Villingen-Schwenningen: Das Herz hüpft beim Zuhören

Bezirkskantor Roman Laub (links) dirigiert den Projektchor für das heute, Mittwoch, anlässlich Mariä Himmelfahrt gefeierte Patrozinium der Villinger Münstergemeinde. Fotos: Heinig
Schwarzwälder BoteWenn heute, Mittwoch, um 9.30 Uhr der Festgottesdienst zum Patrozinium des Villinger Münsters "Unserer Lieben Frau" gefeiert wird, dann ist auch ein Kirchenchor dabei. Ein besonderer, denn er setzt sich für diesen Anlass aus Sängern verschiedener Chöre zusammen.
VS-Villingen. Bezirkskantor Roman Laub hatte zuvor wieder zur "Abend-Sing-Woche" ins Münsterzentrum eingeladen. Das tut er, seit er 2013 in der Münstergemeinde die Nachfolge von Christian Schmitt antrat.
Diesmal wurde an vier gemeinsamen Chorabenden die "Johannismesse" von Joseph Haydn einstudiert. Gut 40 Sängerinnen und Sänger – alle mit Chorerfahrung – sind gekommen. Barbara Ratzinger, Irmgard Metzger und Christa Wantz singen sonst im St. Konrads-Kirchenchor, sind zum zweiten Mal dabei und nutzen die probenfreie Zeit, um bei Roman Laub mitzusingen. "Da sind schon tolle Sänger dabei", sagen die drei Damen und nicken einhellig in die gleiche Richtung.
Dort steht Alois Weinmann. Er setzt seinen beeindruckenden Bass sonst im Münster- und Fidelis-Gemeinschaftschor ein. 36 Jahre lang leitete er den Fidelischor sogar, der sich vor wenigen Jahren mit dem Münsterchor vermählte. Neben ihm steht sein Sangeskollege Josef Vogt, ein Tenor. Das Ehepaar Martin und Sabine Disch singen beide im Oratorienchor, er als Tenor, sie mit einer kraftvollen Alt-Stimme. Philipp Eschbach, der sonst den Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Villingen leitet, beweist mit der Teilnahme am Projektchor seine musikalische Vielseitigkeit.
Kurz vor dem Probenbeginn im Ewald-Huth-Saal des Münsterzentrums trudeln sie alle ein: die Sängerinnen und Sänger im Alter zwischen Mitte 20 und über 70 Jahren aus den bereits genannten Chören, aber auch aus der Capella Nova und sogar aus Furtwangen und Vöhrenbach. Singen können sie alle, jedoch das Zusammenspiel, die Chorhar monie, herzustellen, das sei die Herausforderung, weiß Alois Weinmann aus Erfahrung.
Dieser Herausforderung stellt sich Roman Laub. Der 44-Jährige ist der letzte, der zur Probe eilt, und er beginnt sofort. Es gilt, keine Zeit zu vergeuden, zwei Stunden Arbeit stehen auf dem Programm. Lediglich vier Probeabende sind angesetzt, nur eine davon mit Orchester, zudem ein fünftes Treffen und Einsingen kurz vor Beginn des Gottesdienstes. "Gloria in excelsis Deo" – der Kanon zur Lobpreisung Gottes ist der Einstieg. Doch wer denkt, danach wird auch weiterhin einfach "nur" gesungen, der irrt. Wie jeder gewissenhafte Sportler wärmen sich die Sänger erst einmal auf. "Ein bisschen Gymnastik, aber kein Sport", nennt es Laub.
Schultern und Hüften kreisen, das Gewicht wird von einem auf das andere Bein verlagert, die Nase "malt Seifenblasen" in die Luft, der Nacken bleibt entspannt und die Arme baumeln locker. Ein Kussmund folgt im schnellen Wechsel auf ein breites Grinsen, danach ein Summen "ganz ohne Druck". Jetzt ist der Körper bereit, denn "Singen ist wie Fußballspielen", sagt Roman Laub, "etwas körperlich Ganzheitliches".
Die Freude am Singen soll seinen Sängern im Gesicht geschrieben stehen, wünscht er sich. Damit das auch die Besucher sehen, die heute im wahrscheinlich gut gefüllten Münster ganz hinten stehen, sollen die Chormitglieder doch bitte den Kopf nicht auf das Notenblatt gesenkt halten, sondern "den Blick in die Weite richten" und natürlich auf den Dirigenten. Laub legt seinen Sängern auch nahe, jeden Ton "vorauszuahnen", bevor er über die Lippen kommt. Jeder Takt, jede Strophe, jede Stimmlage wird durchgearbeitet, konzentriert, aber immer fröhlich. Fast erzittern die Wände, auf jeden Fall hüpft das Herz beim Zuhören, wenn schließlich das in Einzelteilen trainierte Kyrie aus allen Kehlen erklingt. Ewald Huth, der im Dritten Reich ermordete Münsterkantor, dessen Namen der Probenraum trägt, hätte seine helle Freude.
Die überwiegend lateinisch gehaltene Johannismesse, 1755 von Joseph Haydn komponiert, wird im Volksmund aufgrund ihrer Kürze von rund 15 Minuten auch "Kleine Orgelmesse" genannt. Wegen ihrer hohen melodischen Ausdruckskraft gehört sie zu den am meisten aufgeführten Kirchenwerken des österreichischen Komponisten.
Mariä Himmelfahrt ist ein immer am 15. August begangener katholischer Feiertag, der nur in Teilen Bayerns und im Saarland gesetzlich verankert ist. Gefeiert wird an diesem Tag die Aufnahme Marias in den Himmel. Dem katholischen Glauben zufolge lebt nach dem Tod eines Menschen nur dessen Seele weiter. Der Körper hingegen wird erst am jüngsten Tag auferweckt. Marias Aufnahme in den Himmel ist daher eine Besonderheit, die den erlösten Menschen symbolisiert.