Streit in Niedereschach
: Rüdiger Krachenfels zieht Zorn der Grünen auf sich

Eine Nähe zur Querdenkerszene wirft die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Gemeinderat und Bürgermeisterstellvertreter Rüdiger Krachenfels (Freie Wähler) vor. Vor diesem Hintergrund konterten diese den Antrag mit einem von Gemeinderat Oliver Buman verlesenen Gegenantrag.
Von
Albert Bantle
Oberndorf
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Das Thema des Klimaschutzes beschäftigt den Niedereschacher Gemeinderat.

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Niedereschach - Bereits zu Beginn der Sitzung, als Bumann seinen Antrag noch nicht gestellt hatte, wandte sich aus den Reihen der Zuhörer Elisabeth Beck-Nielsen direkt an Bürgermeister Martin Ragg und forderte diesen mit Blick auf den Antrag von Rüdiger Krachenfels auf, klar Stellung zu beziehen. Krachenfels hatte zum Boykott der Klimagesetze aufgerufen. Ragg entgegnete, dass der Antrag von Krachenfels in der nächsten Sitzung auf der Tagesordnung stehe. Erst dort werde er seine Sicht der Dinge erläutern.

Text des neuen Antrags beruht auf dem alten

"Um die Inhaltlosigkeit und den populistischen Charakter des Textes von Herrn Krachenfels zu verdeutlichen, haben wir einen Gegenantrag formuliert", so Fraktionssprecher Bumann einleitend. Der Text des Antrages beruhe ganz bewusst in den Grundzügen des Textes von Krachenfels, verwende aber keine Argumentationen aus "Querdenkerforen oder rechtspopulistischen Facebookgruppen", sondern wissenschaftliche Quellen.

"Seit Jahren erzählen Querdenker, Verschwörungstheoretiker und Wissenschaftsleugner, dass sich das Weltklima im normalen Tempo verändern würde und der Mensch keinerlei Schuld an der gravierenden Veränderung trage", zitierte Bumann aus der Querdenkerszene. Hatte sich die Gesellschaft nach dem Mittelalter langsam losgesagt vom reinen Glaube an die Kirche und die Schöpfungsgeschichte und war der Wissenschaft mehr und mehr Glauben geschenkt worden, so lehne die Gruppe der Querdenker und Klimaleugner heute wieder gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse ab, als sei man wieder im Mittelalter.

Zündstoff im ganzen Thema

Die Kosten für die Folgen des Klimawandels lassen sich für die Gemeinde Niedereschach schon jetzt klar beziffern: Rund zwei Millionen Euro für die Notwasserversorgung und rund 15 000 Euro für ein professionelles Starkregenmanagement welches auf Grund der vermehrt zu erwartenden Starkregenereignisse nötig ist, seien nur erste Vorboten. "Es werden viele Millionen Euro hinzukommen, wenn wir nicht handeln", ist Bumann überzeugt.

Bürgermeister Martin Ragg verwies nach den Ausführungen von Bumann und dem Antrag, dass er in der kommenden Sitzung sowohl den Antrag von Krachenfels vom 30. Mai als auch den jetzigen Antrag von den Grünen in öffentlicher Sitzung auf die Tagesordnung nehmen werde. Rüdiger Krachenfels nannte es "schön", dass ein Gegenantrag gestellt wurde, kritisierte aber die "herabwürdigende und stigmatisierende Äußerungen über Menschen mit anderer Meinung". "Das verbiete ich mir", so Krachenfels.

Info: Der Antrag

Der Gemeinderat erklärt analog zur EU und zur Kommune Villingen-Schwenningen den Klimanotstand.

Er berücksichtigt ab sofort die Auswirkungen auf das Klima bei jeglichen Entscheidungen und bevorzugt im Interesse der nachfolgenden Generationen Lösungen, die sich positiv auf Klima-, Umwelt- und Artenschutz auswirken. Hierzu werden in sämtlichen Beschlussvorlagen ab sofort der Satz: "Auswirkungen auf den Klimaschutz" und dahinter der jeweils zutreffende Ausdruck "ja, positiv", "ja, negativ" oder "keine" verpflichtender Bestandteil werden.

Der Gemeinderat beschließt, die Verwaltung damit zu beauftragen, in Zukunft zu entwickelnde Wohn- und Gewerbeflächen nur in Verbindung mit einem schlüssigen Konzept für die Entwicklung der Gemeinde auszuweisen. Dieses Konzept darf nicht auf dem Grundsatz des grenzenlosen Wachstums beruhen, sondern muss insbesondere mit dem Gut Fläche absolut schonend umgehen. Für bestehende und neu errichtetet Gebäude sind nachhaltige Konzepte für die Energieversorgung mit der Eisspeichertechnologie, oder ähnlichen Technologien, umzusetzen.

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