Wildtiere bei Schopfheim: Luchs eingefangen und mit Sender ausgestattet

Jens Seeger (links) und Marco Roller von der FVA Baden-Württemberg haben bei Schopfheim einen Luchs eingefangen und versehen ihn mit einem Sender.
FVAAnschließend ist das Tier zurück in den Wald entlassen worden. Ein Autofahrer hatte bei Todtmoos am Donnerstagmorgen eine einzigartige Beobachtung gemacht: Aus dem Auto heraus sah er ein luchsähnliches Tier neben einem erbeuteten Reh an der Straßenböschung. Es gelang ihm, die Wildkatze zu fotografieren. Der zuständige Jagdpächter leitete die Aufnahmen an das Wildtierinstitut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg weiter, die Wissenschaftler konnten bestätigen, dass es sich tatsächlich um einen Luchs handelt.
Mitarbeiter der FVA untersuchten den gemeldeten Riss vor Ort, nahmen genetische Proben und starteten mit Unterstützung von Marco Roller, Veterinär des Zoos Karlsruhe, einen Fangversuch, der erfolgreich verlief. Dadurch stellten sie fest: Es handelt sich um einen anderthalb bis zweijährigen Luchskuder bei bester Gesundheit. Nach Untersuchung und Besenderung wurde das Tier vor Ort wieder freigelassen. Ob dieser Luchs schon einmal in Baden-Württemberg nachgewiesen wurde, wird aktuell noch geprüft.
In den kommenden zwei Jahren wird das Halsband Informationen liefern, die Rückschlüsse über die Lebensraumnutzung, Wanderbewegung und indirekt auch das Nahrungsspektrum des Tieres ermöglichen.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Gebiet, in dem der Luchs besendert wurde, sehr spannend: Tiere, die aus der Schweiz nach Baden-Württemberg einwandern, tauchen immer wieder in dieser Region auf. Dabei ist allerdings nicht klar, an welcher Stelle sie den Rhein oder größere Straßen überqueren.
Nur durch die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Jägern waren der Fangerfolg und die Besenderung des Luchskuders möglich. Die Namensgebung erfolgt durch den Landesjagdverband Baden-Württemberg, der die Patenschaft für besenderte Luchse im Land übernimmt.
Um das Luchsvorkommen im Land zu stärken, läuft das Projekt „Luchs Baden-Württemberg – Bestandsstützung der Luchsvorkommen in Baden-Württemberg und den angrenzenden Regionen“. Es ist ein Projekt der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg, dem WWF Deutschland und dem Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe. Es wird zudem durch die HIT-Umwelt- und Naturschutzstiftung sowie die Luchs-Initiative Baden Württemberg unterstützt. Auftraggeber ist das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.
Projekt Luchs
Die in Baden-Württemberg ausgewilderten Luchse stammen aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Karpatenluchse, das durch die European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) koordiniert wird. Das Projekt „Luchs Baden-Württemberg“ wird vom Experten-Netzwerk Linking Lynx begleitet, das sich mit der Erhaltung, dem Monitoring und dem Management des Karpatenluchses beschäftigt.
Ziel: Rückkehr der Luchse
Langfristiges Ziel ist es, eine lebensfähige Metapopulation des Karpatenluchses in Europa zu schaffen, welche sich von den Karpaten bis hin zum Jura, den Westalpen und dem Dinarischen Gebirge erstreckt. Die Besenderung von Luchsen und das Monitoring sind wichtige Bausteine, um die Rückkehr der Luchse wissenschaftlich zu begleiten.
Die FVA ist als Forschungseinrichtung der Landesforstverwaltung (LFV) dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) zugeordnet. Sie forscht über den Wald und die Waldnutzung in Baden-Württemberg und übernimmt eine Vielzahl von Aufgaben: Neben Forschung und Monitoring ist der Wissenstransfer ein Kern ihrer Arbeit. Die FVA hat ihren Hauptsitz in Freiburg und wird von Ulrich Schraml geleitet.