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: Mit dem Holzhandel kam einst der Wohlstand für den Ort

AnzeigeDie kleine Gemeinde im Enztal wurde im Jahr 1376 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort hat im Laufe der Jahrhunderte eine wechselhafte Geschichte durchlebt.
Von
Stephanie Krämer
Höfen an der Enz
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Aus einer der Sammlungen von Kurt Neuweiler oder Fritz Reisser stammt diese Ortsansicht.

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Chronik Gemeinde Höfen

Sechseinhalb Jahrhunderte ist es her, dass Höfen an der Enz erstmals urkundlich erwähnt wurde. Daher wird in diesem Jahr groß gefeiert. Was den Urkunden zufolge als kleine Hofstelle im Enztal vor 650 Jahren begann, hat sich über die Jahrhunderte zu einer lebendigen, inzwischen knapp 1.700 Einwohner zählenden Gemeinde im Landkreis Calw entwickelt. Bereits um das Jahr 1330 soll das erste Wohnhaus auf der heutigen Höfener Gemarkung entstanden sein, wenige Kilometer talabwärts des einstigen Mutterortes Calmbach – geschützt vor Hochwasser an einem sonnigen Flachhang der Enz. Um 1390 wird zudem erstmals eine Sägemühle erwähnt, die der Markgraf von Baden im Enztal betreiben ließ.

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Eigentliche Geburtsstunde ist das Jahr 1376

Zur eigentlichen Geburtsstunde wird aber das Jahr 1376: Am 13. Juni wandte sich Dokumenten zufolge der Abt des Klosters Hirsau brieflich an den Bischof von Speyer, weil die Pfarrer von Liebenzell und Hirsau für Taufen und Begräbnisse beschwerliche Wege über den Berg ins Enztal zurücklegen mussten. Er bat um die Vollmacht für den Kaplan in Wildbad und Calmbach, kirchliche Handlungen auch für die Bewohner „zue dem hofe“ vorzunehmen. Diesem Wunsch wurde am 26. Juli entsprochen. In der entsprechenden Urkunde taucht der Ort erstmals namentlich auf. Die dort lebenden Menschen waren laut Urkunde aber bereits seit längerer Zeit ansässig.

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Höfen wird zum Knotenpunkt der Flößerei

In den folgenden Jahren sind vier weitere Güter hinzugekommen, auch eine zweite Sägemühle entstand, und die Einwohnerzahl stieg. Die Lage an der Enz machte den Ort zu einem Knotenpunkt der Flößerei: Bau- und Schnittholz wurde flussabwärts verschifft – bis nach Heilbronn. Harte Zeiten gab es für den Ort im 16. und 17. Jahrhundert: Bauernunruhen, die Reformation und der Dreißigjährige Krieg trafen auch das kleine Enztaldorf. Hungersnöte, durchziehende schwedische Truppen und die dabei eingeschleppte Pest forderten Opfer. Allein 1635 sollen binnen eines halben Jahres 26 Menschen an der Pest gestorben sein. Bei Kriegsende 1648 gab es Dokumenten zufolge von den zuvor 16 Familien nur noch zwölf. Trotz der herben Verluste, die sie erlitten hatten, hielten viele Höfener ihrem Ort die Treue, neue Familien zogen zu – darunter Floßknechte und Holzhändler, die durch Fleiß und ihre Geschäftsbeziehungen bis nach Holland zu Wohlstand kamen. Sie begründeten teils auch bedeutende Unternehmerdynastien, wie die Familie Krauth. Kirchlich und verwaltungstechnisch war Höfen lange eng mit Calmbach verbunden. Erst im Jahr 1799 kam es zur Trennung von Gemeinde und dem sogenannten Filial. Von da an wurden die Höfener Kinder im eigenen Ort unterrichtet. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts folgte in der Zeit des Königreichs Württemberg die vollständige kommunale Eigenständigkeit als Schultheißerei im Oberamt Neuenbürg.

