SB+SB+Architekt Werner Sobek zur Baukrise
: „Die Summe der architektonischen Grausamkeiten ist enorm“

Der Stuttgarter Architekt und Ingenieur Werner Sobek kritisiert die Vollkasko-Mentalität im kriselnden Bauwesen. Und er sagt, warum er auch keine Einfamilienhäuser entwirft.
Von
Nicole Golombek
Stuttgart
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  • Werner Sobek (71) kritisiert die deutsche Überregulierung: „Innovation wird quasi erdrosselt.“

    René Mueller Photographie
  • Das neue Stadtquartier P18 Prießnitzweg in Stuttgart-Bad Cannstatt ist ein Leuchtturmprojekt für ressourcenschonendes und energieeffizientes Bauen und auf Basis der Aktivhaus-Module von Werner Sobek entstanden

    Golombek
  • Es ist das größte bislang geplante Holzhausquartier Deutschlands aus der Hand eines einzelnen Investors. Die sechs Gebäude sind in Holz-Modul-Fertigbauweise gefertigt und verfügen über PVT-Kollektoren, die sowohl Strom als auch Wärme erzeugen. Abluft-Wärmepumpen dienen der zusätzlichen Wärmerückgewinnung. Das Quartier erzeugt mehr Energie als es verbraucht.

    Zooey Braun/Zooey Braun
  • Einfamilienhäuser hat der Architekt und Ingenieur Sobek auch geplant. Das viergeschossige Wohnhaus R128 in Stuttgart wurde im Jahr 2000 von Werner Sobek als vollkommen rezyklierbares, im Betrieb emissionsfreies Nullheizenergie-Gebäude entworfen. Das Haus ist modular aufgebaut und wegen des Zusammenbaus durch Steck- und Schraubverbindungen auf- und abbaubar, könnte also in den Ressourcenkreislauf zurückgeführt werden.

    Werner Sobek/Zoey Braun
  • Was ist innen, was ist außen? Der Architekt Werner Sobek in seinem Haus am Schreibtisch – die Verglasung ermöglicht ein Leben wie mitten in der Natur, aber eben hinter einer schützenden Hülle.

    Werner Sobek/Pasi Toiviainen, Helsinki
  • Werner Sobek entwarf auch für andere Bauherren ein gläsernes Zuhause. Das Einfamilienhaus D10 in der Nähe von Ulm erhielt 2013 eine Nominierung für den DAM-Preis für Architektur in Deutschland. Die Jury sah in dem „gradlinigen Minimalismus“ des Gebäudes „eine faszinierende Fortsetzung des Themas Mies’sches Glashaus. Gemeint ist das berühmte „Farnsworth House“ in Plano (USA) von Mies van der Rohe.

    Werner Sobek/Zooey Braun
  • Das Aktivhaus B10 stand für fünf Jahre auf einer ehemaligen Brachfläche der Weißenhofsiedlung Stuttgart im Bruckmannweg. Ein zukunftsweisendes Gebäude, das aufzeigte, wie innovative Materialien, Konstruktionen und Technologien unsere gebaute Umwelt nachhaltig verbessern können. Dank eines ausgeklügelten Energiekonzepts und einer selbstlernenden Gebäudesteuerung erzeugt es das Doppelte seines Energiebedarfs selbst und versorgte das Weißenhofmuseum mit Energie. Artikel, Interviews und Reportagen haben sich bereits mit dem Aktivhaus B10 von Werner Sobek beschäftigt, auch die „New York Times“.

    Zooey Braun/Zooey Braun
  • Das 14,70 Meter lange und 6,35 Meter breite Gebäude B10 wurde am 13.8.2019 mithilfe eines Krans auf einen Schwerlasttransporter gehoben und dann in zwei Etappen an seinen neuen Standort auf der Schwäbischen Alb gefahren.

    Werner Sobek/Zooey Braun
  • Tragwerkplanung aus dem Hause Werner Sobek für das Bahnprojekt Stuttgart 21, die Architektur stammt von Ingenhoven architects. Die Kelchstützen öffnen sich nach oben und werden durch filigrane Stahl-Glas-Konstruktionen, den Gitterschalen, abgedeckt. Durch ihre geschwungene Form reflektieren die Stützen das auf die helle Betonstruktur treffende Tageslicht dann weit in die Halle hinein. Als Ausführungszeit sind die Jahre 2014 bis 2025 geplant und. . .

    Werner Sobek/Achim Birnbaum Architektur Fotografie
  • . . . die ersten Lichtaugen sind auch schon fertig.

