Villingen-Schwenningen
: "Workaholic" genießt seine neue Insel

Porträt / "Jo" Müller ist ein Mann der Tat
Von
Birgit Heinig
Oberndorf
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Foto: Heinig

Schwarzwälder-Bote

Joachim Müller sitzt in seinem Büro mit der großen Glasfront und beobachtet ein Reh. Diese Momente genießt der Architekt besonders. Seit er sein Domizil in die "Junghansvilla" verlegt hat, fühlt er sich manchmal "wie auf einer Insel".

VS-Villingen. Mit seinen drei Architekten betreut der 54-Jährige derzeit rund 50 Projekte – vom Carport bis zur mehrstöckigen Industrieanlage – zwischen Ludwigsburg und dem Bodensee, und seine Wochenarbeitszeit beträgt nicht selten 70 Stunden. Der Vater zweier erwachsenen Töchter bezeichnet sich selbst als "Workaholic", denn es macht ihm nichts aus und eher Freude, dass er mit dem Erwerb des eindrucksvollen Gebäudes im Warenbachtal jetzt auch noch Hausmeister und Gärtner ist. "Man sagt mir nach, ich sei ein wenig verrückt", sagt er und lächelt.

Der gebürtige Villinger legte am Hoptbühl-Gymnasium sein Abitur ab, studierte Architektur, die ihn schon als Neuntklässler faszinierte und begann seine bislang ­erfolgreiche Arbeit im ehemaligen Büro "Döhring und Partner".

Seit 1996 firmiert er unter "Jo Müller Architekten", hatte sein Büro bisher in der Vöhrenbacher Straße und ist damit jetzt an den Warenbach gezogen. Seine "allumfassende" Arbeit begeistert ihn, weil man dabei "von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt" immer dabei sei und viele Menschen kennenlerne. Die Wohnbebauung am Warenburgplatz, der Bahnhof, die Stadtwerke, das Ärztehaus am Oberen Tor und das Mikroinstitut tragen seine Handschrift.

Aktuell beschäftigt er sich in Villingen mit der Entstehung des Wohn- und Geschäftshauses im Benediktinerring und der DRK-Kreisverwaltung am Klinikum. Architektur dürfe sich keiner Mode unterwerfen, sagt er. Ein Gebäude entstehe stets von innen heraus, nicht von außen. "Ich sehe einen Grundriss, ich sehe die Umgebung und im Geiste dann das, was dazu passt".

Fantasiereich und mit Charme, aber trotzdem kostengünstig zu bauen, das ist sein Credo. Gelernt hat er das während seines Studiums unter anderem bei Partnern des legendären Günter Behnisch. Die vom Architekten des Münchner Olympiageländes erbaute Goldenbühlschule – Müllers einstige Grundschule – steht heute unter Denkmalschutz.

Joachim Müller ist ein Mann der Tat. "Entscheidend ist im Leben, was man tut und nicht, was man sagt" – deshalb hat er die vielbegehrte Junghansvilla gekauft. Er will das ehrwürdige Gebäude und einstige Kinderkrankenhaus, in dem er als Dreijähriger selbst schon lag, ein neues Leben geben. Eine hochkarätige Kunstausstellung und Yoga-Workshops fanden hier schon statt, demnächst spielt hier das Villinger Sommertheater, und geplant ist eine Oldtimer-Ausstellung. Doch das sind alles Interimsveranstaltungen – der als Richter am Finanzgericht Baden-Württemberg, beratendes Mitglied des Technischen Ausschusses und Spartenleiter innerhalb des Gewerbeverbandes (GVO) tief im Ehrenamt verankerte ehemalige Schulsprecher geht derzeit mit vielen Überlegungen schwanger.

Von Kindertagesstätte bis zur Tagespflege für Senioren, von Seminarräumen, Steuer- und Rechtsanwaltsbüros bis zu Kreativwerkstätten und Manufakturen mitsamt einem Café reichen die Vermietungsoptionen. Zwei Jahre habe er sich Zeit für Entscheidungen gegeben, sagt Müller. Bis dahin schaut er noch weiter den Rehen zu.

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