Villingen-Schwenningen
: Glonki feiern Martini seit 1935

Heimatgeschichte: Nicht den Jecken abgeschaut
Von
Wolfgang Bräun
Oberndorf
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Einladung zu Martini 1937 von Kunst-, Dekorations- und Fasnet-Moler Karl-Friedrich Kaiser, der für alle Villinger Vereine arbeitete, die auf dessen volkstümlichen Werke zur Villinger Fastnacht nicht verzichten wollten. Repro: Bräun

Schwarzwälder-Bote

VS-Villingen. 11.11.1937 – die Glonki-Gilde ist gerade mal vier Jahre alt und lädt zur dritten "Martini-Feier" ein. Der prägnant-markante Termin wurde jedoch keineswegs den rheinischen Jecken und Karnevalisten abgeguckt, sondern geht, wie der Mitgründer und erste Glonki-Vatter, Architekt Gustav Baumann, damals schon feststellte, auf ältere Wurzeln zurück.

"Martini, stell‘ ihni" galt als urwüchsige Bauernregel und als "nüchterner Abschluss eines Landwirtschaftsjahres. Alte Überlieferungen also, die erst recht die junge Gilde der Glonki verpflichten sollte, sich der dankbaren Aufgabe zu widmen, solcherlei guten Gebräuchen wieder sprühendes Leben und neuzeitliche Gestalt zu verleihen".

Was inzwischen jeder Jung-Glonki über die Gilde seit 1933 wissen könnte und sollte, erschließt sich aus den beiden schweren Chronik-Bänden des früheren Gilde­meister Roland Hebsacker: "Thorheit zur rechten Zeit ist Weisheit" – zum Jubiläum "75 Jahre Glonki-Gilde" in 2008. Darin steht auch, was das Gründungsmitglied Joseph "Tscheb" Winter als "Griffel-Spitzer" im Glonki-Ehrenbuch über die erste Martini-Feier 1935 berichtet: "...nach der launigen Ansprache des sutrigen Gildemeisters (gemeint war Mitbegründender Hans "Sutepumper" Sutermeister) nahmen die Dinge ihren hemmungslosen Lauf. Eine Lachsalve jagte die nächste…". Mitternacht war längst vorüber, als man sich zwar ungern, aber mit der mutwilligen Überzeugung trennte.

Erhellend war aus der Martini-Rede des Ober-Glonki hervorgegangen, dass sich die Glonki der frühen Jahre mit einem genuschelt-raunenden "Rhabarber-Rhabarber" begrüßten, dem auch der Zusatz gefolgt sein soll: "de Deifel goht um! Rhabarber".

Das Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten erklärt, dass eine vielfache Wiederholung des Wortes beim Volkstheater das Gemurmel des Volkes ausdrücken will. Somit war für die Glonki der ersten Stunde der Zuruf zugleich die Verballhornung eines pseudo-beschwörenden Ausspruchs: "Rhabarber, Rhabarber, der Deifel goht um!". Das blieb bis heute das einfache "Rhabarber" und ein herzhaftes "Ahoi!".

Auch die Einladung zu Martini 1937 von Kunst-, Dekorations- und Fasnet-Moler Karl-Friedrich Kaiser gilt als Glonki-Unikat, auch wenn Kaiser für alle Villinger Vereine arbeitete.

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