Villingen-Schwenningen
: "Ich gehe mit einem guten Gewissen"

Wirtschaft: Gerhard Waldmann zieht beim GVO und in seinem Leuchtenbetrieb einen Schlussstrich / Kritisches Resümee
Von
Mareike Kratt
Oberndorf
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Gerhard Waldmann fühlt sich an seinem Schreibtisch im Industriegbiet Ost noch immer wohl. Foto: Kratt

Schwarzwälder Bote

Ende des Jahres geht in Schwenningen eine Ära zu Ende, und zwar in doppelter Hinsicht: Gerhard Waldmann tritt als Präsident des Gewerbeverbands Oberzentrum (GVO) ab und zieht sich als Geschäftsführer des gleichnamigen Leuchtenunternehmens zurück. Ein Rück- und Ausblick.

VS-Schwenningen. Eine Portion Wehmut sei gewiss mit dabei gewesen, erzählt Gerhard Waldmann, als er Ende November bei der GVO-Mitgliederversammlung von seinen Verbandskollegen so herzlich verabschiedet wurde. Zehn Jahre lang war Waldmann Präsident des Gewerbeverbands, den er 2009 mit einigen Schwenninger Mitstreitern ins Leben gerufen hatte.

"Nun ist es Zeit, den Stab weiterzureichen", sagt der Schwenninger, der im Oktober 70 Jahre alt geworden ist. Ein Nachfolger ist bereits gefunden: der Villinger Architekt Jo Müller, der seit neun Jahren im GVO an vorderer Front mitmischt. Dieser wurde von den Mitgliedern einstimmig gewählt. Er habe sich öfters mit Müller im Vorhinein unterhalten, erzählt Waldmann weiter. "Er ist ein Macher. Und während ich eher eine Verbindung zur Industrie habe, hat er sie zum Städtebau."

Im neuen Präsidenten sieht Waldmann zudem jemanden, der das, was er selber in den vergangenen zehn Jahren aufgebaut hat, adäquat weiterführen kann.

Doch was war und ist Gerhard Waldmann beim GVO eigentlich wichtig? "Im Vordergrund steht, dass wir eine Gemeinschaft bilden und zum Wohle von Villingen und Schwenningen beitragen", sagt er sofort. Der "Lückenschluss" zwischen beiden Stadtbezirken müsse dabei immer noch vorangetrieben werden.

Eine Gemeinschaft, die war der Gewerbeverband von Anfang an. Mit 20 Leuten – überwiegend Unternehmer – habe es vor zehn Jahren angefangen, erinnert sich der Ehrenpräsident, wenngleich auch mit einem ursprünglich anderen Ziel. Bekannterweise war Waldmann über die städtische Entscheidung der Kragen geplatzt, dass die Zufahrt zum Industriegebiet Ost in Schwenningen wegen einer Baustelle zeitweise nicht mehr passierbar sein sollte. Er sei einfach wütend über das "dreiste Verhalten" gewesen, konnte aber einige Mitstreiter zur Protestaktion gegen die Sperrung bewegen. Dies alles habe aber gezeigt, dass die Industrie sehr daran interessiert ist, sich mit der Verwaltung auf Augenhöhe zu begegnen und auszutauschen.

Doch bei den 20 Personen blieb es nicht lange: Die Werbung sei einfach gewesen, denn viele Firmen hätten sich in einer ähnlichen Situation befunden und sich dem Verein angeschlossen. "Irgendwo hatte jeder seine Geschichte zu erzählen und ein kleines Mosaiksteinchen zum großen Gebilde beigetragen", beschreibt Waldmann. Das große Gebilde, der Protest gegen die Maßnahmen der Verwaltung, sei im Laufe der Jahre dem einfachen Mitmachen bei einer guten Sache gewichen. "Wir sind da, um etwas zu tun und zu helfen, und nicht, um zu mosern", lautet Waldmanns Prämisse jetzt.

Doch nicht nur die Industrie nimmt einen großen Anteil im Verband ein, mittlerweile auch das Handwerk und der Handel. Den Zusammenschluss der Handelsvereine Villingen und Schwenningen sieht Waldmann dabei als Meilenstein in der Entwicklung an.

Heute besteht der GVO aus 400 Mitgliedern, die sich in verschiedenen Teams engagieren. Ein wichtiges Werkzeug der Zusammenarbeit seien Waldmanns Erachten nach die regelmäßig stattfindenden Netzwerktreffen bei und zwischen den Mitgliedern. So könnten sich die einzelnen Unternehmen besser kennenlernen, und das sei positiv für die Ausrichtung des Verbands.

