Naturbad Schopfheim: IG Sport- und Familienbad: „Fragen sind zwingend notwendig“

Die IG Sport- und Familienbad wünscht sich, dass in Schopfheim ein technisches Bad bleibt.
Werner MüllerEigentlich hätte es ganz einfach sein können, meint die Interessengemeinschaft (IG) Sport- und Familienbad Schopfheim: Man startet eine Bürgerbeteiligung, um herauszufinden, was die Nutzer und Bürger wollen und arbeitet ein Anforderungskonzept aus, lautet der Vorschlag der IG in ihrer Pressemitteilung. Anschließend würden Konzeptangebote eingeholt. Eine Machbarkeitsstudie und ein Vergabeverfahren würden folgen – fertig, heißt es weiter.
In Schopfheim sei es mit dem geplanten Naturbad aber anders gelaufen, denn alle Beteiligten seien vor vollendete Tatsachen gestellt worden, schreibt die IG in ihrer Mitteilung und fragt sich, wie man von etwas überzeugt sein kann, wenn keine technischen Fragen beantwortet werden könnten.
Mit Verwunderung und Unverständnis habe die IG auf die Gespräche mit der Stadt zur Planung des Naturbads reagiert. Die Stadt setze offenbar auf das Prinzip „Vertrauen und Hoffnung“, während in der Wirtschaft technische Risiken im Vorfeld durch unabhängige Analysen, Vergleiche und Alternativen bewertet würden. Drei Versuche habe die IG laut ihrer Mitteilung unternommen, um im gemeinsamen Gespräch mit fundierten Fragen zu Technik, Baugrundrisiken und Hygiene gehört zu werden – alle seien unbeantwortet geblieben. Die Fragen kämen „zu früh“, habe die Begründung gelautet.
So sei es also, dass man etwa die Beschaffenheit des Bodens, in einem Gebiet, in dem benachbarte Häuser in weißen Wannen errichtet werden müssen, erst zu einem späteren Zeitpunkt betrachte. Diese besonders dichte Betonbauweise werde eingesetzt, wenn drückendes Grundwasser oder eine hohe Feuchtebelastung zu erwarten sind. Dass die Stadt in einem Gebiet mit solchen Anforderungen an Neubauten bisher keine Baugrunduntersuchungen für das Naturbad gemacht habe, sei aus Sicht der IG ein grobes Versäumnis. Auch die geplante Erweiterung von 1500 auf 2100 Quadratmeter werde aktuell nicht auf Risiken im Baugrund geprüft.
Fragen ohne Antwort
Ebenso unbeantwortet bleibe in den Projektunterlagen die Frage, wie ein mehrschichtiger Neptun-Filter – ein zentrales Element zur biologischen Wasseraufbereitung – in einem potenziellen Hochwassergebiet dauerhaft funktionsfähig bleiben soll. Bei steigendem Grundwasser könne es zu Rückstau oder Funktionsausfällen kommen, laut der IG mit erheblichen hygienischen und technischen Folgen. Die Pufferfähigkeit des Wassers, ein zentraler Punkt für Wasserqualität und Stabilität, werde in den Unterlagen mit genau einem Wort erwähnt, heißt es weiter.
„Über den Preis schweigt man“
Die Wassertemperatur von 25 Grad stelle kein Problem dar, auch dank der täglichen Beimischung von etwa 180 Kubikmetern Frischwasser, um die Temperatur im Sommer konstant zu halten. „Über den ökologischen und ökonomischen Preis schweigt man, obwohl dies auch in die langfristige Kalkulation einfließen müsste“, heißt es.
Was die Projektunterlagen laut der IG ausführlich beschreiben, seien die gestalterischen Elemente. Die fachliche Tiefe zur Umsetzung fehle allerdings komplett, obwohl dies den entscheidenden Faktor darstellen sollte.
Kontrollierte Wasserqualität in technischen Bädern
In Deutschland gebe es rund 6000 technische Bäder, aber nur etwa 200 Naturbäder. Eine Tendenz, die für die IG darauf hindeute, dass sich technische Bäder über Jahrzehnte hinweg bewährt hätten. Sie böten eine kontrollierbare Wasserqualität, klare gesetzliche Rahmenbedingungen und eine stabile Betriebsweise, die weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen wie Witterung, Klima, Grundwasserverhältnissen oder Verschmutzungseinträgen funktionierten.
„Nicht irgendwann“
„Unsere Fragen sind keineswegs zu früh, sondern zwingend notwendig – und zwar vor der Umsetzung, ja sogar vor der Entscheidung“, schreibt die IG. Wer als Projektträger Millionen in die Hand nehme, müsse zentrale technische, bauliche, Wartungs-, Reinigungs- und Sicherheitsfragen sowie solche nach der Hygiene beantworten können – „nicht irgendwann, sondern zu Beginn“, heißt es weiter.
„Andernfalls droht genau das, was niemand will, dass ein Bad sprichwörtlich baden geht“, stellt die IG in ihrer Mitteilung fest.