Vortrag in Schopfheim: Im Kreuzfeuer der „alternativen Fakten“

Zlatko Valentic bei seinem Vortrag im Stadtmuseum
zVg/Birgit AlthofFalschnachrichten gab es schon immer. Ihre kleinen Geschwister, die „alternativen Fakten“, sind hingegen noch jung: Nach der ersten Amtseinführung Trumps 2017 bezeichnete seine Beraterin Kellyanne Conway Falschangaben des Weißen Hauses über die Zuschauerzahlen kurzweg als „alternative facts“. Dieses Beispiel nahm Zlatko Valentic als Aufhänger für seinen Vortrag im voll besetzten Gewölbe des Stadtmuseums.
Eingeladen hatte der Förderverein Stadtmuseum Schopfheim (FöSS), die musikalische Untermalung übernahm die Flötistin Lailah Roos. Der Tag stand ganz im Zeichen der Demokratie: Am Nachmittag hatte Valentic bereits einen Workshop mit 50 S Schülern des Gymnasiums moderiert, das Thema: Demokratische Modelle seit dem Alten Griechenland.
Ausgehend von Methoden aus der philosophischen Hermeneutik stellte Valentic Prozesse dar, die Informationen in der öffentlichen politischen Kommunikation verändern. Er zeigte auf, wie Fakten sich im Mahlwerk der Politik verformen, was per se genommen schon immer so war. „Die eigentliche Neuerung unserer Zeit besteht in der Qualität. Es ist eine destruktive Irritation, die heute das Fundament gesellschaftlicher Veränderung angreift“, erklärte er. Auch hierfür lieferte er ein Beispiel aus Trumps Umkreis: sein ehemaliger Berater Steve Bannon hatte einst sinngemäß vorgeschlagen, die von ihm als „Feinde“ angesehenen Medien mit Fake-News förmlich zu überfluten. Durch gezielte Desinformation in sozialen Netzwerken mit ihrem Tempo und der dort stattfindenden Emotionalisierung nehme die Demokratie fatalen Schaden – weshalb heute Zuhören und Abwägen wichtiger seien denn je, so Valentic sinngemäß, bevor er Raum für Diskussionen eröffnete.
„Meinen Sie nicht, dass junge Leute frustriert sind, wenn undemokratische Politiker demokratisch legitimiert werden?“, fragte ein junger Mann aus Lörrach, der mit seiner Partnerin, einer Medienwissenschaftlerin, gekommen war. Andere Fragen bezogen sich auf den Spielraum Deutschlands und Europas angesichts des wachsenden Drucks der USA.
Eine Zuhörerin beklagte die Spaltung der Gesellschaft seit der Corona-Pandemie. Einfache Lösungen auf diese Fragen konnte Valentic nicht anbieten, aber einen guten Grundsatz: Im Gespräch bleiben – vertrauend auf die Kraft der gegenseitigen Verständigung.
Organisator und FöSS-Vorstandsmitglied Jürgen Fremd freute sich über die positive Resonanz, auch seitens der Lehrkräfte des Theodor-Heuss-Gymnasiums.