Villingen-Schwenningen: Black Rider: "Wir sind eine Bruderschaft"

"Ride forever with your face in the wind": Dieser Satz steht auf dem Rückenabzeichen der Rocker.
Schwarzwälder-BoteVS-Villingen - Was Mitte der 1970er-Jahre am Bodensee anfing, hat sich über den gesamten Südwesten Deutschlands ausgebreitet: der Rockerclub Black Rider. Dessen erste Niederlassung wurde 1977 in Villingen gegründet. Am 15. September feiern die Biker ihren Geburtstag. Freitagabend in Marbach. Vor dem Café Amber steht ein gutes Dutzend Motorräder. Lange Gabeln, hohe Lenker, breite Reifen, fast alle sind umgebaute Modelle der Marke Harley Davidson.
Drinnen stehen deren Besitzer um einen runden Tisch. Dass die Motorradfahrer zusammengehören, sieht man an ihrem Rückenabzeichen. Dort steht in schwarzer Schrift auf gelbem Grund: Black Rider Germany. Einer aus der Gruppe trägt auf seiner Kutte auf der linken Brustseite gleich drei Aufnäher in denselben Farben. Darauf steht: Black Rider, VS-Villingen und Präsident. Jean-Pierre ist der Chef des Clubs. "Wir sind eine Bruderschaft, in der einer den anderen unterstützt. Wir verbringen gemeinsam unsere Freizeit und fahren alle Motorrad." Das Bike ist das Bindeglied der Gruppe und die Leidenschaft jedes einzelnen. Dass die meisten eine Harley-Davidson fahren, ist in der Rockerszene üblich.
Der Black Rider MC (Motorrad Club) wurde 1976 in Friedrichshafen gegründet. Motorradfahrer aus Villingen-Schwennigen trafen sich mit den Bikern vom Bodensee, verstanden sich gut mit ihnen und gründeten 1977 in Villingen das erste Chapter, so heißen Niederlassungen eines Rockerclubs. Inzwischen gibt es 19 davon, vom Allgäu bis an die französische Grenze sind die Black Rider im Südwesten Deutschlands heute vertreten.
Das Clubleben ist zeitaufwändig
Jean-Pierre ist seit 27 Jahren Mitglied in Villingen und seit zwei Jahren Präsident des Chapters, das seinen Sitz auf dem sprichwörtlichen Pulverfass hat: Unterschiedliche Quellen verkünden die höchste Rockerdichte im Südwesten Deutschlands. Reinhold Gall, Innenminister von Baden-Württemberg, schätzt die Anzahl an Rockern in diesem Bundesland auf 1200 Personen. Hinzu kämen noch viele aus der zweiten bis zur fünften Liga.
Die Black Rider Villingen hatten gleich mehrmals die Chance, von der zweiten in die erste Liga aufzusteigen, also sich einem der vier großen Clubs anzuschließen (Bandidos, Gremium, Hells Angels, Outlaws). "Wollten wir aber nicht, weil dann zu viele Mitglieder, unsere Unabhängigkeit und der Spaß verloren gegangen wären", sagt Jean-Pierre.
Die Rocker aus Villingen sind oft auf ihren Motorrädern unterwegs. Sie fahren zu Partys befreundeter Clubs und anderen Black-Rider-Chaptern. Auf einer solchen Party hat Julian, 22, einen aus dem Club kennengelernt. "Johnny ist zwar doppelt so alt wie ich, doch wir verstanden uns auf Anhieb." Julian traf sich fortan häufig mit den Black Ridern, wurde Prospekt, so heißt die Probezeit. Seit einem Jahr ist er Mitglied. Johnny hat ihm gesagt, was das bedeutet: "Wenn man bei uns mitmachen will, muss man für den Club da sein. Ansonsten kann man es gleich bleiben lassen." Privates und Berufliches müssten eben geregelt werden, um beides unter einen Hut zu bekommen. Johnny beispielsweise arbeitet als Fernfahrer, ist die ganze Woche unterwegs und verbringt daher die Wochenenden mit den anderen aus dem Club.
Nur wenige Ehefrauen spielen da mit, wollen hinter dem Club die Nummer zwei sein. Jörg, der Vizepräsident, ist der einzige von den Mitgliedern, der verheiratet ist. Die es mal waren, sind alle geschieden. Das Clubleben ist zeitaufwändig und fordert seinen Tribut. Bernd, seit 32 Jahren im Club und langjähriger Präsident, sagt: "Die Black Rider sind mein Leben."
Am 15. September feiern die Biker in der Motocrosshalle in Villingen ihren 35. Geburtstag. An Ständen wird es Speisen und Getränke geben, eine lange Bar wird aufgebaut, Gogo-Girls werden tanzen, und es wird eine Motorrad-Stunt-Show geboten. Mittags gibt es Spielemöglichkeiten für Kinder, abends sorgt ein DJ für rockige Musik. Jean-Piere rechnet mit 1500 bis 3000 Gästen, je nach Wetterlage. "Mit der Party wollen wir kein Geld verdienen, sondern lediglich unsere Unkosten decken." Daher werden moderate Preise für Essen und Trinken auf den Schildern stehen.
Wenn die Party vorbei ist, wird das Clubleben mit hohem Zeitaufwand und Engagement jedes einzelnen weitergehen wie bisher. "Wir wollen unabhängig bleiben und gemeinsam als Black Rider alt werden", kündigt der Präsident an, getreu dem Motto: Ride forever with your face in the wind. Dieser Satz steht auf dem Rückenabzeichen der Rocker aus Villingen.
Weitere Informationen: www.blackrider-vs.de