Villingen-Schwenningen: Warenbachstüble liegt ihr am Herzen

Hat viel Freude an ihrer Arbeit im Warenbachstüble in der Villinger Südstadt: die neue Pächterin Barbara Ullrich.Foto: Zieglwalner
Schwarzwälder Bote"Ich bin richtig glücklich", stellt Barbara Ullrich fest und schaut mit einem Lächeln auf den Biergarten. Im Frühjahr hat sie das Warenbachstüble in Villingen übernommen und startet nach dem holprigen Beginn durch die Corona-Krise nun durch. Ob Ausflügler, Stammgäste oder Jahrgänger, sie alle schätzen das Gartenlokal.
VS-Villingen. Viele hatten sich im Frühjahr auf ein Wiedersehen mit Barbara Ullrich und ihrem Lebensgefährten gefreut, die beide in der Gastronomie-Szene der Region keine Unbekannten sind. Im Parkhotel in Villingen, im Hirschen in Mönchweiler und im Bistro des Edeka-Großmarktes haben sie bereits ihre Gäste bewirtet, bis sie aus gesundheitlichen Gründen einen Schlussstrich ziehen mussten und die Gastronomin in einem Lebensmittelmarkt eine neue Arbeit fand.
Doch ihr Herz hänge an den Gästen, erzählt sie, "der Kontakt zu den Menschen und die Gespräche haben mir gefehlt". Als sie erfuhr, dass der Verein der Kleingartenanlage Vorderer Warenbach einen neuen Pächter für seine Gaststätte suchte, schlug sie zu. Und los ging es mit den Vorbereitungen für die Wiedereröffnung im März. Schnell habe sich eine neue Brauerei aufgetan, die ihr bis heute immer wieder geholfen habe, sie habe die Einrichtung auf Vordermann gebracht und ein tolles Team an Bedienungen gefunden, schildert sie die ersten Wochen. Lebensmittelvorräte waren eingekauft, alles startklar für den Neuanfang. "Wir haben eine rauschende Eröffnung gefeiert", erinnert sich Barbara Ullrich – wenige Tage später gingen wegen des Lockdowns von heute auf morgen die Lichter aus.
Da drücke einen schon die Sorge um die Existenz, gibt sie zu, zumal die Versicherung bei einer Pandemie nicht einsprang. Geholfen habe ihr der Zusammenhalt unter den gerade erst eingestellten Mitarbeitern und der Zuspruch früherer Gäste und Kollegen, die ihr immer wieder Mut gemacht hätten. So machte sich Barbara Ullrich zum zweiten Mal daran, alles für den Neustart zu richten. Da hieß es, Wege zur Toilette mit Einbahnregelung auszuweisen, genügend Abstand im Biergarten und im Gastraum zu schaffen oder eine Desinfektionsstation am Eingang aufzubauen. Voll des Lobes ist sie da für die Unterstützung durch den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), "wir haben viel Material und Hinweise erhalten".
So sei alles gut gelöst samt der laminierten Speisekarten, um sie desinfizieren zu können. Beim Durchsetzen der Hygieneregeln versteht sie keinen Spaß und greift durch, wenn sich jemand über die Vorschriften hinwegsetzen will. "Aber 95 Prozent unserer Gäste ziehen mit", betont sie und ist froh, dass der Betrieb in die Gänge kommen konnte.
Schnell hätten sich auch die Gäste wieder eingefunden. Das Angebot auf der kleinen Speisekarte samt Vesper komme an, großen Wert lege sie auf hochwertige und regionale Lebensmittel von Produzenten aus der Umgebung, die das Küchenteam immer frisch zubereite, erklärt sie. Viele der Kräuter, die auf dem Teller landen, pflanzt sie beispielsweise in ihrem Garten in Mönchweiler an. Mit Wochen- oder Sonntagsgerichten sorgt sie für Abwechslung. Und immer wieder stellt sie die Speisekarte um: "Da befolge ich stets den Rat von Christian Rach", erzählt die Gastronomin. Denn als der Fernsehkoch das Parkhotel auf den Prüfstand stellte, habe er den Tipp parat gehabt, eine bewährte kleine Auswahl alle vier Wochen mit etwas Neuem zu ergänzen.
Und nicht nur mit anderen Gerichten überrascht sie die Gäste, sondern auch mit humorvoll gestalteten Speisekarten, die sie mit Zeichnungen und Cartoons versieht. "Es macht mir einfach Spaß, kleine Gags einzubauen", sagt Barbara Ullrich schmunzelnd. Überhaupt bereite ihr die Arbeit Freude. Über Umwege hatte die gelernte Buchhändlerin vor rund 20 Jahren zur Gastronomie und so zu ihrem Traumberuf gefunden. Schnell hatte sie sich in alle Aufgaben eingearbeitet und hat diese Leidenschaft bis heute nicht verloren. "Ich mache alles gerne, von der Küche über die Theke bis zum Bedienen", betont sie.
Schon früh morgens fängt ihr Arbeitstag an, wenn sie die Ware einkauft und dann mit ihrem Lebensgefährten alles für den Ansturm ab dem frühen Nachmittag vorbereitet. Und wenn die letzten Gäste gegangen sind, ist für sie noch lange nicht Feierabend, gilt es doch, aufzuräumen und zu putzen. So hat sie sich vorgenommen, an den zwei Ruhetagen in der Woche festzuhalten, um die restliche Zeit mit voller Energie für ihre Besucher dazusein. Gerade die Begegnung und der Umgang mit Menschen sind es, die für sie den Reiz an ihrer Arbeit ausmachen – mit den Gästen und ihren Mitarbeitern. Ihr stehe ein "super Team" an Bedienungen und Küchenhelfern zur Seite, unterstreicht die Wirtin. Ebenso überwältigt ist sie, dass viele Stammgäste ihr die Treue gehalten haben, ehemalige Kollegen im Warenbachtal vorbeischauen und die Gaststätte wieder ein Anlaufpunkt für die Südstadt ist.
Für Barbara Ullrich scheint sich das Warenbachstüble längst zu einer Herzensangelegenheit entwickelt zu haben – eine Entscheidung, die sie trotz der Anlaufschwierigkeiten in Corona-Zeiten noch keinen Tag bereut hat.