TSG Schopfheim
: Wie ein Bahnwärterhaus zum TSG Hüsli wurde

Die Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) Schopfheim feierte das 40-jährige Bestehen des Vereinsheims in der Wehrer Straße 7 mit einem gemütlichen Hock.
Von
red/pm
Schopfheim
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Das TSG-Hüsli

Moni Weber

Trotz des schlechten Wetters kamen viele Mitglieder mit ihren Familien. Draußen unter den Zeltdächern gab es Glühwein und Wurst, im Haus war eine Kaffeestube eingerichtet, die den ganzen Nachmittag über gut besucht war.

Charly Andris erzählt vom Umbau des TSG-Hüslis

Foto: Moni Weber

Karlheinz (Charly) Andris erinnert sich an die Zeit, als das Gebäude vom Verein übernommen wurde. Möglich war der Kauf, weil der Verein durch zahlreiche Feste eine größere Summe auf dem Konto hatte. Jahrzehntelang wurde der Hemdglunkiball durchgeführt, unvergessen sei auch der Familienabend, der Tanzabend und zahlreiche Turnfeste, die in Schopfheim für den Turngau organisiert wurden. Demgegenüber standen seinerzeit kaum Ausgaben. Als 1983 der damalige Vorsitzende Manfred Ehrhardt plötzlich sein erst kürzlich übernommenes Amt hinwarf, übernahm der Kassierer Hanspeter Maier, interimsmäßig auch wieder den Vorsitz, den er vorher zwei Jahre innehatte. 1984 fand man in Heinz Leuger jemand, der gemeinsam mit Charly Andris und Lothar Lutz den Verein zumindest ein Jahr weiterführen wollte. Aus dem einen Jahr wurden bei Heinz Leuger schließlich 13 Jahre, bei Charly Andris 15 Jahre und Lothar Lutz blieb weiter, bis er 2017 zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Von Heinz Leuger stammte dann auch die Idee, das ehemalige Bahnwärterhäuschen, das zum Verkauf stand, für den Verein umzubauen. Vorher wohnte darin der Bahnschrankenwärter Georg Vogel, der zudem auch Zinkenvogt des Sternenzinken war, mit Familie.

Aus der Idee des neuen Vorsitzenden wurde Wirklichkeit. Die TSG schloss am 25. Juli 1985 den Kaufvertrag mit der Bundesrepublik Deutschland ab und das Haus ging in das Eigentum des Vereins über. Von den Mitgliedern wurde das Projekt „wahnsinnig gut angenommen“ wie Charly Andris erzählt. Viele waren Handwerker und brachten ihr Wissen, Können und viel Arbeitszeit ein, so dass das Projekt ohne Zuschüsse umgesetzt werden konnte. Giuliano Risorgi, Abteilungsleiter Karate, übernahm die Bauleitung.

Wohnzimmer und Küche werden Vereinsraum

Aus der Küche und dem Wohnzimmer des Hauses im Erdgeschoss wurde der Vereinsraum mit Küchenzeile. Die Zwischenwand zwischen den beiden Räumen wurde abgerissen. Da dies aber eine tragende Wand war, musste ein Stahlträger eingezogen werden. Mit Muskelkraft mehrerer Männer wurde das schwere Metallteil eingesetzt, erzählt Andris „das vergesse ich im Leben nicht“. Die Arbeitsbereitschaft sei damals enorm groß gewesen. Man musste nicht darum betteln, dass jemand half. Da war jedem klar „da mues i helfe“.

Unter anderem wurde das Dach neu gedeckt, die alten Dachziegel wurden runtergeworfen, die neuen dann hoch zu den Helfern, die auf dem Dach standen. Es waren immer so 6 bis 10 Personen auf der Baustelle. Ernst Baier, langjähriger Vorsitzender bis 1974, war jeden Tag da und schrieb alle Stunden von jedem Helfer auf.

Charly Andris hatte als Fliesenleger auch Kenntnis von Gipser- und Maurerarbeiten und so war er es, der zusammen mit Walter Bernauer aus dem Bad der Familie Vogel zwei getrennte Toilettenräume mauerte. Im Obergeschoss wurde ein Büroraum eingerichtet und Platz für die zahlreichen Vereinsutensilien geschaffen. Am 25. und 26. Oktober 1986 wurde das Haus mit einem Fest eingeweiht. Die drei Helfer mit den meisten geleisteten Stunden wurden besonders geehrt, darunter auch Charly Andris und Walter Bernauer.

Hüsli ist das Herzstück des Vereins

Das Hüsli entwickelte sich schnell zum Herzstück des Vereins. Am 5. Juni 2009 wurde das Haus anlässlich des 100. Geburtstags nach dem Ehrenvorsitzenden Ernst Baier zum Ernst-Baier-Haus umbenannt. Der Designer Hans-Theo Baumann entwarf dafür eine Gedenktafel, die zu diesem Anlass feierlich enthüllt wurde. 2021 wurde das Hüsli noch mal saniert und renoviert, so dass es jetzt wieder ein Schmuckstück ist. In diesem Jahr wurde die Einfriedung des Ernst-Baier-Hauses in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbahn erneuert, wodurch das Vereinsheim weiterhin sicher und gepflegt erhalten bleibt und von allen Seiten gut sichtbar ist.

Vereinsheim feiert das 40-Jährige

Mit dem Fest zum 40-jährigen Jubiläum des Vereinsheims wollte der amtierende Vorstand das Haus noch mal in Erinnerung bringen „viele waren nie hier drin“, so Vorsitzender Valentin Ljubic. „Wir wollten die Tür öffnen und frischen Wind reinbringen.“ Kassierer Marwin Kriese fügt hinzu, „außerdem sollte das die Generalprobe für die großen Festlichkeiten im nächsten Jahr zum 180-jährigen Vereinsjubiläum sein“. Das 175-jährige Jubiläum konnte wegen der Corona-Einschränkungen nicht gefeiert werden.

Für die TSG hat das Ernst-Baier-Haus auch heute eine zentrale Bedeutung. Bis heute finden in den Räumlichkeiten Sitzungen, Abteilungsversammlungen, Feste und Begegnungen statt. Es ist der Ort, an dem Entscheidungen vorbereitet werden und neue Mitglieder erstmals Vereinsluft schnuppern. Viele Aktivitäten werden inzwischen dezentral organisiert, dennoch bleibt das Haus ein gemeinsamer Mittelpunkt, der Identität stiftet und die unterschiedlichen Sportarten zusammenführt. Gerade in einer Zeit, in der Vereine um Engagement und Nachwuchs werben müssen, bietet das Hüsli einen festen Raum der Gemeinschaft.

Einmal im Monat – wie am kommenden Samstag – ist es auch Anlaufstelle für alle Schopfheimer, wenn wieder Altpapier angenommen wird, dessen Erlös der Vereinsarbeit zugutekommt.