Ausbildung und Karriere: Diese Jobs wird KI nicht ersetzen

KI und Cloud Computing sorgen dafür, dass Routinetätigkeiten zunehmend automatisiert werden. Eine Vielzahl von Bereichen ist von diesem Wandel betroffen.
picture alliance/dpa-tmn/Nico TapiaDie Arbeitswelt ist im Wandel: Noch nie sorgte technische Innovation für so viel Bewegung wie derzeit. Arbeitnehmer stehen vor einer schwierigen Entscheidung: Wohin entwickeln? Was ist ein „sicherer“ Beruf? Und gibt es den überhaupt noch? „Das kommt auch darauf an, wie man einen sicheren Beruf definiert“, sagt Tobias Maier vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.
Ein sicherer Beruf sei für manche eine unbefristete Festanstellung in einem Großkonzern. Für andere seien sichere Berufe etwa Jobs mit hoheitlichen Aufgaben, also etwa als Polizisten, Justizvollzugsbeamte, Lehrer oder als Soldaten.
Immer bereit für Neues im Leben sein
Aber egal, um was es geht: „Bei jedem Job ist ungewiss, ob es ihn mit dem gleichen Aufgabenprofil wie heute auch noch in 40 Jahren gibt“, so Maier. Das war aber auch schon immer so und ist nicht per se etwas Negatives. „Für Beschäftigte bedeutet dies, dass sie immer bereit sein müssen, sich mit Neuem auseinanderzusetzen“, sagt Britta Matthes vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Zum Beispiel mit KI.
Es gibt einige Kriterien, die einen Job zukunftsfähig machen. Dazu zähle, dass der Job ein langfristiges gesellschaftliches Grundbedürfnis erfüllt, so Maier. So werden gut ausgebildete Fachkräfte im Gesundheitsbereich immer benötigt. Auch das Baugewerbe oder die Gastronomie haben eine jahrtausendealte Tradition, die auf gesellschaftlichen Bedürfnissen basiert.
Ein weiteres Kriterium für einen Beruf mit Zukunftsaussicht: Der Job erfordert soziale Kompetenzen. Soziale Kompetenzen wie Empathie und emotionale Intelligenz bleiben gefragt – sie können nicht durch KI ersetzt werden. Solche sozialen Kompetenzen spielen laut BIBB-Experte Maier etwa in der Pflege, in der Erziehung oder im Personalwesen eine große Rolle.
Kreativität ist essenziell, um Wettbewerbsvorteile durch neue Ideen zu schaffen. „Auch das kann KI oftmals nicht leisten“, so Matthes. Kreativität ist ihr zufolge in sehr vielen Berufen relevant – nicht nur im Bereich Design, Marketing und Werbung sowie Medien und Entertainment. „Auch Berufe, in denen es um komplexe Problemlösungen geht, gelten als zukunftsfähig“, so Maier. Ein Beispiel für einen solchen Beruf ist etwa ein Job als Elektroniker, der ein Haus verkabelt. „KI-Tools können ihm helfen, die Lösung für ein komplexes Problem bei der Verkabelung zu finden“, so Matthes.
Auch ein Merkmal für einen zukunftsfähigen Beruf: Der Job lässt sich anpassen, aber nicht ersetzen. Der jeweilige Beruf entwickelt sich mit neuen Technologien weiter. „Hierbei ersetzt KI nicht den Menschen, sondern verändert Aufgaben und macht Prozesse effektiver“, sagt Matthes. Das betrifft etwa Tätigkeiten in der IT oder Verwaltung. Aktuell sorgen KI und Cloud Computing dafür, dass Routinetätigkeiten weiter automatisiert werden. „Gleichzeitig entstehen aber auch neue Tätigkeiten und dadurch auch neue Berufsbilder“, sagt Maier.
Als wenig anfällig für Automatisierungen gelten bislang: Bestatter, Ärzte, Therapeuten im Bereich psychische Gesundheit, Umwelttechniker, Sozialarbeiter und Handwerker, bei denen es auch auf persönliches Einfühlungsvermögen ankommt wie Orthopädie-Schuhmacher, Friseure oder Kosmetiker.
Es kommt nicht auf „die eine Entscheidung“ an
Warum sind lebenslanges Lernen und Weiterqualifizierung wichtiger als „die eine richtige Entscheidung“? „Der zunächst gewählte Beruf gibt häufig die Richtung vor, in welchem Berufsfeld man sich bewegen möchte“, sagt Maier. Aber niemand könne vorhersehen, wie sich die Dinge in dem einmal gewählten Job entwickeln werden. Daher sei es wichtig, auch nach der Ausbildung das Lernen kontinuierlich fortzusetzen und sich je nach den eigenen Interessen weiterzuqualifizieren. „Das erhöht die eigene Sicherheit, dass man Arbeit hat, und eröffnet zugleich neue Karrierechancen mit oft auch besseren Verdienstmöglichkeiten“, so Matthes.


