Wohnraum schaffen in Bad Dürrheim: Wenig Aufwand kann viel bewirken

Mit einfachen Mitteln, wie hier einer Außentreppe, kann ein großes Einfamilienhaus in zwei separate Wohnungen aufgeteilt werden. Interessierte können sich an den Gemeindeverwaltungsverband (GVV) wenden.
Christa GnannEin Haus in mehrere Wohneinheiten aufzuteilen, ist in vielen Fällen kein Hexenwerk, davon ist Wolfgang Selbach überzeugt. Um das zu untermauern, hatte er viele Praxisbeispiel im Gepäck.
„Ein Erd- und ein Obergeschoss räumlich zu trennen, ist einfach“, so der Architekt aus dem Landkreis Ravensburg. Den Beweis gab es anhand von Skizzen. Eine neue Tür hier, ein Durchbruch dort und ein paar neue Wände, um ein geräumigeres Badezimmer zu formen, und schon seien aus einem älteren, großen Einfamilienhaus zwei separate Wohneinheiten entstanden - ohne Neubau, ohne neue Flächen zu versiegeln, ohne große Investition.
Der Ausbau des Badezimmers sei dabei der größte Kostenfaktor, so der Architekt. Ein Szenario, bei dem es nur Gewinner gibt. Durch eine Aufteilung von Wohnraum reduzieren sich Aufgaben und Kosten. Durch sozialen Kontakt können Bewohner im Alter nicht selten länger im gewohnten Zuhause leben.
Altersdurchmischter Wohnraum entsteht, der Wohnungsmarkt wird entlastet. Städte und Gemeinden profitieren von Nachverdichtung. Ortskerne verwaisen nicht und es müssen keine neuen Flächen versiegelt werden. Doch solche einfachen Maßnahmen, die Architekten sofort ins Auge stechen, sind für viele Hausbesitzer erst einmal schwer vorstellbar.
Genau an diesem Punkt setzt das Wohnraumprojekt „Aus Alt mach zwei“ an, das die Stadt Bad Dürrheim in Kooperation mit dem Umweltbüro des Gemeindeverwaltungsverbandes (GVV) Donaueschingen jetzt anbieten. Eigentümer können sich von erfahrenen Architekten unverbindlich Ideen und Maßnahmen für ihre Immobilien aufzeigen lassen.
Beratungen werden mit bis zu 400 Euro Prämie vom Land Baden-Württemberg unterstützt. Ein wichtiger Schritt, denn die Wohnungssituation hat sich in den letzten Jahren immer weiter zugespitzt, wie Wolfgang Selbach die Zuhörer informierte.
Steigende Zahl Single-Haushalte
Es gebe aktuell bis zu 40 Prozent Single-Haushalte, Tendenz steigend. Viele Wohnungen stünden leer oder seien untergenutzt, und die Wohnfläche, die pro Kopf zur Verfügung steht, nehme stetig zu. Aktueller Stand: knapp 50 Quadratmeter. „Weniger Platz ist kein Rückschritt“, ermutigte Selbach seine Zuhörer, „im Gegenteil.“
Im Anschluss zeigte Michael Weber vom Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (IfSR) auf, dass Eigentümer nach Erstberatungen auch weitere Fördertöpfe anzapfen können, um Umbaumaßnahmen zu finanzieren, so zum Beispiel die Wiedervermietungsprämie und der Wohnflächenbonus BW.
Wohnraumoffensive Baden-Württemberg
Beide Programme laufen im Rahmen der Wohnraumoffensive Baden-Württemberg. Für Eigentümer in den Ortsteilen sei zudem das Entwicklungsprogramm ländlicher Raum interessant, mit Fördersummen bei Eigennutzung von bis zu 150 000 Euro, wie Michael Weber in einem Beispiel vorrechnete. Auch bei energetischen Sanierungen gibt es Förderungen, zum Beispiel über die Bundesförderung für effiziente Gebäude.
Wer die Veranstaltung verpasst hat oder noch mehr Bedenkzeit benötigt, muss nicht auf die genannten Vorteile verzichten. Die Inanspruchnahme der Beratungsprämie für eine Erstberatung mit einem Architekten ist noch bis Ende 2026 abrufbar. Interessierte können sich auch jetzt noch an Jens Fröhlich vom GVV Umweltbüro wenden und Informationen anfordern, E-Mail: jens.froehlich@gvv-umweltbuero.de, Telefon: 0771/17 51 63 68. Weitere Informationen im Internet: www.gvv-umweltbuero.de/aus-alt-mach-zwei.
Architekt Wolfgang Selbach stammt aus Köln und lebt heute in der Gemeinde Bodnegg im Landkreis Ravensburg. Dort hat er vor einigen Jahren zusammen mit Gemeindemitarbeiterin Christa Gnann das Projekt „Aus Alt mach zwei“ zum Leben erweckt und umgesetzt.
Ein großer Erfolg: Es gab 72 Erstberatungen. Bis zum Ende des Projektes im Jahr 2024 hatten acht Eigentümer einen Umbau umgesetzt, neun planten diesen in naher Zukunft und 17 hatten sich das für die Zukunft vorgenommen. Wolfgang Selbach hatte selbst über 50 Eigentümer beraten.