    LICHTGUT/Max Kovalenko
  • Werner Sobek gewann 2001 zusammen mit dem Architekturbüro UNStudio den Wettbewerb für die Planung des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart. Thomas Winterstetter war Projektleiter für die Tragwerksplanung des Museums und Partner der Werner Sobek AG. Nach einer Planungs- und Ausführungszeit von fünf Jahren öffnete das Museum pünktlich zur WM 2006 seine Türen und . . .

    Werner Sobek/Brigida González
  • . . . zählt bis heute zu den meistbesuchten Gebäuden Stuttgarts.

    Werner Sobek/Brigida González
  • Die städtebauliche Situation der Konrad-Adenauer-Straße (B 14) sollte kurzfristig bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und mit relativ niedrigen Kosten verbessert werden. Dazu entwickelte Werner Sobek ein Konzept zur teilweisen Überdeckelung der Bundesstraße auf der Höhe des Wilhelmspalais. Mithilfe der etwa 84 Meter langen und 24 Meter breiten Teilüberdeckelung konnten größere Bereiche der Straße geschlossen und begrünt werden.

    Werner Sobek/Manfred Storck, Stuttgart
  • Tragwerk- und Fassadenplanung kommt von Werner Sobek beim entstehenden Quartier Q20 im Neckar-Park Stuttgart-Bad Cannstatt. Im Zuge der Stadtquartiersentwicklung entsteht auf einer Fläche von 22 Hektar ein neues Wohn- und Gewerbegebiet. Architektur kommt vom Büro Caspar aus Köln, die Fassaden von „Cannion“ wollen begrünt werden.

    Werner Sobek/xoio GmbH/Berlin, Deutschland
  • Der Thyssen-Krupp-Testturm (TKT) in Rottweil wurde 2017 eröffnet. Ein Wahrzeichen weit über Rottweil hinaus: Geplant haben ihn Werner Sobek und Helmut Jahn. Das Gebäude zählt zu den höchsten in Deutschland. Nach dem Balthasar-Neumann-Preis und dem Deutschen Industriebaupreis hat das Projekt TKT den Deutschen Ingenieurbaupreis 2018 gewonnen.

    Werner Sobek/Rainer Viertlboeck
  • Die Turmröhre aus Beton hat eine Höhe von 232 Metern. Mit dem Bau des gläsernen letzten Stockwerks und dem Abschluss der Aufzugsschächte erreicht der Turm schließlich eine Höhe von 244 Metern. Die letzten beiden Meter bis zur finalen Höhe von 246 Metern folgten mit der Fertigstellung der Fassade.

    Werner Sobek/Rainer Viertlboeck
  • Zwei Stuttgarter Büros waren hier am Werk. Zum 70. Firmenjubiläum des Sportkonzerns adidas wurde das neue Hauptquartier in Herzogenaurach offiziell eröffnet. Die vom Architekturbüro Behnisch entworfene Firmenzentrale steht auf 67 V-Verbundstützen und wurde 12,5 m über dem Gelände aufgeständert. Werner Sobek hat für die Tragwerksplanung der Adidas-Arena den Ingenieurpreis des Deutschen Stahlbaus 2019 erhalten.

    Sobek
  • Noch eine produktive Zusammenarbeit. Helmut Jahn ist der Architekt des Bangkok Airports, der von 2001 bis 2006 gebaut wurde. Werner Sobek . plante Tragwerk und Fassade des neuen Flughafens in Bangkok, der zu den verkehrsreichsten Flughäfen Asiens gehört. Hierzu gehört das Lamellendach mit Abmessungen von 561 × 210 Meter, das auf 16 Stützen in einer Höhe von rund 40 Metern schwebt. Unter diesem Dach befindet sich das große, vollkommen verglaste Terminalgebäude.

    Werner Sobek/Rainer Viertlboeck
  • Für die Weltausstellung 2020 in Dubai entwickelte Werner Sobek innovative Verschattungsanlagen, die alle Länderpavillons auf dem Ausstellungsgelände miteinander verbinden. Diese Konstruktionen überspannen eine Fläche von rund 96 000 Quadratmetern.

    Werner Sobek/Andreas Keller, Altdorf
  • Das Neue Nationalmuseum in der Hauptstadt von Katar hat der Architekt Jean Nouvel aus Paris 2011–2014 geplant. 2019 war es fertig gebaut. Der Gebäudekomplex entwickelt mit einer Grundfläche von etwa 400 × 250 Meter hat eine Höhe von bis zu 40 Metern. Die komplizierten baubegleitenden Planungsprozesse, darunter Bauüberwachung, Schnittstellenmanagement der Gebäudehülle, 3-D-Detail- und Fertigungsplanung, wurden von Werner Sobeks Büro übernommen.

    Werner Sobek/Andreas Keller, Altdorf
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