Als wichtige Entwicklung sowohl für die Stadt als auch für den GVO empfindet der 70-Jährige den Oberbürgermeister-Wechsel. "Wir müssen jemanden an der Spitze haben, der den Willen der Bürger, Unternehmer und Gewerbetreibenden vorantreibt." Mit Jürgen Roth habe man einen OB gewählt, mit dem auch der GVO an einem Strang zieht. "Er nimmt uns ernst und fragt uns." Regelmäßige Treffen, unter anderem bei einer Klausurtagung, hätten schon stattgefunden und seien auch für die Zukunft geplant. "Es ist eine gute Basis, auf der aufgebaut werden kann."

Chancen sieht Gerhard Waldmann nicht nur in der Verwaltung, sondern auch in der Industrie. Besonders in Schwenningen habe man tolle mittelständische Unternehmen. "Da kann man in jeglicher Hinsicht etwas draus machen", sagt er auch im Hinblick auf den Handel und die Hochschulen. Auf einer Veranstaltung in Tuttlingen sei VS als "schlafender Riese" bezeichnet worden. "Jetzt gilt es endlich, den Riesen herauszulassen", sagt Waldmann und lacht. Er ist zuversichtlich, dass sich der Gewerbeverband auch in den kommenden Jahren in die richtige Richtung entwickeln wird. "Jetzt geht es in die nächste Phase."

Ein neuer Abschnitt beginnt auch im 1928 gegründeten Familienunternehmen Walmann Leuchten. Gerhard Waldmann wird als Geschäftsführer zurücktreten und die Geschicke in die Hände seines 34-jährigen Sohnes Christoph legen. Weiterhin in der Geschäftsführung bleiben Markus Wiedmann und Daniel Hug. In beratender Funktion wird Waldmann aber weiterhin als Verwaltungsrat und Beirat zur Verfügung stehen, verrät er.

32 Jahre war der Schwenninger Geschäftsführer des Leuchtenherstellers, hat nach eigenen Angaben den Familienbetrieb verdreifacht und zu einer gesetzten Firma gemacht. Heute arbeiten 1000 Mitarbeiter weltweit bei Waldmann Leuchten. Die Firma sei stets bekannt für Innovationen. So sei man derzeit dabei, "dummes Licht intelligent zu machen", berichtet Waldmann. Damit verbunden investiere man in neue digitale Produkte. "Das wird spannend und eine gute Sache." Und dies hätten bereits viele Dax-Firmen bestätigt. "Wir haben einen großen Vorsprung gegenüber anderen Firmen", kommentiert Waldmann.

Bei aller positiver Entwicklung und allem Optimismus: Er habe auch Rückschläge einstecken müssen, gibt Waldmann zu, unter anderem bei der Entlassung der rund 100 Mitarbeiter im September dieses Jahres. Die Entscheidung habe er sich nicht leicht gemacht, doch er habe die Notbremse ziehen müssen. Bekannterweise wurde die Geschäftseinheit der medizinischen Phototherapie aufgelöst. Die vom Gesetzgeber erhöhten Anforderungen bei Zulassungen für Medizingeräte machten eine Fortführung für ein mittelständisches Industrieunternehmen unwirtschaftlich. "Es hat mich aufgeregt, dass eine europäische Kommission mich dazu zwingt, zu entlassen."

Nachdenklich stimmen lässt sich der Geschäftsführer auch durch die Entwicklungen der Weltpolitik. "Viele Sachen liegen nicht in deiner Hand", kommentiert er auch im Hinblick auf mögliche Auswirkungen auf die Industriebranche. "Was die Kim Jong Uns und Putins machen, das ängstigt mich schon."

Dennoch: Dass der Leuchtenbetrieb weiterhin in Familienhand bleibt, macht den zweifachen Familienvater stolz. Auch seine Tochter ist im Unternehmen tätig, nämlich in der Personalabteilung. "Ich gehe mit einem guten Gewissen und einem sehr guten Gefühl für die Zukunft"­

GVO

Der Gewerbeverband Oberzentrum (GVO) wurde 2009 gegründet und ist mit mehr als 400 Mitgliedsunternehmen eines der größten regional aktiven Unternehmernetzwerke in Deutschland. Dahinter stehen mehr als 30% der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten aus Unternehmen im und um das Oberzentrum VS. Vom kleinen Handwerksbetrieb über Einzelhandel, Bank- und Dienstleistungswesen bis hin zu international operierenden Industrieunternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen ist alles vertreten. Geführt wird der GVO ab sofort vom Villinger Architekten Joachim Müller und einem zehnköpfigen, beigeordneten Vorstand.

Firma Waldmann

Das mittelständische Familienunternehmen wurde 1928 in Villingen-Schwenningen gegründet und wird heute als Herbert Waldmann GmbH & Co. KG in ab Januar 2020 von Christoph Waldmann inhabergeführt. Der Hersteller entwickelt und produziert hochwertige Leuchten für die Anwendungsbereiche Industrie, Büro, Pflege und Gesundheit sowie Systeme für die medizinische Phototherapie. Das Unternehmen hat weltweit rund 1000 Mitarbeiter.

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