Villingen-Schwenningen
: Bürgermeister proben Amoklauf

Einsatztraining der Polizei hautnah erlebt. Lautsprecheranlage muss aufgerüstet werden.
Von
Saskia Schuh
Oberndorf
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In einem der "Klassenzimmer" wurde der Amokläufer möglichst realistisch überwältigt.

Schuh

Schwarzwald-Baar-Kreis - Stufe für Stufe arbeiten sich die Polizisten mit den Waffen im Anschlag hoch in den ersten Stock. Ein Knall durchbricht die gespannte Stille. Sie durchsuchen Raum für Raum, bis sie auf den Amokläufer treffen. Wieder fallen Schüsse, dann liegt der Schütze auf dem Boden und die Handschellen klicken.

Das Szenario eines Amoklaufs erleben Bürgermeister des Landkreises beim Einsatztraining der Polizei Villingen-Schwenningen hautnah. Möglichst realistisch zeigen und erklären die Einsatzkräfte ihr Vorgehen im Ernstfall.

Bereits nach der theoretischen Einführung von Einsatzleiter Jürgen Riedlinger entbrennt die Diskussion um das Vorbeugen einer solchen Tat. Besonders der Austausch von Türschlössern gegen Knäufe stößt auf Kritik.

Höchste Priorität: Aufrüstung der Lautsprecheranlagen

Dabei betonte Polizeidirektor Roland Wössner jedoch, dass die Knäufe generell von außen zu öffnen seien. Bei einem Amokalarm per Lautsprecher könnten die Türen aber sofort von innen verschlossen werden. "Dass ein Amoktäter von Raum zu Raum geht und es deshalb sinnvoll ist, sich im Klassenzimmer zu verbarrikadieren, zeigen die Erfahrungen beim Amoklauf in Winnenden, man muss in so einer Situation allerdings mit allem rechnen", so Wössner. Zudem gebe es in den Schulen Verhaltensrichtlinien und Schulungen für den Notfall.

Höchste Priorität habe aus Sicht der Polizei die Aufrüstung der Lautsprecheranlagen, gefolgt von der Kommunikation zwischen Lehrer und Schulleiter bis hin zu den Türschlössern. Geprobt wird mit kompletter Schutzausrüstung und 80 Kilogramm schweren Puppen, die Tote und Verletzte darstellen.

Tritt das Szenario eines Amoklaufs ein, sind die Streifenpolizisten genau geschult. Sie warten nicht auf das Sondereinsatzkommando, sondern gehen sofort rein, um den Täter zu überwältigen. Zusätzliche Beamte schaffen möglichst schnell die Schüler aus dem Gebäude. Dabei betont Wössner jedoch auch, dass die Einsatzkräfte die Tat nur begrenzt verhindern könnten, da sich der Amokschütze in der Regel bereits im Schulgebäude befinde.

"Ich knall euch alle ab", ruft der Schütze und schießt auf die in die Ecke gedrängten Schüler, instinktiv reißen sie Stühle hoch oder ducken sich.

Die Schüler sind die Bürgermeister, geschützt mit Sturmhaube und Helm vor den Farbpatronen der umgerüsteten Waffen. Sie schauen nicht nur zu, sondern sind Teil der Übung. Der rasende Puls und die Betroffenheit sind deutlich zu sehen.

Nach dem geprobten Einsatz zeigen die Politiker große Bereitschaft, alles zu tun, um den Ernstfall zu verhindern. So wolle man beispielsweise der Polizei, die für ihr Amoktraining ein Schulgebäude suche, Räume zur Verfügung stellen.

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