Auswanderungswelle wegen Hungersnot

Das 19. Jahrhundert war zugleich von einer Auswanderungswelle geprägt: Berichte über schnellen Wohlstand in Amerika veranlassten 1828 unter anderem eine achtköpfige Familie zur Auswanderung, 1854 folgte eine Gruppe von 20 Erwachsenen und 43 Kindern, nachdem mehrere schlechte Ernten in Folge eine Hungersnot ausgelöst hatten. Bis 1860 verließen rund 90 weitere Personen den Ort, teils mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde. Die Oberamtsbeschreibung von Neuenbürg beschrieb Höfen im Jahr 1860 dennoch als „ansehnliches Dorf“ mit rund 400 Einwohnern und 57 Häusern, dessen Wohlstand vor allem auf Holzflößerei und Holzfällerei beruhte.

Wirtschaftlicher Wandel durch Sägewerke

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts vollzog sich ein wirtschaftlicher Wandel: Der „Flößerkönig“ Philipp Krauth erkannte, dass Kunden zunehmend industriell gesägtes und per Bahn transportiertes Holz aus Bayern bevorzugten, und setzte fortan auf eigene, leistungsfähige Sägewerke – Grundlage für das spätere Rotenbachwerk, das um 1950 als eines der größten Sägewerke Württembergs galt. Der Wohlstand der Sägewerksbesitzer spiegelte sich auch im Ortsbild wider: 1894 wurde die neugotische evangelische Kirche nach Plänen des Ulmer Münsterbaumeisters August von Beyer errichtet, 1897 eine eigenständige Kirchengemeinde gegründet. Im Jahr 1907 wurde zudem ein neues Schulhaus errichtet.

Die Untere Sägemühle während ihrer aktiven Zeit.

Die Untere Sägemühle während ihrer aktiven Zeit.

Chronik Gemeinde Höfen

Bereits 1876 hatte sich eine Freiwillige Feuerwehr organisiert, 1926 gründete sich ein Sportverein, der nach kriegsbedingter Unterbrechung 1948 als VfL Höfen neu entstand. In den 1950er Jahren entstand zudem eine kleine katholische Kirche im Ort. Zunächst entstand in einem Schuppen einer ehemaligen Schreinerei eine kleine Kapelle für die „100-Seelen-Diaspora“ in Höfen. Mitte der 1950er Jahre wurde dann am gleichen Ort die St. Franziskuskirche errichtet. Im Zuge der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Höfen 1938 zum Landkreis Calw. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort Teil der Französischen Besatzungszone und des Landes Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Auszeichnung als Luftkurort

1970 wurde Höfen mit dem Prädikat „Luftkurort“ ausgezeichnet. Bei einer Bürgeranhörung 1972 votierten die Höfener mit 93,5 Prozent gegen einen Zusammenschluss mit Bad Wildbad und bewahrten so bis heute ihre Selbstständigkeit. Als Bürgermeister steht Heiko Stieringer seit dem Jahr 2018 an der Spitze der Gemeindeverwaltung, erst am 14. Juni war seine Wiederwahl für weitere acht Jahre. Wirtschaftlich hat sich der Schwerpunkt seit dem Rückgang der Holzverarbeitung verschoben: Heute prägt vor allem die Metallverarbeitung – insbesondere die Fertigung von Präzisionsteilen – das lokale Gewerbe. Von der einst blühenden Sägewerksindustrie zeugen nur noch alte Wehre an den ehemaligen Mühlenstandorten. Für die Freizeit und die Naherholung bietet die Gemeinde heute ein beheiztes Freibad, das von einem Verein betrieben wird, einen Campingplatz sowie ein dichtes Wander- und Radwegenetz. Neben der evangelischen Kirche sind vor allem die Flusspromenade entlang der Enz, das Rathaus sowie historische Gebäude wie das Haus Lustnau und die Villa Commerell sehenswert.

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