Feldhockey-WM
: Winzerlehre in Schliengen trifft Weltbühne

Anthea Coetzee, Auszubildende im Weingut Büchin, wurde für die U21-WM im Feldhockey berufen.
Von
Hannes Brenneisen / Jens Iburg
Oberndorf
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Anthea Coetzee zeigt auf dem Platz und der Ausbildung stets vollen Einsatz.

zVg/Verein

Das Weingut Büchin in Schliengen freut sich ganz besonders, mit der Auszubildenden Anthea Coetzee aus Namibia nicht nur eine engagierte Fachkraft für den Weinbau auszubilden, sondern zugleich eine internationale Sportlerin zu fördern. Anthea wurde in die U21-Nationalmannschaft Namibias berufen und nimmt vom 1. bis 13. Dezember beim FIH Hockey Women’s Junior World Cup 2025 in Santiago de Chile teil.

Disziplin und Ausgeglichenheit sind der Schlüssel

Markus Büchin, Inhaber des Weinguts, beschreibt seine Ausbildungsphilosophie als „Learning by Doing“. Die Auszubildenden sollen Verantwortung übernehmen, Fehler machen dürfen und aus ihnen lernen. Anthea passe perfekt ins Team, sagt er: „Sie bringt eine unglaubliche Disziplin und Ausgeglichenheit mit. Vielleicht gab es am Anfang sprachliche Missverständnisse, aber ihre Motivation und ihr Wille, alles richtig zu machen, beeindrucken uns jeden Tag.“ Der Betrieb stellt sie für Trainingseinheiten und Spiele regelmäßig frei. Dass sowohl die Ausbildung als auch Coetzees Profiambitionen unter einen Hut passen, sei nur möglich, weil auch die Freiburger Edith-Stein-Schule flexibel mitzieht. Zudem hat das Weingut regionale Unterstützer aus dem „Adlerland“ gewonnen, die sich an den Reisekosten beteiligen. „Namibia ist kein reiches Land, die Sportler müssen einen Teil selbst zahlen. Umso schöner, dass hier im Markgräflerland sofort Hilfe kam“, so Büchin.

Anthea Coetzee selbst blickt auf einen ungewöhnlichen Weg zurück. Aufgewachsen auf einer Farm mit Rindern, Schafen und Pferden in Namibia, zog sie später nach Windhoek und fand früh zum Hockey. Seit ihrem sechsten Lebensjahr hält sie den Schläger in der Hand, mit 17 feierte sie ihr Debüt in der Nationalmannschaft.

Weinbau statt Tierarztpraxis

Eigentlich wollte sie Tierärztin werden. Doch ein Besuch bei Familienfreund Markus Büchin änderte alles. „Er hat gesagt: ‚Warum nicht Weinbau? Du bist in der Natur, du lernst was Neues.‘ Und es hat mir hier im Markgräflerland so gut gefallen, es ist jetzt mein zweites Zuhause“, erzählt die junge Namibierin. Ihr Alltag vor der WM ist streng getaktet. Arbeit im Weingut, Berufsschule, dazu tägliches Training. Cardio, Krafttraining, Pilates, Laufeinheiten und zusätzliche Technikeinheiten in Basel halten sie auf WM-Kurs. „Hockey ist mein Leben“, sagt sie. „Es war immer: Schule am Morgen, Hockey am Nachmittag.“

Im Weingut fiebert man mit: wir sind unheimlich stolz, eine Weltmeisterschaftsteilnehmerin im Betrieb zu haben“, sagt Markus Büchin. „Wir erleben jeden Tag ihren Einsatz. Sie hat hart dafür gekämpft.“ Er wünscht ihr vor allem, dass sie in der Mannschaft gut aufgenommen wird und die Zeit in Chile genießen kann. „Und natürlich den WM-Titel“, sagt er lachend.

Alle Augen blicken nach Santiago de Chile

Anthea zeigt sich tief dankbar für die Unterstützung: „Ich bin in einem fremden Land und noch neu hier. Dass die Menschen mich so unterstützen, als Mensch und als Sportlerin, bedeutet mir sehr viel.“

Für das Weingut Büchin ist sie längst mehr als „nur“ eine Auszubildende. „Alle haben sie sofort ins Herz geschlossen“, sagt Büchin. „Ihre Art ist einfach unglaublich sympathisch.“ Wenn Anthea Coetzee in Santiago de Chile ab Montag dann im namibischen Trikot aufläuft, schaut also nicht nur ihre Familie zur WM nach Südamerika, sondern auch ein Weingut aus dem Markgräflerland.

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