Wortstreit in Villingen
: Poetry Slam rockt das Theater

Ein Abend voller Emotion, Ironie und Impro-Action: Beim Dichterwettstreit deluxe im Theater am Turm zeigten Slammer, wie lebendig Sprache sein kann.
Von
Hubert Baumann
Oberndorf
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Freuen sich nach einem erfolgreichen Poetry-Slam-Abend (von links): Elias Raatz, Phil Stadelmann, Eberhard Kleinschmidt, Tonia Krupinski und Jenny Beilhar.

Hubert Baumann

Ein prall gefüllter Freitagabend im Theater am Turm: Der Poetry Slam von Dichterwettstreit deluxe brachte wieder literarische Wortkunst, Humor und jede Menge Applaus auf die Bühne. Gastgeber und Moderator Elias Raatz, seit Jahren eine feste Größe in der süddeutschen Slam-Szene und auch Verleger im Bereich Poetry Slam, führte mit Wortwitz und Charme durch das abwechslungsreiche Programm.

Bevor die eigentliche Wertung begann, brachte Comedian und Improvisationstalent Phil Stadelmann aus Hamburg das Publikum mit spontanen Einfällen und pointiertem Humor bereits zum Toben. Erst danach wurde es ernst: Fünf Freiwillige aus dem Publikum bildeten die Jury und bewerteten die Auftritte der Slammer auf einer Skala von 1 bis 10.

Von tief bewegend bis urkomisch

Die Runde eröffnete Tonia Krupinski aus Tübingen. Mit einem tief bewegenden Text über die Schrecken und Sinnlosigkeit des Krieges sorgte sie für Gänsehaut und erntete die höchste Wertung des Abends: 47 von 50 Punkten.

Ein Kontrast, aber ebenso eindrucksvoll, folgte mit dem zweiten Starter: Eberhard Kleinschmidt aus Braunschweig, 86 Jahre alt und als „ältester Poetry Slammer Deutschlands“ angekündigt. In seinem Text „Aufräumen“ reflektierte er mit Humor und Tiefgang über die Alltagsgegenstände, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln – und über das befreiende Gefühl, nicht nur den Keller, sondern auch das eigene Leben von Ballast zu befreien.

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Als dritte Poetin brachte Jenny Beilharz aus Alpirsbach einen Text auf die Bühne, der das Publikum mitten in die Realität sozialer Berufe führte. Ihre Botschaft: Diese Arbeit mag finanziell nicht reich machen, aber sie ist von unschätzbarem Wert fürs Leben. Mit einer guten Portion Ironie fasste sie zusammen: „Geld macht nicht glücklich – aber kein Geld macht auch nicht glücklich.“

Dann zeigen sie neue Facetten

Nach der Pause sorgte erneut Phil Stadelmann für beste Unterhaltung – diesmal mit einem Impro-Teil, bei dem er sogar Moderator Elias Raatz zu einer spontanen Hip-Hop-Einlage bewegte, was das Publikum begeistert feierte.

In der zweiten Runde brachten die Künstler neue Facetten auf die Bühne. Jenny Beilharz nahm mit einem augenzwinkernden Text die Unterschiede zwischen Schwaben und Badenern aufs Korn – worüber auch die anwesenden Badener herzlich lachen konnten. Eberhard Kleinschmidt schlug einen Bogen von eigenen Jugendsünden bis zu Max und Moritz und ließ das Publikum in Erinnerungen und Heiterkeit schwelgen.

Und Tonia Krupinski widmete sich schließlich dem Ursprung des Sprichworts „die Sau rauslassen“ – und erzählte mitreißend von einem Heidelberger Bauern und feierfreudigen Studenten.

Unter großem Applaus durfte Tonia Krupinski schließlich als Siegerin des Abends das süße Symbol des Abends entgegennehmen: ein Schokoladen-Herz aus Villingen, das ihr von Moderator Elias Raatz überreicht wurde.

In seinen emotionalen Schlussworten erinnerte Raatz daran, wie wichtig Kultur und ein gutes Miteinander gerade in einer Welt sind, die immer mehr ins Wanken gerät.

Ausblick aufs nächste Mal

Den nächsten Poetry Slam im Theater am Turm gibt es am 8. Mai 2026. Weitere Termine und Infos unter: www.dichterwettstreit-deluxe.de