55 Länder in vier Jahren
: Marc Tiburski aus Freudenstadt bereist die Welt auf dem Fahrrad

Seit vier Jahren ist Marc Tiburski mit dem Rad auf Weltreise. Aktuell radelt der 34-Jährige durch Mosambik – mit dem Ziel, rechtzeitig zur Rad-WM nach Ruanda zu gelangen.
Von
Christian Lenk
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Für Marc Tiburski ist die Reise noch nicht vorbei – aktuell fährt er in Mosambik und ist auf dem Weg nach Ruanda.

Marc Tiburski

Vier Jahre, 55 Länder und ein ungewisser Ausgang – Marc Tiburski ist seit dem 19. August 2021 auf einer Weltreise der besonderen Art: Der Freudenstädter reist nämlich nicht mit dem Van oder als Backpacker, sondern auf dem Fahrrad.

5165 Stunden auf dem Sattel

Schnell stellte sich heraus, dass die ursprünglich geplanten ein bis zwei Jahre nur ein grober Richtwert waren. Das Fernweh wurde immer größer, und mittlerweile hat der Radnomade 79 152 Kilometer mit 806 398 Höhenmetern zurückgelegt, 55 Länder bereist und in 1462 Tagen insgesamt 5165 Stunden im Sattel verbracht.

Seit rund eineinhalb Jahren reist Tiburski über den afrikanischen Kontinent. Nachdem er die Westküste von Nord nach Süd durchquert hatte, erreichte er zuletzt Südafrika, von wo aus er seine Route in östlicher Richtung fortsetzte. In Bloemfontein legte er einen fünftägigen Stopp ein, da seine Großtante Alma dort fast 50 Jahre lang in einer katholischen Mission, vor allem an der Schule, tätig war.

Im Winter durch Lesotho

Die Weiterreise erwies sich schwieriger als gedacht. Auf der Südhalbkugel wurde er vom Winter überrascht: Wochenlang fuhr er durch Höhenlagen über 1500 Meter, erlebte Schnee, Eis und Temperaturen bis minus fünf Grad.

Oft war morgens sogar das Trinkwasser gefroren. Zwar war Tiburski gut ausgerüstet, doch suchte er regelmäßig bei Farmern Unterkunft – die ihm stets hilfsbereit warme Schlafplätze und Unterstände boten. „Mein Timing war nicht das beste, im Winter nach Lesotho zu fahren“, schmunzelt er.

Dort herrschte strenger Winter, manche Wege waren ungeräumt und nur zu Fuß passierbar. Trotzdem überquerte er auch den 3274 Meter hohen Mahlasela-Pass, den höchsten seiner bisherigen Reise. Mittlerweile befindet er sich in Mosambik, wo er sich zunächst akklimatisieren musste. Das Land ist flacher, wodurch er wieder Etappen von über 180 Kilometern schafft.

Tiburski trifft auf Radsport-Präsidenten

Anders als das aufgeräumte Namibia oder Südafrika wirkt Mosambik chaotischer – so, wie es viele mit Afrika verbinden. Zufällig traf er hier João Paulo, Präsident des nationalen Radsportverbands, der ihn spontan zu einem Aufenthalt einlud. So konnte Tiburski auch die bekannten Strände des Landes erleben.

Sein nächstes großes Ziel ist die Rad-WM, die vom 21. bis 28. September erstmals auf afrikanischem Boden in Ruandas Hauptstadt Kigali stattfindet.

Ob er die rund 3800 Kilometer dorthin in fünf Wochen schafft, ist unklar – möglicherweise muss er ein Stück mit dem Fernbus zurücklegen.

Drei alltägliche Fragen an den Rad-Nomaden

Immer wieder wird er nach drei Dingen gefragt: Wie klappt die Verpflegung? „Meist koche ich Pasta auf dem Gaskocher. Oft bin ich zu müde für mehr, manchmal esse ich an Straßenständen eine Suppe mit Fleisch – Bushmeat –, aber ich frage lieber nicht, welches.“

Und wie geht er mit Einsamkeit um? „Mit Podcasts, Nachdenken, und manchmal motivierenden Selbstgesprächen.“

Und wie lange will er noch unterwegs sein? „Das weiß ich selbst nicht. Die letzten eineinhalb Jahre in Afrika waren anstrengend, vielleicht mache ich irgendwann eine Pause. Aber solange mich nichts nach Deutschland zurückzieht, ist mein Weg noch nicht zu“, blickt der Weltentdecker auf sein weiteres Abenteuer voraus.

Schwabo Powerplay
Freitag um 12.00 Uhr
Die sportlichen Highlights der Woche und die Top-Events für das Wochenende auf einen Blick.