den Abschied vom Regiofußball, neue Aufgaben beim SC Freiburg und SV Weil sowie seinen emotionalsten Karrieremoment.
Herr Sprich, wie lebt es sich ohne den Regiofußball, ohne regelmäßige Trainings und Spiele?
Eigentlich wollte ich zunächst komplett Abstand vom Fußball gewinnen. Dann kam jedoch die Aufgabe beim SC Freiburg als Talentscout und Fördergruppentrainer für die talentiertesten Spieler zwischen zehn und 13 Jahren einzusteigen. Das hat hervorragend gepasst. Es ist wirklich schön, für den SC Freiburg tätig zu sein. Darüber hinaus bin ich beim SV Weil für den Leistungsbereich von der C- bis zur A-Jugend zuständig.
Der Karriereschluss kam für viele überraschend, zumal Sie körperlich und auch leistungstechnisch in Top-Verfassung waren. Wie kam es zu diesem Cut?
Für mich war es der perfekte Zeitpunkt aufzuhören. Ich könnte wahrscheinlich immer noch spielen, die ein oder andere Aktion würde mir sicher noch gelingen (lacht). Aber es hat sich genau richtig angefühlt. Ich bin ein Mensch, der weitergeht, wenn er keine Entwicklung mehr spürt. Nach rund 20 Jahren Fußball war ich an einem Punkt, an dem mir das aktive Spielen einfach nichts mehr gegeben hat. Ich wollte wieder mehr Zeit für mich haben, mehr Freizeit, mehr in den Tag leben. Der Fußball hat mir unglaublich viel gegeben, dafür bin ich sehr dankbar. Irgendwann habe ich aber gemerkt: Jetzt ist es gut.
Vermissen Sie das aktive Fußballerleben?
Nein, ich vermisse die Zeit nicht. Ich habe die Entscheidung bewusst getroffen und ziehe sie durch. An Grümpel- oder Hobbyturnieren habe ich aber weiterhin großen Spaß – das ist dann wirklich „just for fun“.
Das bedeutet, eine Rückkehr auf den Platz ist weiterhin komplett ausgeschlossen?
Ich sage niemals nie. Von der zweiten und dritten Mannschaft werde ich ab und zu gefragt. Über eine komplette Saison hinweg nochmal aktiv zu sein, kann ich mir aktuell aber nicht vorstellen. Arthur Renner (Leiter D-G-Jugend SV Weil) habe ich allerdings mein Wort gegeben, dass wir irgendwann gemeinsam mit Guido Perrone einmal für die dritte Mannschaft auflaufen.
Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Mitspielern vom SV Weil?
Ja, immer mal wieder. Mit Sandro Keller und Nemanja Radulovic habe ich regelmäßig Kontakt. Außerdem sehe ich viele Jungs, wenn ich bei der A- und B-Jugend aktiv am Geschehen beteiligt bin.
Seit einiger Zeit sind Sie im Nonnenholz wieder stark eingebunden – in der Jugendleitung des SV Weil.
Genau. Seit Juni 2024 bin ich für den Leistungsbereich von der C- bis zur A-Jugend zuständig. Ich bin sehr nah an den Spielern, kenne sie gut und sie kennen mich. Mir ist wichtig, nicht nur sportlich, sondern auch menschlich auf dem Platz präsent zu sein.
Zusätzlich haben Sie eine eigene Fußballschule ins Leben gerufen und sind auch für die „streetkickers“ aktiv.
Das hat sich alles ganz natürlich ergeben. Die Kinder haben angeregt, dass sie mehr trainieren möchten. Daraufhin habe ich Gruppen- und Einzeltrainings angeboten, und die Kinder sind von selbst gekommen. In den Ferien veranstalte ich vier Fußballcamps pro Jahr – auf dem Kunstrasen des SV Weil und in Kombination mit dem Verein. Bei den Lörracher Streetkickers leite ich aktuell zwei AG-Angebote pro Woche. Auch hier steht für die Schüler der Spaß am Fußball im Vordergrund.
Zum Abschluss: Was war Ihr emotionalster Moment als aktiver Spieler?
Das Relegationsspiel in Durbachtal. Alle haben immer nur den Fußballer Ridje gesehen. Als ich dort fünf Tore geschossen habe, kamen die Verantwortlichen des SV Weil, Perseus Knab und Gerhardt Schmidt, zu mir und sagten mir, wie sehr ich mich als Mensch entwickelt habe. Das war für mich viel emotionaler als jedes Tor, das ich erzielt habe.