Orgelnacht Schopfheim
: Wenn Orgeln und Klavier sich populär zeigen

Sommerfest der Kirchenmusik: Bei der 17. Schopfheimer Orgelnacht am Samstag war das fast wörtlich zu nehmen, denn die Konzerte konkurrierten mit Festen.
Von
Jürgen Scharf
Schopfheim
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An zwei Orgeln und einem Konzertflügel spielten (von links) Dieter Lämmlin, Andreas Mölder und Christoph Bogon beim Finale der Schopfheimer Orgelnacht.

Jürgen Scharf

Direkt vor der Kirchentür der Alten Kirche St. Michael gab es Stimmengewirr, Tellerklappern, Buden und gut gelaunte Leute auf Brauereibänken. Das Rettichfest war in vollem Gang, während drinnen hinter den dicken Kirchenmauern mehr Ruhe, Besinnung, Abkehr vom Alltag und innere Einkehr beim Vortrag von Dieter Lämmlin an den beiden historischen Orgeln der Kirche herrschte. Fast hätte man meinen können, dass die schottische Dudelsackmusik, die gegen Ende hereintönte, dazugehörte, als eine besondere Art der „Registrierung“.

Lämmlin, der an der Station eins bei diesem Orgelspaziergang durch drei Kirchen begann, empfahl sich wieder durch seine Entdeckerfreude und gut überlegte Programmgestaltung. So hat er diesmal mit Johann Caspar Ferdinand Fischers „Ariadne Musica“ einen wichtigen Beitrag zur Kirchenmusik zu Beginn des 18. Jahrhunderts vorgestellt – überdies hörenswert.

Lämmlin führt die 20 Präludien und Fugen durch alle Tonarten mit plastischer Artikulation, fantasievoll und nuancenreich vor Ohren. Die historische Stein-Orgel auf der Empore ist dafür ein angemessenes wohltönendes Klangmedium. Das Publikum, was hier schon recht zahlreich war, bekam mit diesem kontrapunktischen Meisterwerk in Kleinformen ein ganz besonderes barockes, selten gespieltes Schmankerl zu hören.

„Triumphal“ war der Einstand bei Station zwei, der katholischen Kirche St. Bernhard, wo der in Schopfheim und Lörrach tätige Hausorganist Andreas Mölder ein systematisch aufgebautes Programm präsentierte: mit zwei beifallheischenden Triumphmärschen als Klammerwerken, einmal von Guilmant, einmal von Dubois, spätromantisch-französischer Musik in kraftvoller, farbiger Darstellung. Der hierzulande unbekannte Komponist Jean-Nicolas Marrigues, Versailler Organist zur Zeit der Französischen Revolution, umkreiste dann mit zwei kurzen Duos als Satellit das Zentralgestirn Johann Sebastian Bach.

Die zweite Triosonate BWV 526 dieses barocken Fixsterns spielt Mölder bis auf den Grund durchschaubar mit Klarheit und Geschlossenheit. Jedes Stück hatte bei ihm eigenen anderen Charakter in Ausdruck und Temperament. Also ein insgesamt Mölder-typisches Repertoire mit bestechender Stabilität des Orgelspiels, wie aus einem Guss.

Abwechslungsreiche Orgelnacht

Diese Orgelnacht war also wieder sehr abwechslungsreich und die Zuhörer, die von einer Kirche zur anderen mitwanderten, an jeder Station gestärkt durch Speckbrot und Focaccia, waren sicher gespannt, was es in der Stadtkirche bei Kirchenmusikdirektor Christoph Bogon zu hören gab.

Dieser hatte eine Auswahl stilistisch nach Epochen, Vorbildern und Nachfolgern getroffen. Ausgewählt hatte er kleinere Stücke, einmal keinen „großen“ Bach, und Unbekannteres aus der Romantik. Doch wer ein so gewissenhafter und veritabler Organist wie Bogon ist, der gewinnt selbst kleineren Choralbearbeitungen von Buxtehude und Bach großes Format ab.

Feine Klangabstufungen

Überzeugend wie immer interpretiert er den Bach-Wiederentdecker Mendelssohn an der Emporenorgel, wo der den ganzen romantischen Block realisierte. Zu diesem gehörte der hochbegabte Liszt-Schüler Julius Reubke mit einem Trio und die orchestrale Fantasie und Fuge von Gustav Merkel.

Schön ausartikuliert war auch das spätromantische Gebet eines Richard Bartmuss. Und wie schon so oft machte man die Klangerfahrung, dass Bogon die einzelnen Stücke mit differenziertem Ton und feinen Klangabstufungen modelliert.

Abschlussstück als Überraschung

Das Abschlussstück mit allen drei Interpreten war eine besondere Überraschung. Bogon saß nicht an der Schuke-Orgel, sondern an einem kleinen Steinway-Flügel, der in den 1970er Jahren angeschafft und im Gemeindehaus für Proben genutzt wurde. Das Instrument konnte jetzt grundlegend restauriert werden und soll dauerhaft für konzertante Gelegenheiten in der Kirche bleiben.

Beim Finalstück, Gershwins berühmtem „Summertime“, wurden die beiden Orgeln zusammen mit dem Klavierklang fast schon zu populären Instrumenten. Der passende Ausklang zum sommerlichen Orgelfestival.