Villingen-Schwenningen
: Protest mit grünem Bollenhut

Bürger aus VS und Umgebung bei Menschenkette gegen Stuttgart 21
Von
Schwarzwälder-Bote
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Mit viel Phantasie zeigte die Villingerin Elisabeth Pflüger mit grünem Bollenhut bei der Großdemonstration in Stuttgart, dass auch aus dem Schwarzwald das Milliardenprojekt in der Landeshauptstadt nicht klaglos hingenommen wird. Foto: Trenkle

Schwarzwälder-Bote

Von Wolfgang Trenkle

Villingen-Schwenningen/ Stuttgart. 70 000 Menschen protestierten am Wochenende mit einer riesigen Menschenkette in Stuttgart gegen das Projekt Stuttgart 21. Auch rund ein Dutzend engagierte Bürger aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis waren darunter.

Der Bollenhut war tatsächlich aus dem Schwarzwald. Auch wenn die Bollen nicht rot, sondern absichtlich grün gestaltet waren. Immerhin stammten die Plastikkugeln sogar aus der Kugelbahn der Landesgartenschau in Villingen-Schwenningen. Kaum hatte ihn die Villingerin Elisabeth Pflüger aufgesetzt, wurde sie am Freitagabend im Zentrum der Landeshauptstadt fast im Sekundentakt angesprochen und kräftig gelobt für ihre fantasievolle Unterstützung des Protests gegen das Großprojekt. Auch ein Fernsehteam von RTL, ntv und VOX holte sie schnurstracks vor Mikrofon und Kamera.

Längst reicht der Protest gegen die Milliarden teure Tieferlegung des Bahnhofs weit über die Stuttgarter Bürgerschaft hinaus. "Stuttgart 21 hat auch große Auswirkungen auf uns im Süden", sagte Hermann Krafft, Vorsitzender des Regionalverbandes Schwarzwald-Baar-Heuberg des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und Vorsitzender des hiesigen VCD (Verkehrsclub Deutschland). "Das Geld, welches für das Großprojekt eingesetzt wird, fehlt spürbar in anderen Bahnprojekten, beispielsweise dem Regionalverkehr."

Krafft wie auch viele der Protestierenden sind nicht grundsätzlich für einen gänzlichen Erhalt aller bisherigen Strukturen – "Kopfbahnhof-21" ist hier das Motto. Auch hält der stellvertretende VCD-Landesvorsitzende die Schnellbahntrasse nach Ulm für richtig, "die kann man aber problemlos auch ohne die viele Jahre währende Umwandlung des Kopfbahnhofs in einen Durchgangsbahnhof verwirklichen."

Der Protest aus dem Schwarzwald wehrt sich auch gegen die mit der Absenkung des Bahnhofs unter die Erde einhergehende Halbierung der Bahnsteiganzahl. "Die Umsteigezeit für uns alle wird extrem verkürzt", erklärte Herman Krafft, "auch können im Kopfbahnhof bislang Züge aufeinander warten, dies wird mit Stuttgart 21 nicht mehr möglich sein."

Wie notwendig Investitionen in bisherige Bahnverbindungen sind, zeigte sich bestens am Freitag bei der Rückreise von der Protestkundgebung: Der letzte Zug mit Anbindung von Rottweil in die Doppelstadt fährt jeweils um 20.18 Uhr in Stuttgart los. Die Protestierenden blieben jedoch standhaft und fuhren mit dem Folgezug um 22.25 Uhr zurück. Ab Rottweil musste dann geplant das Taxi ran, eine Anbindung via Bahn nach Villingen-Schwenningen gibt es zu dieser Zeit keine mehr.

Das Schwarzwälder BAARometer
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.