Gewerbeakademie Schopfheim
: Kampf um Bildungseinrichtung geht weiter

Im Kampf für den Erhalt der Gewerbeakademie Schopfheim wendet sich Bürgermeister Dirk Harscher an die Handwerksbetriebe. Offener Brief der IG an die Handwerkskammer.
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red/pm
Schopfheim
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Die Gewerbeakademie in Schopfheim steht auf der Kippe.

Stadt Schopfheim/Marcus Krispin

„Jetzt ist die Zeit gekommen, aufzuwachen und gemeinsam für die Zukunft unseres Handwerks einzustehen“, schreibt Harscher an die Handwerksbetriebe in der Region.

Die drohende Schließung der Gewerbeakademie Schopfheim wäre eine Katastrophe für das Handwerk im Landkreis und im gesamten Wiesental. Es gehe nicht nur um ein Gebäude – es geht um die Ausbildung „unserer Fachkräfte, um Meisterkurse, Weiterbildung, Berufsorientierung und um die Zukunftsfähigkeit unserer Betriebe.“

Und weiter: „Wer glaubt, dass die Verlagerung der Ausbildung nach Freiburg eine gleichwertige Alternative ist, verkennt die Realität. Junge Auszubildende müssten künftig täglich stundenlange Fahrzeiten auf sich nehmen. Meister- und Weiterbildungskurse würden aus der Fläche verschwinden. Die Nähe zu den Betrieben und die persönliche Betreuung vor Ort gingen verloren.“

Es wurde viel in moderne Werkstätten investiert

Harscher: „Besonders unverständlich ist diese Entwicklung, weil die Gewerbeakademie über hervorragende Voraussetzungen verfügt. Erst vor rund zehn Jahren wurden 4,6 Millionen Euro in moderne Werkstätten, IT-Ausstattung und die technische Infrastruktur investiert. Das Gebäude verfügt über ein Internat und eine voll ausgestattete Großküche. Gleichzeitig liegen konkrete Konzepte auf dem Tisch, wie der Standort weiterentwickelt und wirtschaftlich gestärkt werden kann – beispielsweise durch Kooperationen mit der Agentur für Arbeit, zusätzliche Meister- und Abendkurse sowie eine Wiederbelebung der Kantine.“ Die Interessengemeinschaft für den Erhalt der Gewerbeakademie habe konstruktive Lösungen vorgelegt. Statt diese ernsthaft zu prüfen, seien wichtige Bedarfszahlen und Vorschläge aus der Region bislang weitgehend ignoriert worden.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass eine über Jahrzehnte gewachsene Bildungseinrichtung schleichend aufgegeben wird. Das Handwerk ist das Rückgrat unserer regionalen Wirtschaft. Ohne eine starke Ausbildungsinfrastruktur verlieren nicht nur die Handwerksbetriebe, sondern auch Industrie, Kommunen und die gesamte Region“, schreibt der Rathauschef und fordert die Betriebe auf, sich der Interessengemeinschaft anzuschließen, bevor im Herbst die endgültige Entscheidung fällt.

Vorschlagskatalog der Interessengemeinschaft

Die Interessengemeinschaft (IG) wendet sich in ihrem offenen Brief an den Präsidenten der Handwerkskammer Freiburg, Christof Burger, an Vizepräsident Friedrich Sacherer sowie Kreishandwerksmeister Martin Ranz. Darin verweist die IG auf den von ihr vorgelegten Vorschlagskatalog und bemängelt die lange Bearbeitungszeit von mehr als 90 Tagen. Zudem werde in der Antwort nicht auf die Inhalte des Katalogs eingegangen. „Unser Katalog enthält konkrete, namentlich belegte Nachfragebeiträge von Innungen, dem Job-Center, der Agentur für Arbeit und der Bauwirtschaft. Im gesamten beigefügten Themenpapier findet sich davon kein einziges Wort. Weder erwähnt, noch geprüft, noch entkräftet. Wir fragen daher direkt und öffentlich: Wann und auf welcher Grundlage wurden die von uns benannten Partner und deren Bedarfsmeldungen tatsächlich in die Prüfung einbezogen?“, heißt es im offenen Brief an die Handwerkskammer.

Unter anderem sei nicht auf die Bedarsfmeldungen eingegangen worden. So hat die Kraftfahrzeug-Innung 46 Kurstage pro Jahr zuzüglich Meisterkursen und Servicetechniker-Ausbildung gemeldet. Die SHK-Innung hat 50 strukturierte Kursmodule mit einem Umsatzpotenzial von bis zu 600 000 Euro pro Jahr benannt (bei 30 bis 35 Durchführungen pro Jahr und einer Raumauslastung von 70 bis 85 Prozent). Die Elektro-Innung hat einen Schulungsbedarf von rund 80 Tagen pro Jahr signalisiert.

Das JobCenter Lörrach habe 1575 Personen für Qualifizierungsmaßnahmen gemeldet (Quelle: Kreisrat Dr. Christian Renkert, Bürgermeister Gemeinde Schliengen, auf Basis von Job-Center-Daten). Die Agentur für Arbeit Lörrach (Jenniefer Schmucker, Geschäftsführung) habe bestätigt, dass Bildungsträger wie IFAS, BBV Lörrach, Internationaler Bund und DAA aktiv Schulungsräume in der Region suchen. Die Bauwirtschaft habe ein Kursportfolio von rund 80 Seminaren eingebracht und explizit signalisiert, ihre Fort- und Weiterbildungsangebote dauerhaft an der GA Schopfheim zu bündeln.

„Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung, die diese gesamte Nachfrageseite vollständig ausblendet, kann keine belastbare Entscheidungsgrundlage sein“, schreibt die IG in ihrem offenen Brief. Die IG erinnert daran, dass am 19. November 2016 hat die Handwerkskammer Freiburg unter ihrem damaligen Präsidenten Johannes Ullrich den Neubau und die Totalsanierung der Gewerbeakademie Schopfheim feierlich eingeweiht habe – eine Investition von 4,2 Millionen Euro, gefördert mit 30 Prozent durch das Land Baden-Württemberg und 45 Prozent durch den Bund.