Sonntagstreff in Langenau
: Was tun gegen Enkeltrick und Einbrecher?

Die evangelische Kirchengemeinde in Schopfheim hat in Zusammenarbeit mit der Ortsverwaltung Langenau zum Sonntagstreff eingeladen.
Von
Gudrun Gehr
Schopfheim
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Die Experten Michael Schmidt und Sandra Grässlin informierten die Gäste des Sonntagstreffs.

Gudrun Gehr

Hierzu war das Präventiv-Team des Polizeireviers Schopfheim mit Führungsgruppenleiter Michael Schmidt und Sandra Grässlin vom Referat Prävention der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle als Referenten gekommen.

Rund 80 Gäste waren der Einladung gefolgt. Das Gastgeber-Team um Jeanette Ritter und Armin Graf freuten sich über die große Anzahl der Gäste und stellten bei ihrer Begrüßung fest, dass wohl mit dem Referat ein Nerv der Bürger getroffen wurde.

Den rund anderthalbstündigen Vortrag gestaltete Michael Schmidt, der sich zu Statistikfragen und zu Anrufstraftaten wie dem sogenannten „Enkeltrick“ äußerte. Sandra Grässlin hingegen berichtete über aktuelle Vorgehensweisen von Einbrechern und zur Einbruchs-Prävention mit mechanischen und elektronischen Sicherungsmaßnahmen.

Wohnungseinbrüche in Schopfheim angestiegen

Michael Schmidt stellte anhand der Einbruchs-Statistik fest, dass die Delikte in den Pandemie-Jahren extrem zurückgegangen waren. Seit 2017 ist laut Strafgesetzbuch der Wohnungseinbruchsdiebstahl ein Verbrechenstatbestand mit mindestens einem Jahr Haftandrohung. Für die Stadt Schopfheim mit Ortsteilen weist die Statistik im Jahr 2021 tatsächlich nur einen Wohnungseinbruch vor, 2022 waren es drei Wohnungseinbrüche, davon zwei Versuche. 2023 zählte man zwei Einbrüche, einer davon konnte aufgeklärt werden, 2024 gab es sieben Einbrüche, davon drei aufgeklärte Taten. Die Zahlen von 2025 liegen noch nicht vor. Bevorzugte Einbruchszeiten waren die dunklen Jahreszeiten von Oktober bis März, und tagsüber zwischen 16 und 21 Uhr. Schmidt sagte: „Genau in diesen Monaten intensivieren wir von der Polizei auch unsere Streifentätigkeit“. Ausdauernd sei kaum eine Täterschaft. Wenn es nicht innerhalb zwei bis drei Minuten gelingt, in das Haus oder die Wohnung einzudringen, würde häufig der Plan aufgegeben. Schmidt sagte: „Wenn Sicherungsmaßnahmen getroffen werden, wirkt sich dies zweifellos aus“. Er meinte: „Ein gekipptes Fenster ist für Einbrecher eine Einladung“. Freundlich für die Täterschaft sei auch der gesteckte Schlüssel im Fenstergriff

Lieber einmal zu viel die Polizei rufen

Die 46-jährige Polizeihauptkommissarin Sandra Grässlin ist für die Präventionsarbeit im Landkreis Lörrach zuständig. Die erste und wichtigste Präventionsmaßnahme ist das sicherheitsbewusste Verhalten der Bürger.

Kontraproduktiv sind einfach zugängliche Leitern nahe des Hauses, oder das klassische „Schlüsselversteck“ unter dem Blumenkasten oder dem Eingangsteppich. Auch eine zweifach verschlossene Wohnungstüre würde mehr Zeit- und Arbeitsaufwand für die Täter bedeuten. Weiter sei ein aufmerksames Verhalten in der Nachbarschaft wichtig, gerade im kleinen Ortsteil Langenau, wo oftmals jeder jeden kennen würde. Grässlin sagte: „Rufen Sie im Zweifelsfall die Notrufnummer, die Polizei kommt lieber einmal mehr“. Sie riet: „Achten Sie einfach ein bisschen auf ihren Nachbarn“. Sehr wirksam sei auch die Sicherheitstechnik rund ums Haus oder um die Wohnung.

Die psychischen Folgen eines tatsächlichen Einbruches oft gravierend. Bevorzugte Einstiegsstellen findet man oft im Erdgeschoß oder im ersten Obergeschoß auf Balkonen.

Es sei eine Vielfalt von mechanischen Sicherungsmöglichkeiten vorhanden, darunter Pilzkopfbeschläge, Sicherheits-Schließstücke oder Aufschraubsicherungen. Nachrüstungen von Fachfirmen mit Schließblechen, Riegeln, Bügeln, Schutzbeschlägen oder Gittern seien möglich.

Die Referentin zeigte ein Video vor, das einen Fachmann bei seinem Versuch der gewaltsamen Öffnung eines gesicherten Fensters zeigte. Nach mehr als zehn Minuten mit Aufhebeln und Verkeilen hatte dieser, außer schwitzen, immer noch keinen Erfolg erzielt. Der Fensterrahmen war zwar zerbeult, aber nicht geöffnet.

Alleine die von außen erkennbare Sicherungstechnik würden Täter oftmals abschrecken.

Sandra Grässlin riet, im Falle eines „Super-Gau“ während eines Einbruches bei Anwesenheit des Opfers den Einbrecher nicht zu bedrängen.

„Enkeltrick“ zur Erzeugung von Panik

Michael Schmidt berichtete über Anrufstraftaten, wie dem sogenannten „Enkeltrick“. Das Ziel des Täters sei stets, das rationale Denken des Angerufenen durch Erzeugung von Panik auszuschalten. Wirksam für potenzielle Opfer sei stets, sich eine „Verschnaufpause“ zu verschaffen und dem Anrufer zu erklären, dass ein Rückruf erfolgt. Dies würde auch Zeit geben, nachzudenken und gegebenenfalls bei Dritten nachzufragen, riet Schmidt.

Infos: www.polizei-beratung.de und www.k-einbruch.de