Wasserversorgung von Villingen: So läuft die Sanierung von Quellen ab

Im Neuhäuslewald bei Villingen werden die Wieselsbachquellen saniert.
SVS41 Quellen gibt es in diesem Gebiet. In den kommenden Jahrzehnten werden sie nun nach und nach aufwendig saniert.
Man kann es nur als eine echte Meisterleistung bezeichnen, was unsere Vorfahren dort vor den Toren Villingens Großes vollbracht haben. Bereits 1805, so die ältesten Aufzeichnungen und Pläne im Archiv der Stadtwerke Villingen-Schwenningen (SVS), wurde damit begonnen, die Quellen im Wieselsbachtal zu erschließen.
Zuerst wurden nur vier erschlossen, nach und nach kamen mehr Quellen hinzu, so dass wir heute in diesem Gebiet 41 Quellschächte zählen können. Eine herausragende Leistung zu dieser Zeit, wie auch Maximilian Ebert aus der Abteilung Netzbetrieb der SVS neidlos zugibt. „Man muss ja auch bedenken, dass dort die Ingenieure weder auf GPS noch auf sonstige technische Hilfsmittel zurückgreifen konnten. Von Baggern und anderen Gerätschaften war man noch weit entfernt.“

41 Quellschächte gibt es im Wieselsbachtal bei Villingen.
Foto: SVSAber jede Menge Handwerkskunst, Know-how, das über viele Generationen weitergegeben wurde und Ingenieurskunst. Dies belegen eindrucksvoll die Pläne zur Erschließung der Quellen, heißt es in einer Mitteilung der SVS.
Natürliches Gefälle
„Aus dem Wieselsbachtal nach Villingen muss das Wasser an keiner einzigen Stelle mechanisch hochgepumpt werden, um Höhenmeter auszugleichen“, so Ebert. Das Wasser wird mit Hilfe des natürlichen Gefälles bis ins Städtle nach Villingen geleitet. In den Anfangsjahren noch in die vielen Trinkwasserbrunnen der Altstadt, vor rund 130 Jahren dann per Hausanschlüsse und Druck in die Häuser.
Akribisch genau sind die Pläne auch noch 220 Jahre später und nicht selten führt der Weg der heutigen Verantwortlichen bei der SVS in das Archiv, um wertvolle Details und Informationen zu bekommen.
SVS investiert
Wertvolle Informationen, die nun sehr wichtig sind. Denn bei der SVS hat man eine zukunftsweisende Entscheidung getroffen, die Quellen in den kommenden Jahren zu sanieren. Sukzessive werden jedes Jahr nun ein bis zwei Quellen aufwendig saniert, und die SVS investiert pro Quelle einen mittleren sechsstelligen Betrag.
„Auch dies ist ein weiterer Mosaikstein auf unserem Weg zur Grünen Null. Hierbei zählt für uns nicht nur die Investition in nachhaltige und klimaschonende Wärmeerzeugungs- oder Photovoltaikanlagen für Villingen-Schwenningen. Trinkwasser ist unser höchstes Gut, das wir haben und das gilt es zu schützen und zu erhalten. Daher ist die Quellsanierung im Bereich des Wieselsbachtals eine enorme Aufgabe, die wir aber gerne 2024 begonnen haben“, so SVS-Geschäftsführer Gregor Gülpen.
Spezialisten am Werk
Saniert werden die Quellen von der Firma Scharpf aus dem Allgäu, die sich genau darauf spezialisiert hat und gefragte Fachleute in diesem Bereich sind. Die SVS kann hier auf positive Erfahrungen zurückgreifen, denn die Scharpf GmbH hat schon vor einigen Jahren die sechs Quellen rund um Tannheim gemeinsam mit der SVS saniert. Dabei werden in einem anspruchsvollen Verfahren die Schächte von Grund auf erneuert und die Quellenfassungen und Leitungen modernisiert.
Bäume gefällt
Gemeinsam mit dem Landratsamt und dem Forstamt in Villingen-Schwenningen wurde das Projekt sorgfältig geplant. Auch einige Bäume, die in unmittelbarer Nähe zur Quelle gewachsen sind und wo sich das Wurzelwerk seinen Weg zum Wasser im Lauf der Jahre gesucht hat, mussten weichen, schreibt die SVS weiter.
Nicht nur, damit die schweren Baumaschinen die Quellen freilegen können, vielmehr haben sich auch die Richtlinien und Auflagen bei Quellen geändert. So ist klar festgelegt, dass es in einem gewissen Radius rund um die Quelle keinen Baumbewuchs geben darf. „Nur so wird gewährleistet, dass die Wurzeln die neuen Leitungen der Quellen im Wieselsbachtal nicht beschädigen“, informiert die SVS.
Mehrere Schritte
Einige Meter in die Tiefe wird dabei gegraben, um so den Quellursprung freizulegen. Danach gibt es mehrere Schritte bei der Quellsanierung. Zuerst wird eine spezielle Kiesschicht aufgetragen, die verhindert, dass das Wasser versickert.
Über den neuen Rohrleitungen wird zuerst eine Schicht Spezialbeton aufgebracht, der schließlich mit Ton verdichtet wird. „Damit kann das Quellwasser, das bereits durch mehrere Gesteinsschichten gefiltert wurde, vom Oberflächenwasser getrennt werden“, sagt Max Ebert über die Vorgehensweise.
Eine Quellsanierung erstreckt sich über mehrere Wochen, die Planungsarbeiten laufen bereits seit sehr vielen Monaten und sind der Grundstein für den Erfolg des Megaprojektes der SVS im Wieselsbachtal, so die SVS. „Das Erbe unserer Vorfahren wird dadurch nicht nur erhalten, für die SVS sind die Quellsanierung ein Herzensprojekt und eine wichtige Investition in unsere Trinkwasserversorgung von Morgen.“