Deutsche Meisterin am Stufenbarren: Das imponierende Comeback der Turnerin Meolie Jauch

Meolie Jauch posiert mit ihrer Goldmedaille.
Hendrik Schmidt/dpaWas Turnerin Meolie Jauch mit Thomas Tuchel – einem der erfolgreichsten deutschen Fußballtrainer aller Zeiten – gemein hat? Auf den ersten Blick nicht viel, außer die Muttersprache deutsch. Doch es gibt Parallelen.
Werfen wir zunächst den Blick nach Dresden. Am Samstag turnt Jauch, die übrigens Verwandtschaft in Beffendorf hat und als kleines Kind einst beim Turnfest im Oberndorfer Stadtteil dabei war, 13,233 Punkte am Stufenbarren und wird damit Deutsche Meisterin. Eine beeindruckende Leistung, wenngleich auf diesem Niveau auch nicht ungewöhnlich. Viel außergewöhnlicher als der Triumph an sich, ist Jauchs Weg dorthin.
Im Dezember machte Jauch „Schluss“
Hier wären wir wieder bei Tuchel. 2012 hielt er beim „Executive Day“ – einer exklusive Veranstaltung, die hochrangige Entscheidungsträger aus verschiedenen Branchen zusammenbringt, um sich zu vernetzen, von Experten zu lernen und aktuelle Trends und Strategien zu diskutieren – einen fast schon legendären Vortrag zum Thema „Rulebreaker“ (deutsch: Regelbrecher). Tuchel hatte mit Mainz 05 überraschende Erfolge gefeiert, weil man viele Dinge anders als gewohnt gemacht hatte.
Hier wären wir nun bei Jauch. Die 18-Jährige erklärte im Dezember 2024 eigentlich ihren Rücktritt vom Leistungsturnen. In ihrem emotionalen Post auf Instagram hieß es unter anderem: „Ich höre auf meine innere Stimme und beende den Spitzensport. Nicht, weil ich nicht mehr kämpfen will, nicht, weil mein Körper nicht mehr kann – sondern, weil es mental nicht mehr geht.“ Ungewollt brachte diese Aussage auch den Stein des großen Missbrauchsskandal am Kunst-Turn-Forum Stuttgart ins Rollen. Doch darum soll es heute nicht gehen.
Jauch fand bei der Turnschule NeckarGym in Nürtingen wieder Spaß an der Sportart, wollte zunächst aber keine Wettkämpfe mehr turnen. Nachdem es in der 2. Bundesliga aber ziemlich gut lief, führte der Weg sie nach Dresden. „Meine Übungen liefen schon wieder ganz gut und ich kenne ja auch die Konkurrenz. Das ich sogar Gold gewonnen habe, bedeutet mir unglaublich viel“, so Jauch gegenüber unserer Redaktion.
Eine „Regelbrecherin“
Wichtig zu erwähnen: Während ihre Konkurrentinnen wie früher eine zweistellige Anzahl an Trainingseinheiten pro Woche absolvieren, ist Jauch mittlerweile drei Mal in der Woche in der Halle. Auch sie ist also gewissermaßen eine „Rulebreakerin“. „Ich mache in Summe sechs Mal die Woche Sport, gehe zum CrossFit und habe auch bei Ninja Warrior teilgenommen“, ist Jauch natürlich trotzdem fleißig.
Die „Freizeitsportlerin“
Aber das Turnen steht nicht mehr so im Vordergrund: „Ich bin Freizeitsportlerin, wenn ich mal eine Einheit nicht möchte, dann sage ich einfach ab. Mit 18 Jahren ist es an der Zeit selber zu entscheiden, was ich möchte. So viel Training ist gar nicht mehr nötig. Man könnte mich vermutlich nachts um 5 Uhr wecken und ich kriege meine Übungen hin.“ Ist ihr Triumph also eine Ohrfeige für das „System Turnen“? „Könnte man so sagen“, meint Jauch. Sie fügt aber hinzu: „Ich bin natürlich nur auf diesem Niveau, weil ich in jungen Jahren so viel trainiert habe. Die Grundlagen zu lernen ist sehr wichtig.“
Ebenso bemerkenswert: Jauch erholte sich erst Anfang des Jahres von einem 2024 erlittenen Kreuzbandriss. Sie sagt: „Viele vergessen meine Verletzung. Ich musste mich erst zurück kämpfen. Das ich nun schon wieder fast auf meinem WM-Niveau von 2023 bin, ist surreal.“ Mit diesem Adjektiv beschreibt sie auch fas bisherige Jahr 2025 in Summe. Sie spricht von einem „Spiel mit meinen Gefühlen“.
Feiern in Lloret de Mar
Durch die starke Leistung in Dresden wäre nun sogar eine Nominierung für die Weltmeisterschaft im Bereich des Möglichen. Hier will sich Jauch aber noch nicht all zu viele Gedanken machen. Nun stehen erst einmal sechs Tage Urlaub in Lloret de Mar an. „Das mache ich wie geplant und verändere gar nix. Ich war auch vor einem Wettkampf mit NeckarGym zehn Tage weg und habe meine Übung trotzdem gut geturnt.“
Für die Verantwortlichen in Nürtingen – unter anderem ist dort ihre Trainerin aus Kindertagen, Ghazal Seilsepour – hat sie nur lobende Worte. Viel trainiert sie auch mit Boris Finsterbusch. „Größten Respekt an das ganze Trainerteam, was sie da auf die Beine gestellt haben“, schwärmt Jauch.
Klare Berufswünsche
Später möchte sie einmal im Fernsehen arbeiten. Beim Podcast „Von Staub zu Gold“ ist sie schon Co-Host, präsentiert sich auch aktiv auf Social Media. Was Jauch noch wichtig ist zu sagen: „Die Veränderungen haben sich total positiv auf mein Leben ausgewirkt. Ich möchte auch anderen zeigen, was man erreichen kann, wenn man zurückschraubt und sein Leben genießt.“