Tiere in Schura
: Darum gibt es Kritik am Biber

Biber schaffen eine Naturlandschaft. Doch die privaten Waldbesitzer in Schura sind gefrustet, weil sie mit den Schäden, Problemen und den entstehenden Kosten alleine gelassen werden.
Von
Ingrid Kohler
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Was aussieht wie ein schönes Naturschutzgebiet befindet sich direkt an der L 429 von Schura in Richtung Tuningen, geschaffen von Bibern

Ingrid Kohler

In den vergangenen Wochen seien Waldbesitzer auf ihn zugekommen, weil Biber deren Baumbestände auf der Westseite von Schura gefährden, berichtete Ortsvorsteher Wolfgang Schoch.

Es seien nicht nur die Laubbäume, die Biber mit Genuss abnagen, „zwischenzeitlich sind es auch Fichten“. Besonders groß sei der Schaden bei den privaten Waldbesitzern, die zum Teil schon vorbildlich ihre Wälder mit Mischwaldsetzlingen umgewandelt haben, um so dem Borkenkäfer und dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen.

Durch die Dämme auf der Westseite von Schura und der daraus entstehenden Seenlandschaft stehen die Jungpflanzen dauernd im Wasser und die Wurzeln faulen ab. Die jungen Mischwaldbäume hätten erst gar keine Chance zu wachsen, weil sie vom Biber gefressen werden.

„Jeder, der von Schura in Richtung Tuningen fährt, kann auf der rechten Seite nach dem Kreisverkehr sehen, wie so etwas aussieht, wobei hier nur noch die Ausläufer des aufgestauten Wassers zu sehen sind“, weiß Schoch. Eine Erneuerung des privaten Waldbestandes sei unter diesen Umständen nicht mehr möglich, und der Schaden bleibe zudem alleine beim privaten Waldbesitzer hängen.

Rückschritt für Erneuerung

Dies sei insofern ungerecht, weil die Mehrheit der Menschen sich über die Aktivitäten der Biber freue. „Das wissen wird vom Schönbach her. Jedoch bedenken diese Leute nicht, dass die geschädigten Grundstücksbesitzer keine Ansprüche auf Entschädigung geltend machen können.“ Die Waldbesitzer hätten einfach Pech, so Schoch.

„Das heißt, einige wenige tragen die Kosten für diese wachsende Naturlandschaft, die von einer größeren Anzahl von Naturliebhabern geschätzt wird.“ Bei den Geschädigten führe dies mittlerweile jedoch zu einem Frustpotenzial, nicht nur gegen die Biber, sondern auch gegenüber den Behörden, denen sie anlasten, mit den Schäden und Problemen alleine zurückgelassen zu werden.

Kein Abschuss möglich

„Ich habe zwischenzeitlich mit verschiedenen Fachleuten gesprochen und so viel erreicht, dass das Thema, zumindest im Landkreis Tuttlingen, auf einer höheren Warte diskutiert wird, denn abschießen wird man das Tier auch weiterhin nichtdürfen“, betonte der Ortsvorsteher.

Außerdem fehlen die natürlichen Feinde des Bibers, wie Wolf, Bär, Luchs und Puma „vom Fahrzeugverkehr, dem immer wieder mal ein Biber zum Opfer fällt, abgesehen“. Wolfgang Schoch möchte deshalb ein öffentliches Interesse dafür schaffen, dass dem Biber die natürliche Lebensgrundlage nicht entzogen wird, zugleich aber denjenigen, auf deren Flächen (Felder, Wiesen und in den Wäldern) sich der Biber niedergelassen hat, mit den finanziellen Bürden nicht alleine lassen werden.

Keiner natürlichen Feinde

„Wir werden zwar von Fachleuten beraten, die Schäden sind dennoch da“. Ortschaftsrat Jürgen Haller forderte: „Der Biber muss reguliert werden, er hat eine Überpopulation“. Ingo Hohner meinte, dass die Naturschutzverordnung des Bundes einer Enteignung der Land- und Waldwirtschaft gleich komme. „Wo der Biber drin war, ist das ganze Waldstück hinüber.“ Der Kreislauf gehe bis zu Käfernestern und Sturmschäden.

„Wir müssen eine Resolution verabschieden, so dass sich das Land Gedanken macht, wie die Waldbesitzer entschädigt werden können“, fasste Wolfgang Schoch zusammen.

Das Schwarzwälder BAARometer
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.