Villingen-Schwenningen: "Da merkte ich, das liegt mir"

Foto: Heinig
Schwarzwälder BoteSie ist gerade einmal 25 Jahre alt und hat bald den dritten Master in der Tasche. Miriam Raspe stammt aus Düsseldorf, studiert derzeit an der Musikhochschule Trossingen und dirigiert am Sonntag das Villinger Jugendblasorchester (JBO) bei seinem zweiten Konzert.
Villingen-Schwenningen. Vor zwei Jahren schlossen sich die Jugendkapellen der Stadt- und Bürgerwehrmusik und der Stadtharmonie Villingen zu einem Projektorchester zusammen. Das Dirigat teilten sich bei einem ersten Konzert Markus Färber und Benno Kilzer. Für die zweite Auflage sollte es eine Fachkraft von außen sein. Man suchte und fand Miriam Raspe.
Sie wird am Sonntag, 1. Juli, um 10.30 Uhr im Franziskaner-Konzerthaus das JBO leiten. Vor der Pause sind das Vororchester der Stadtharmonie mit Elisabeth Klingele und die "Pimpfoniker" der Stadtmusik (Manuel Schwörer) zu hören.
Die Liebe zur Musik fand Miriam Raspe schon im Alter von sieben Jahren. Damals begann sie, Klavier zu spielen. Drei Jahre später kam die Posaune hinzu und mit 14 entdeckte sie auch noch das Tenorhorn für sich. Spätestens ab dann stand für die gute Schülerin, die sogar eine Klasse übersprang und das Abitur mit 17 ablegte, fest: Sie würde die Musik zu ihrem Beruf machen. Mit Freunden hatte sie bereits ein Bläserensemble gegründet und war insgeheim auch dessen Kopf. "Da merkte ich, das liegt mir", sagt Miriam Raspe.
Der gute Ruf der Trossinger Musikschule und speziell ihrer Posaunen-Professorin Abbie Conant lockte sie in den Schwarzwald. Ein Kulturschock? Nein, sagt die junge Frau, schließlich sei die Region musisch-kulturell sehr gut aufgestellt. Das Studium entpuppte sich als "sehr angenehm" und die Mobilität im ländlichen Raum dann doch nicht als Problem. Miriam Raspe studierte Posaune, ist darin bereits Bachelor und Master und fügte dem ersten Studium ein zweites hinzu: den Bachelor in Blasorchesterleitung hat sie bereits, die Aufnahmeprüfung für den demnächst beginnenden Masterstudiengang darin hat sie schon bestanden. Aktuell steckt Miriam Raspe in der Ausbildung zum Master im Klassenmusizieren.
Miriam Raspe gibt ihr Wissen schon seit vielen Jahren an Musikschüler weiter, außerdem dirigiert sie seit drei Jahren die Musikkapelle von Unterkirnach und seit einem Jahr die Stadtkapelle von Trossingen, wo sie auch Unterricht in Blasorchesterleitung gibt. Polkas und Märsche hat sie lieben gelernt als sie bemerkte, wie viel Potenzial und Charakter in ihnen steckt. Was sie nämlich überhaupt nicht mag ist seichte, gleichförmige Musik. Popsongs im Radio hört sie sich erst gar nicht an, "das nervt mich". Vielmehr liegt ihr anspruchsvolle Musik höchster Qualität, gerne auch abstrakt. Gleichwohl wird sie am Sonntag bei der Matinée des Jugendblasorchesters unter dem Motto "Summertime" keine schwere Kost servieren. Allerdings habe sie Stücke mit schwierigen Tempo- und Charakterwechseln ausgesucht, darunter bekannte Gershwin-Melodien wie "Summertime", "Rapsody in Blue" und "Ein Amerikaner in Paris", die die jungen Musiker fordern, "aber auch ihren Horizont erweitern". Sehr angetan sei sie von der konzentrierten Mitarbeit der 13- bis 17-Jährigen, die in den letzten Tagen einen Probenmarathon bewältigten. Miriam Raspes Ziel war es, ihnen zu zeigen, "was diese Musik so besonders macht". Ihre Aufgabe als Dirigentin sei es, den Klangkörper so einzusetzen, dass sich alles "luftig und spritzig" anhört und dass sich die in diesem großen Orchester zahlenmäßig recht unterschiedlich besetzten Register nicht gegenseitig übertönen. Eine Herausforderung für die junge und ehrgeizige Dirigentin, schließlich soll das JBO-Konzert am Sonntag zu einem Genuss werden. Verlassen muss sie sich dabei auf ihre gute Probenarbeit, denn "bei 70 Musiker kann man während des Konzertes nicht auf jeden einzelnen eingehen".
Ihre berufliche Zukunft sieht Miriam Raspe durchaus in der Region. Hier möchte sie bleiben, zumal sie in ihrer Heimat, dem Düsseldorfer Raum, kaum Chancen sieht, sich einzubringen. "Blasmusik ist in Baden-Württemberg viel besser verankert", findet sie. Bange sein muss ihr um ihre Zukunft nicht. Schon jetzt erreichen die 25-Jährige ständig Anfragen von Musikschülern, aber auch von Blasorchestern, die von ihr geleitet werden wollen. Am liebsten würde sie indes eine große Stadtkapelle leiten.
Die musikalische Entwicklung auch in dieser "noch gesegneten" Region sieht sie aufgrund von Nachwuchsmangel allerdings in Gefahr. Als einen Lichtblick empfindet sie daher die Einrichtung von Bläserklassen an Schulen. Auch hierbei würde sie künftig gerne mitwirken, die Befähigung dazu hat sie ja bereits in der Tasche.