Villingen-Schwenningen: Für Totschlag zehn Jahre hinter Gitter
Von Marc Eich
Villingen-Schwenningen /Palma de Mallorca. Die Geschworenen auf Mallorca haben ihn einstimmig des Totschlags für schuldig erklärt: Der 64-Jährige Axel H., der jahrelang in VS gelebt hat, muss für zehn Jahre ins Gefängnis.
Ortsrand eines VS-Stadtteils. Hier steht das Einfamilienhaus, in dem Axel H. gewohnt hat. Hier begann auch sein Schritt in die Selbstständigkeit. Der im Rheintal geborene EDV-Spezialist soll sein Handwerk in einem bekannten Villinger Industriebetrieb für die Automobilbranche gelernt haben. Im Dezember 1985 gründete er mit Gleichgesinnten eine Software-Firma. Große Unternehmen stiegen ein, unterstützten die Aktiengesellschaft – doch Misswirtschaft führte schließlich zum Bankrott.
Aus dem Umfeld des Mannes heißt es, er habe die Pleite genutzt hat, um sich aus seiner Wahlheimat abzusetzen. Der als Einzelkämpfer beschriebene Mann trennte sich von seiner Frau und lernte 2002 das adelige Ex-Model Gisela von Stein aus der Münchner Schickeria kennen. Zehn Jahre später ziehen die beiden, die vor allem dank des Geldes der Frau ein schillerndes Leben führen, auf die Insel. Sie wohnen in einem luxuriösen Anwesen in Canyamel. Auch geschäftlich sind sie Partner und betreiben ein Immobilienbüro.
Doch dieses scheinbar perfekte Leben findet im Sommer 2012 ein jähes Ende. Laut Angaben der Ermittler kommt es zu einem Streit – in dessen Verlauf der von seinen ehemaligen Bekannten als "unauffällig und freundlich" beschriebene H. zum Totschläger wird. Es geht jedoch nicht um Geld, sondern viel mehr um eine Affäre. Axel H. soll Gisela von Stein betrogen haben. Sie konfrontierte ihn mit einer Beweis-E-Mail, plötzlich Gerangel – dann schlägt der 64-Jährige offenbar im Affekt mit einer Nachttischlampe zu, bis die Adelige tot ist. Er vergräbt die Leiche auf dem gemeinsamen Grundstück, räumt Konten sowie Schließfächer leer und reist nach Asien. Die Tochter des Opfers schöpft Verdacht und alarmiert die Behörden. Axel H. wird im Oktober festgenommen – er führt die Beamten zu der Leiche, tischt aber eine erfundene Geschichte auf und leugnet die Tat.
Am Montag erscheint der ehemalige Doppelstädter schwarz gekleidet in Palma de Mallorca vor Gericht. Die ursprünglich geforderten 20 Jahre werden aufgrund des Geständnisses und bereits erfolgter Schadensersatzzahlungen an von Steins Tochter auf zehn Jahre halbiert.