Zwischen Tod und Hoffnung
: Das passiert an Ostern in Schwenningens Kirchen

Karfreitag steht für Tod – Ostern für Hoffnung. Wie setzen die Kirchen in Schwenningen die Botschaft um? Und welche persönliche Bedeutung hat das Fest für die Pfarrer?
Von
Mareike Kratt
Oberndorf
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In der katholischen Mariä Himmelfahrtskirche kann rund um Ostern eine Osterlandschaft mit detaillierten Szenen der Ostergeschichte erkundet werden. Hier finden auch einige Gottesdienste statt.

Mareike Kratt

Schon in der laufenden Karwoche laden die evangelische und katholische Gemeinden zu verschiedensten Gottesdienstformaten ein, um auf Ostern hinzusteuern und eine besondere Stimmung zu verbreiten.

Das Versöhnen

An Karfreitag etwa, dem eigentlichen Sterbetag Jesu, gestaltet Pfarrerin Britta Mann-Horváth den Abendmahlsgottesdienst in der Johanneskirche (10 Uhr) mit einer etwas anderen Ausrichtung: Denn diesmal, berichtet sie im Gespräch mit unserer Redaktion, soll das Thema Versöhnung im Mittelpunkt stehen – eine Versöhnung, die nicht nur mit und von Gott aus sein soll, sondern die auch in ganz vielen Bereichen Thema ist.

„Was hat es mit uns zu tun und bei uns bewirkt?“, soll da die Frage sein. So ist auch der Predigttext nicht an eine klassische Kreuzigungserzählung angelehnt, sondern soll vielmehr bereits einen positiven Blick auf die Folgen von Karfreitag lenken.

Dennoch findet es die Pfarrerin persönlich wichtig, dass die Themen rund um Tod und Trauer, denen man gerne aus dem Weg gehe, an Karfreitag ihren Platz finden – immer aber mit Blick auf die positive Osterbotschaft.

„Auf(er)stehen“

Eindrücklich wird es dann im Osternachtsgottesdienst (Ostersonntag, 5 Uhr, Johanneskirche), den Britta Mann-Horváth zusammen mit ihrem Team mit vielen persönlichen Gedanken und selbst geschriebenen Texten – bestehend aus einem dunklen Teil, der sich durch die Ostergeschichte allmählich in einen hellen Teil verwandelt – gestaltet.

„Auf(er)stehen“ ist da das Thema, bei dem sich die Akteure auch von der politischen Situation bewegen und inspirieren haben lassen, verrät die Pfarrerin. In diesem Zusammenhang soll es auch ums „Standhaft bleiben, wenn es schwierig und anstrengend wird“ gehen. Ein gemeinsames Frühstück rundet die Feier ab.

Bewusstes Wahrnehmen

Britta Mann-Horváth, die Ostern zum dritten Mal in der Schwenninger Gemeinde miterlebt, freut sich auf die Festgottesdienste, die Abschluss einer besonderen Zeit sind: Da war die intensive und schöne Vorbereitung der Osternacht zusammen mit ihrem Team, da war aber auch die Gelegenheit, alles ein bisschen bewusster wahrzunehmen und – sofern möglich – zudem auf das eine oder andere zu verzichten. „Es ist eine gute Übung, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.“

Das Verwandeln

Als Höhepunkt des Kirchenjahrs bezeichnet währenddessen Thomas Schmollinger, Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit Neckar-Baar, das Osterfest, das er erstmals in Schwenningen feiert. Mit Blick auf die unterschiedlichen Gottesdienste habe stets das Bild der Verwandlung vor Augen.

Wie jedes Jahr um Ostern ist in der evangelischen Pauluskirche der Ostergarten mit den bekannten Eglifiguren aufgestellt.

Foto: Mareike Kratt

Schon allein in der Natur – als Beispiel in Form von Osterglocken –, die allmählich zum Leben erwacht, gebe es jetzt genügend Auferstehungszeichen. „Der Tod ist nicht das Letzte“, betont der Pfarrer. „Wir bleiben nicht stehen, sondern dürfen das Leben feiern.“ Dennoch nehme er das Thema Tod selber in den Karfreitag mit hinein, könne eintauchen und sich getragen fühlen.

Das Leben

Die Botschaft: Auch in den schwierigsten Lebenslagen sind die Auferstehung und die Kraft Gottes zu spüren. Sowohl am Weihnachts- und Osterfest, also dem Geburts- und Sterbetag sowie der Auferstehung Jesus, stünden letztendlich „Licht und Leben“ im Mittelpunkt. „Leben und Glücklichsein verbindet uns alle, egal ob gläubig oder nicht-gläubig“, sagt Thomas Schmollinger. Dass die Kirchen zu diesen Festen stets voller sind als sonst, findet er gut.

Besonders freue er sich auf die Osternachtsfeier (Sonntag, 5 Uhr, St. Franziskus-Kirche) mit anschließendem Frühstück, das auf Wunsch mehrerer Familien erstmals wieder nach langer Zeit stattfindet. Hier soll gefeiert und gesungen werden – und, symbolisch, sogar auch ein bisschen getanzt, verrät der ausgebildete Klinik- und Gesundheits-Clown.

Kontakte knüpfen

Bei aller (Vor-)Freude weiß er: Auch in diesem Jahr stehen er und seine Pfarr-Kollegen in Sachen Osterbotschaft wieder vor der „extrem schwierigen Situation mit den Kriegen“. Die Gewalt müsse durchbrochen werden, lautet dabei Thomas Schmollingers Devise.

Wie? „Das Beste, was wir tun können: Persönliche Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen. Dann ist kein Platz mehr für Krieg.“

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